Der Status quo der E-Mobilität

Prof. Dr. Dirk Gunther Trost, Mitbegründer und Sprecher des Instituts für Verkehrsmanagement an der Ostfalia

Institutsmitarbeiter Dipl.-Ing. Andreas Kuhnert und Prof. Dirk Gunther Trost an einer Elektroladestation auf dem Ostfalia-Parkplatz in Salzgitter. Foto: Kristina Krijom


Herr Prof. Trost, sind alle am Institut Fans von Elektromobilität?

Auf jeden Fall. Sie wird in weiten Teilen die Zukunft der Mobilität sein. Wir hatten schon im Jahr 2010 zwei Ladesäulen und haben den Studierenden mit Unterstützung lokaler Partner ein Elektrofahrzeug im Carsharing angeboten. Im Öffentlichen Personennahverkehr ist E-Mobilität ja schon lange weit verbreitet.


Anschaffungspreis, Reichweite und die Ladeinfrastruktur halten bis dato viele vom Kauf von Elektroautos ab. Wie bewerten Sie bisherige Kaufanreize?

In der Lehre sind wir ein interdisziplinäres Team aus Ökonomen und Ingenieuren – das macht unser Institut aus. Als Ökonom vertrete ich die Ansicht, dass sich Elektromobilität im Wettbewerb durchsetzen sollte und halte wenig davon, Verbrennungsmotoren von Seiten der Politik zu verbieten. Dennoch denke ich, sollte man positive, verstärkende Maßnahmen ergreifen, um die neue Technologie zu fördern; also Anreize wie eine bessere Ladeinfrastruktur oder technologische Weiterentwicklungen politisch flankieren. Innovationen wie Pedelecs haben sich auch ohne Zwang und Verbote durchgesetzt.


Ihr Kollege Prof. Cerbe forscht auf Mallorca gerade an dem Einsatz von Elektromobilität. Welche Erkenntnisse gibt es bereits?

Viel Sonne, also regenerierbare Energie, kurze Reichweiten und günstige Strompreise bilden dort die ideale Voraussetzung, dennoch halten sich die Anzahl von E-Autos in Grenzen. Eine erste Erkenntnis: Allem voran die Autovermietungen vor Ort müssen mitziehen und E-Autos nachrüsten. Daran mangelt es bisher.

Wie bewerten Sie die regionale Rolle des Instituts?

Wir waren hier an der Hochschule auch die ersten mit einer Schnellladesäule für Elek-trofahrzeuge. Die haben wir damals im Rahmen des bundesweiten Forschungsprogramms „Schaufenster Elektromobilität“ etabliert. Unsere Region war eines der Programm-Cluster, da haben wir uns natürlich eingebracht. All unsere Studierenden schließen mit einem Praxissemester im Unternehmen ab; viele schreiben auch ihre Abschlussarbeit dort und erhalten sogar schon vor dem Abschluss ein Jobangebot. Durch die Praxisnähe sind wir sehr gut vernetzt und aufgestellt.  

Welche Relevanz besitzt die Digitalisierung bei Ihrer Forschung?

Eine sehr große Rolle, da sie eben auch die neuen Verkehrskonzepte beeinflusst. Denken Sie nur an Mobilitätslösungen wie Car-Sharing oder Taxi-Apps – die wären ohne das Smartphone gar nicht möglich. Auch bei der Straßenbelastungsmessung vereinfacht die Digitalisierung Prozesse und macht Daten unmittelbar greifbar. Wir betrachten aber auch die digitalisierten Geschäftsmodelle im ÖPNV-Bereich, der ja zunehmend mit Automobilherstellern, die nicht mehr nur Hersteller, sondern auch Dienstleister sein wollen, mithalten muss.  

Inwiefern setzen Externe im Institut die erforschten Erkenntnisse um?

Städte und Kommunen beispielsweise, wenn wir Gefahren dokumentieren, erhöhte Geschwindigkeiten, zu hohes Verkehrsaufkommen oder verkehrsbedingte Lautstärke messen. Da reagiert man dann auch von Seiten der Politik oder Verkehrsbehörde, wenn wir zusammen mit den Studenten Projekte zur Optimierung vorlegen. Wir sind stark mit der Region vernetzt und in ständigem Austausch; das ist nicht zuletzt für die Studierenden gut, denen sich dadurch häufig Türen zum ersten Job öffnen.

Wie kann man die Region verkehrstechnisch verorten?

Was die Verkehrskompetenz angeht, sind wir in wissenschaftlicher Hinsicht gut aufgestellt. Nicht zuletzt Institutionen wie das DLR machen die Region zu einem Verkehrs-Cluster. Wenn man von Wolfsburg zu Stoßzeiten oder der A2 absieht, haben wir in der Region keine großen Verkehrsprobleme. Ich war beruflich einige Jahre im RheinMain-Gebiet tätig; da sieht man, was hohes Verkehrsaufkommen ist.

Wie steht es um den ÖPNV?

Der regionale ÖPNV  macht Fortschritte, ist aber noch steigerungsfähig. Doch eines muss man bedenken: Unsere Region ist stark von der Automobilindustrie geprägt. Daher wird der ÖPNV womöglich nicht so sehr gepusht wie in anderen Regionen. Nehmen Sie nur Salzgitter: Wir haben hier eine Stadt mit der Dimension eines Landkreises. Da kann man nicht die ÖPNV-Verbindungen erwarten wie in einer gleichgroßen Stadt, die hunderttausend Einwohner hat, aber viel kompakter ist. Unsere Haltstelle hier am Campus ist auf die Vorlesungstakte abgestimmt – eine positive Entwicklung für die Studierenden – und diese Busanbindung zeigt, dass wir hier als Hochschule auch Gehör finden.

Welche Herausforderungen warten in den nächsten Jahren auf das Verkehrsmanagement?

Die Mobilität verändert sich und das Verkehrsmanagement mit ihr. Nehmen Sie das Thema Pkw-Besitz. Carsharing ist ein wachsender Markt und viele junge Menschen in den Städten wollen kein eigenes Auto mehr besitzen; ihnen sind andere Dinge wichtiger. Das lässt sich auch an der Tendenz zum späteren Führerschein erkennen. In Zukunft wird es vor allem um Verkehrsdienstleistungen gehen, weniger um den Pkw an sich. Zudem wollen Schadstoffe und Lärm in Städten gemeistert werden. Aber auch die Integration von E-Mobilitätsformen wie den Pedelecs stellt bei steigendem Aufkommen eine Herausforderung dar und verlangt die Anpassung von Radwegen. Zudem müssen alle Verkehrsteilnehmer ihre Wahrnehmung in Bezug auf E-Autos und -Roller schärfen, da die typische Lautstärke bei diesen entfällt. Mittelfristig geht es gleichermaßen darum, den Verkehr in den Städten zu entzerren und ihn auf dem Land sinnvoll zu gestalten.

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