Land unter - Standort38
2. Juli 2020
Impulse

Land unter

Eine (Wirtschafts-)Region auf der kollektiven Suche nach der Belastungsgrenze …

Foto: Ian Espinosa – Unsplash.

Stress ist subjektiv. Es gibt Mitarbeiter, die kaum etwas zu beschicken haben und von außen betrachtet im Einklang mit sich und der Welt dem Wochenende entgegen schweben müssten, doch ihr eigenes Gefühl ist ein ganz anderes und sie wähnen sich ständig am Limit. Und dann gibt es Kollegen, die wie eine geölte Maschine laufen, ganz egal wie hoch sich die Arbeit vor ihnen türmt, wie nah die Deadline ist oder wie allein auf weiter Flur sie mit alledem sind. Menschen sind eben unterschiedlich und reagieren individuell auf ganz ähnliche Herausforderungen. Die einen werden inmitten des Sturms zum Ruhepol, die anderen machen selbst den Wind. Ob das nötig ist? Wer weiß das schon. Eine Empfindung können wir hinterfragen, aber nicht wegdiskutieren.

Immerhin: bei aller Individualität gibt es Faktoren, die Stress begünstigen. Zuviel Arbeit, schlechte Führung, Clinch mit den Kollegen, unattraktive Rahmenbedingungen, anstrengende Kunden, eintönige Tätigkeiten – die Liste lässt sich noch einige Zeit fortführen. Ähnlich viele Wege und Strategien gibt es, um das Gefühl zu vermeiden – von Yoga und Arbeitszeiterfassung bis zu klaren Prozessen und Vorgesetzten, die sich wahlweise vor und hinter das eigene Team stellen. All das und noch viel mehr Erkenntnisse finden Sie auf den folgenden Seiten und in unseren exklusiven Zahlen aus der regionalen 100aus38-Befragung. Schauen Sie gern ganz entspannt genauer hin, aber kein Stress bitte!

Papier ist geduldig!
Wer abhängig beschäftigt ist, hat einen Arbeitsvertrag. Und in dem sind in der Regel neben dem Gehalt auch die eigentlich dafür zu leistenden Wochenstunden vermerkt. Allerdings gehört für viele Arbeitnehmer Mehrarbeit zum Alltag.
Laut einer aktuellen Studie des Forschungsinstituts der Bundesagentur für Arbeit machen die Deutschen im Schnitt 20 unbezahlte Überstunden pro Monat – mehr als in anderen europäischen Ländern.
Diese Tendenz bestätigt sich auch in unserer (Wirtschafts-)Region. Fast 50 Prozent der Befragten müssen laut Arbeitsvertrag zwischen 35 und 39 Stunden arbeiten – real kommt damit aber nur knapp die Hälfte von ihnen aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Entspannung geht (wo-)anders
63 Prozent der Deutschen attestieren sich laut einer aktuellen Umfrage von Swiss Life eher hohes Stresslevel am Arbeitsplatz. Das ist in der Region nicht anders – im Gegenteil: Ganze 71,3 Prozent stehen auf der stressigen Seite des Berufslebens (Werte 6 bis 10), fast jeder Dritte empfindet sogar sehr viel Stress und ordnet sich auf der Skala bei Spitzenwerten zwischen 8 und 10 ein. Das ist kein gutes Ergebnis für die regionale Wirtschaft. Denn dauerhafter Stress reduziert die Leistungsfähigkeit und kann sogar krank machen. Daran sollte keinem Chef gelegen sein – nicht nur, weil ein produktives und gesundes Arbeitsklima eindeutig in den Verantwortungsbereich von Führungskräften gehört, sondern auch weil die Folgekosten hoch sind und der Ruf des Unternehmens Schaden nimmt.

