und
31. März 2021
Kolumne

Karriere neu denken!

New Work Eine Kolumne von Nadine Nobile & Sven Franke

Nadine Nobile und Sven Franke. Foto: Nils Hasenau.

Nadine Nobile und Sven Franke. Foto: Nils Hasenau.

Katja, Geschäftsführung:
Bereits seit drei Jahren transformieren wir unser Dienstleistungsunternehmen hin zu einer agilen Organisation. Das heißt, wir haben kaum noch Hierarchien. Dafür gibt es bei uns viel Selbstorganisation in selbstverantwortlichen Teams. Auf der Arbeitsebene läuft das sehr gut. Unsere Kunden sind hochzufrieden. Doch obwohl wir ganz gut zahlen und unsere Kolleginnen und Kollegen an sehr vielen spannende Projekte arbeiten, nehmen wir vermehrt eine latente Unzufriedenheit wahr. Irgendwie kann keiner greifen, was es genau ist. Es dreht sich dabei oft um Jobtitel oder auch die fehlenden Karrieremöglichkeiten in unserer Organisation. Ich bin etwas ratlos, wie wir dem begegnen sollen.

Nadine Nobile: Erst mal Glückwunsch zu Eurem bisherigen Weg. Der Abbau von Hierarchieebenen und der Weg in die Selbstorganisation bedarf großer Kraftanstrengungen. Sei es um die Zusammenarbeit zu gestalten, oder aber auf die neuen Anforderungen reagieren zu können. Denn mehr Selbstorganisation bedeutet vor allem auch mehr Selbstverantwortung und mehr Selbstregulation bei jedem Einzelnen. Und das kann ganz schön fordernd sein.

Sven Franke: Ja, das stimmt. Vor allem bedeutet es auch immer wieder, Leer- und Gestaltungsräume, die sich aus dem Abbau der Hierarchie und der Umverteilung der Verantwortlichkeiten ergeben, zu erkennen und mit neuem Leben zu füllen. Und gerade beim Thema Karriere tauchen da erst einmal viele Fragezeichen auf. Hier sind wir doch noch sehr stark von der Aufbauorganisation und ihrem hierarchischem Denken geprägt. Viele glauben, mit der Karriere sei es in selbstorganisierten Unternehmen vorbei. Und das stimmt auch! Zumindest so lange man Karriere mit Aufstieg in einer Aufbauorganisation gleichsetzt. Doch Karriere im Sinne beruflicher Entwicklung ist immer und überall möglich: auf jeder Stelle, in jeder Rolle und in jeder Struktur.

Nadine Nobile: Das heißt, wir müssen oder besser gesagt dürfen in einem hiearchiearmen Unternehmen definieren, woran wir berufliche Entwicklung festmachen. Ist es die Übernahme von mehr Verantwortung, ist es die fachliche Expertise oder ist es der Zugewinn an Freiraum, an den wir unsere Entwicklung festmachen. Für selbstorganisierte Teams und Organisationen ist es hilfreich, dass auf Team- und Organisationsebene zu definieren. Aber genauso sollte jede und jeder Einzelne für sich überlegen, an was er oder sie die eigene berufliche Weiterentwicklung festmacht und woran der eigene Fortschritt erkennbar ist. Dabei können regelmäßige Entwicklungsdialoge mit Peers oder auch mit externen Coaches helfen.

Sven Franke: Und hier würde ich in jedem Fall empfehlen, eine Visualisierung und Kommunikation der beruflichen Entwicklung zu entwickeln, die zur Organisation passt. Sei es in Form einer Landkarte oder anhand eines Kompetenzprofils, in der die Weiterentwicklung abgebildet wird. Dabei sollten auch Rituale gefunden werden, wie man die Entwicklung für die Mitarbeitenden selbst wie auch die Kolleginnen und Kollegen.

Auch interessant