Im Zehn-Minuten-Takt

Gemeinsam mit dem Jobcenter organisiert Berlitz das Projekt Job Speed Dating

Foto: DOC RABE Media - fotolia

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Donnerstagnachmittag, sechster Stock im Hochhaus Ecke Bohlweg-Waisenhausdamm. In den Fluren bei Berlitz ist es still – obwohl bereits reges Treiben herrscht. In einer kleinen Nische, rechts neben dem Empfangstresen, stehen acht Stühle. Hier warten einige Sprachschüler, – manche sitzen und blättern in ihren Unterlagen, andere stehen. An der gegenüberliegenden Wand hängt eine Tafel: „Job Board“ steht auf einem Zettel, darunter hängen Stellenanzeigen aus Zeitungen und dem Internet.
Gedämpfte Schritte sind zu hören. Sie eilen über den grauen Teppichboden in Richtung der Gruppe. Dajana Schmidt biegt um die Ecke. „Kommt mit, wir gehen schon mal in den Raum. Ich habe euch noch einige Ausschreibungen mitgebracht.“

Raum Fünf ist klein. In der Mitte stehen zwei zusammengeschobene Tische, drumherum Stühle. Aus dem Fenster blickt man auf Galeria Kaufhof; weiter links ist das Schloss zu erkennen. 15 Zettel hat Schmidt auf dem Tisch verteilt. Darauf Stellenausschreibungen von Siemens, Alstom, der Salzgitter AG, aber auch kleineren Unternehmen wie Handwerksbetrieben. Daneben steht ein Teller mit Keksen. „Schaut, ob etwas für euch dabei ist, bevor es los geht.“

Potenziale Bergen

Dajana Schmidt ist Center Director bei Berlitz. Seit Mai 2018 leitet sie die Niederlassung der Sprachschule in Braunschweig. Schon in der ersten Arbeitswoche sei sie über die vielen Potenziale, die in den Kursräumen schlummern gestolpert, erzählt die 43-Jährige. „Viele der Sprachschüler werden vom Jobcenter oder dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) vermittelt und suchen nach Arbeit. Pflegekräfte, Chemiker, Mediziner, Ingenieure – das ist unglaublich. In Unternehmen werden händeringend Fachkräfte gesucht und hier sitzen sie.“ Deshalb initiiert sie gemeinsam mit dem Jobcenter Braunschweig vor gut einem Jahr das Projekt Job Speed Dating – die Idee: In kurzen Time Slots können Unternehmen potentielle Fachkräfte kennenlernen. Einer davon ist Abdel Karim Al-Kadry. Er kommt aus Indien und sucht schon länger nach einem Job als Bauingenieur, Fachrichtung Wasserbau.

„Programmieren kann ich auch“, sagt der Ingenieur. Schmidt steht neben der Eingangstür und wartet auf Rückfragen. Zwei weitere Schüler sind mittlerweile in den Raum gekommen. Eingeladen waren sie heute eigentlich nicht. „Sie sehen, es spricht sich rum.“ In der Hand hält Schmidt eine Mappe mit langen Listen. Darauf stehen Namen, Kontaktdaten und Berufsbezeichnungen. Seit einigen Wochen geht die Leiterin des Sprachenzentrums nach dem Unterricht in die Kurse und fragt, wer auf der Suche nach Arbeit ist, legt Zettel aus, auf denen sich die Berlitz-Schüler eintragen können. Zusammengehörige Berufsgruppen fasst sie anschließend zusammen und geht über ihr Netzwerk auf regionale Unternehmen zu, um auf die Arbeitskräfte aufmerksam zu machen und gegebenenfalls ein Speed Date zu organisieren. Das stoße auf durchweg positive Resonanz. Nicht nur bei Personalern, sondern auch im eigenen Team. Ehrenamtlich unterstützen hier alle das Projekt.

Mit dem Projekt eröffnet Dajana Schmidt den Teilnehmern Wege in die Gesellschaft. Foto: Stephanie Link
Mit dem Projekt eröffnet Dajana Schmidt den Teilnehmern Wege in die Gesellschaft. Foto: Stephanie Link

Die Extrameile

„Da ist so ein großer Bedarf“, erzählt Martina Geißler, die gerade ihren Unterricht beendet hat und aus einem der Kursräume kommt. Seit knapp 20 Jahren unterrichtet sie an der Sprachschule. „Natürlich findet nicht jeder einen Platz, aber es besteht immerhin die Möglichkeit. Manchmal passt es auch nicht hundertprozentig, aber durch Nachschulungen oder Praktika kann man das aufholen. Viele Firmen sind mittlerweile flexibel, denn sie brauchen Fachkräfte.“ „Und die haben wir“, bekräftigt Schmidt. „Natürlich vermitteln wir gerne diejenigen, die regelmäßig kommen, zuverlässig und engagiert sind. Das ist ein Vorteil – wir kennen unsere Schüler.“ In Raum Fünf herrscht inzwischen ausgelassene Stimmung. Die Bewerber unterhalten sich – über ihre Berufe, das Wetter oder die Heimat. Abdel Karim Al-Kadry hat mittlerweile eine Stellenausschreibung gefunden, die ihm gefallen würde und hält Dajana Schmidt den Zettel hin. Sie nickt: „Schreiben Sie hier an einem der öffentlichen Computer eine Mail und ich leite sie dann weiter.“ Als ausgebildeter Coach ist das Projekt für sie eine Herzensangelegenheit. Den Schülern eine Perspektive bieten – dafür gehe sie neben der Arbeit gerne die Extrameile. „Für die Teilnehmer ist das eine enorme Chance, integriert zu werden – nicht nur in die Arbeitswelt, sondern in die Gesellschaft.“

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