Homeoffice... aber nur mit Vertrag! - Standort38
18. Mai 2020
Impulse

Homeoffice… aber nur mit Vertrag!

Spruchreif - Die Rechts-Kolumne für Entscheider

Elke Fasterding. Foto: Privat.

Liebe Leser*Innen,
„Bleiben Sie gesund“ verdrängt als Schlussformel in der Korrespondenz bald das standardisierte „Mit freundlichen Grüßen“ und gefühlt beschäftigt uns Corona nun schon eine Ewigkeit … Das führt dazu, dass immer mehr Betriebe ihre Mitarbeiter in 2 Teams aufteilen, von denen das eine Team mehrwöchig im Homeoffice arbeitet, während das andere Team im Betrieb ist. Danach erfolgt ein Wechsel. Dabei beschreiten die Betriebe ganz unterschiedliche Wege. Es gibt Unternehmen, die vereinbaren nix, dann gibt es Unternehmen, die haben alles auf einem Merkblatt erfasst und schließlich gibt es diejenigen, die – vorbildlich – einen Homeoffice-Vertrag abschließen. In der heutigen Ausgabe finden Sie deshalb als Arbeitshilfe ein Muster, das ich mit meiner Kollegin, Frau Rechtsanwältin Beate Schulte-Schrepping, gemeinsam erstellt habe.
Herzlichst
Ihre Elke Fasterding
RA beim AGV Braunschweig

Auszug aus der Homeoffice-Vereinbarung

Präambel
Die gemeinsame Verantwortung für Leben und Gesundheit der Arbeitnehmer ist
ein großes Anliegen der Parteien. Dies umfasst auch den Schutz vor Gesundheitsgefahren, die durch eine Pandemie – aktuell durch den Coronavirus – eintreten können. Ziel dieser ergänzenden Arbeitsvertragsvereinbarung zum befristeten Arbeiten im Homeoffice ist es, den Gesundheitszustand der Arbeitnehmer zu sichern, die Übertragung des Coronavirus während der Arbeit zu verhüten und
die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Betriebes aufrecht zu erhalten.
Aufwendungsersatz
Für die Bereitstellung der Arbeitsmittel und die Einrichtung und Nutzung des Homeoffice sowie für den Verbrauch von Strom, Wasser und Heizung zahlt der Arbeitgeber eine monatliche Aufwandspauschale in Höhe von 20,00 € (ggf. anpassen) brutto. Darüber hinaus können Kosten für die Nutzung der häuslichen Arbeitsstätte nicht geltend gemacht werden.
Arbeitszeit im Homeoffice/ Erreichbarkeit/ Überstunden/ Arbeitszeiterfassung
  • Die anstellungsvertraglich vereinbarte Wochenarbeitszeit gilt unverändert auch während der Beschäftigung im Homeoffice. Während der Arbeitszeit im Homeoffice hat der Arbeitnehmer seine telefonische Erreichbarkeit sowie die Erreichbarkeit per E-Mail über den dienstlichen Account zu gewährleisten und seine tägliche Arbeitszeit selbstständig zu erfassen.
  • Während der Tätigkeit im Homeoffice gewährleistet der Arbeitnehmer seine Erreichbarkeit zu folgenden Zeiten: […]. Im Übrigen ist er in der Einteilung der Lage der Arbeitszeit frei, sofern nicht betriebliche Belange im Einzelfall entgegenstehen.
  • Überstunden werden nur dann anerkannt, wenn sie im Voraus mit dem betrieblichen Vorgesetzten abgestimmt sind.
  • Der Arbeitnehmer verpflichtet sich, auch im Homeoffice und insbesondere bei der selbstbestimmten Einteilung der Lage der Arbeitszeit die Bestimmungen des Arbeitszeitgesetzes zu beachten.
  • Der Arbeitnehmer hat seine Arbeitszeiten in einem Arbeitszeitbuch, das elektronisch zu führen ist, festzuhalten und dieses auf Verlangen des Arbeitgebers jederzeit, zumindest aber am Ende eines jeden Monats, seinem Vorgesetzten vorzulegen.
Zugangsrecht des Arbeitgebers
  • Der Arbeitgeber ist berechtigt, vor Aufnahme der Homeoffice-Tätigkeit, sodann in regelmäßigen Abständen sowie jederzeit aus konkretem Anlass den Arbeitsplatz aufzusuchen und zu besichtigen.
  • Ein konkreter Anlass liegt vor, wenn Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass der Arbeitsplatz im Homeoffice nicht den Anforderungen (z.B. in Bezug auf Arbeitsschutz und Datensicherheit) genügt, oder wenn aus dienstlichen Gründen wegen der zu erledigenden Tätigkeiten ein Zugang zu den Arbeitsmitteln im überwiegenden Interesse des Arbeitgebers steht (z.B. Zugang zu Akten, Unterlagen und Datenträgern durch Vorgesetzten oder im Vertretungsfall).
  • Der Zugang wird, wenn nicht überwiegende Interessen des Arbeitnehmers an einem sofortigen oder kurzfristigen Zugang bestehen, mindestens 24 Stunden vorher angekündigt.
  • Der Arbeitnehmer trägt Sorge, dass auch die mit ihm in einer häuslichen Gemeinschaft wohnenden Personen mit dieser Zugangsregelung einverstanden sind.

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