 

 

 

 

 

 

Weniger Stress – mehr Balance
In einer der früheren Ausgaben, haben wir darüber berichtet, was Arbeitnehmern in der Region wichtig ist und wie zufrieden sie mit diesen Aspekten in ihrem aktuellen Unternehmen sind. Dazu gehörte natürlich auch die Work-Life-Balance, die maßgeblich mit dem Stressempfinden zusammenhängt. Wer im Job kaum gestresst ist, bewertet das Verhältnis von Arbeit und Privatleben positiv, ganz anders sieht es bei Menschen aus, die ihre Arbeit als Belastung empfinden. Dieser Zusammenhang wird auch in unseren regionalen Ergebnissen deutlich. Die blauen Kreise zeigen jeweils die häufigsten Antworten und bilden in der Summe die Mehrzahl der Befragten ab.
71,8 Prozent der Menschen beispielsweise, die sich besonders stark gestresst fühlen, sind mit ihrer Work-Life-Balance überhaupt nicht zufrieden. Dagegen attestieren sich 57,5 Prozent der Befragten, die mit ihrer Work-Life-Balance sehr zufrieden sind, ein geringes Stresslevel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Arbeitszeitmodelle, die entlasten …
Das Ergebnis verwundert nicht wirklich: Klare Strukturen und Anforderungen in den Arbeitszeitmodellen entlasten die Mitarbeiter. Eine Stundenerfassung hilft beispielsweise bei der Grenzziehung zwischen Arbeit und Freizeit – Angestellte, die ganz ohne feste Anwesenheit in Form einer Funktionsarbeitszeit beschäftigt sind, empfinden dies häufig als besonders stressig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gib Stress keine Chance!
Das sagen die Arbeitnehmer …

 

 

 

 

 

Freie Antworten
(Auswahl)
– Urlaub
– Das gute Arbeitsklima
– Gelassenheit des Alters, Beruf ist nicht alles – Freizeitgestaltung, Familie
– Home Office, Musik, Probleme offen ansprechen
– Ausgleich im Privatleben
– Aufgaben strukturieren und priorisieren
– Fortbildungen zum Selbstmanagement, Resilienz etc.
– Aufgaben strukturieren und priorisieren
– Pausen einhalten
– Yoga
– Es wird so viel vom Arbeitgeber angeboten (Massage, Yoga, …), da kann gar kein wirklicher Stress aufkommen
– Arbeit zum Feierabend liegen lassen
– effektives Zeitmanagement
– Alles hat eine klare Linie im Betrieb, somit entsteht erst gar kein Stress
– Atemtechniken
– Bewegungspausen, kleine Gespräche mit Kollegen
– Meditationsübungen
– Die Kollegialität reduziert den Stress im eigenen Verantwortungsfeld
– Transparente Kommunikation über Probleme Richtung Kunde
– Sport
– Eigenständig Arbeiten und Gesundheitskurse beim Arbeitgeber besuchen

Stressoren – aufgepasst!
Von hoher Arbeitsdichte bis unfähigem Chef – das belastet die Mitarbeiter am meisten …

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Freie Antworten
(Auswahl)

  • Tendenz zu Mobbing/Ausgrenzung
  • Fehlender Rückhalt, permanente Kontrolle, kein Vertrauen
  • ständige Erreichbarkeit
  • Menschenunwürdige Verträge mit Kunden abgeschlossen
  • Aufgaben aus Stellenstreichungen müssen übernommen werden
  • Kundenreklamationen
  • Arbeitsaufkommen, weitreichende Entscheidungen, hohe Budgetverantwortlichkeit
  • eigener Anspruch
  • sehr großer Verantwortungsbereich
  • desolate Unternehmensstruktur
  • fragmentierte Aufgaben
  • unfähige Geschäftsführer
  • Abläufe sind unklar, viel für andere mitdenken
  • Anforderungen der Kunden werden immer größer und es muss alles schneller werden
  • Zu viele Projekte gleichzeitig, dabei zu viel reden und zu wenig machen
  • Anfragen per Mail und Telefon
  • Bürokratie
  • Arbeitsaufkommen, häufige Veränderungen im Projektauftrag
  • fehlerhafte Technik, IT
  • Man möchte keine Fehler machen
  • Gleichgültigkeit der Führungsebene den Mitarbeitern gegenüber
  • Arbeitsverdichtung und Aufgabenkomplexität
  • mangelhaftes Personalmanagement
  • sehr großer Verantwortungsbereich
  • Erfolgsdruck, Changemanagement

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