Krone richten? Anpacken!

Der Gründerinnen-Stammtisch Braunschweig stärkt die weibliche Unternehmerszene

Vernetzungsgedanken zum Abendbrot: Kunsttherapeutin Sonja Wartjen stellt sich vor. Foto: Derya Özlük

Vernetzungsgedanken zum Abendbrot: Kunsttherapeutin Sonja Wartjen stellt sich vor. Foto: Derya Özlük

Das Thema, das eigentlich keines mehr sein sollte, lässt sich nicht allein über eine Quote lösen: Um Frauen in Führungspositionen zu stärken, muss aktiv Initiative ergriffen werden. Der Gründerinnen-Stammtisch im Torhaus Nord in Braunschweig zeigt Flagge für die Frauen der ersten Unternehmensstunde – und offenbart, welche Hemmnisse die Gesellschaft überwinden muss, um eine vielfältige Gründerszene zu fördern. Gründen sei eine Herausforderung – insbesondere für Frauen. Während in Bezug auf die Männerwelt gerne der Platzhirsch-Vergleich bemüht wird, verhalten sich Frauen in der Regel deutlich zurückhaltender, erklärt Stammtisch-Veranstalterin Anikó Merten.

„Ich habe die Beobachtung gemacht, dass Männer schnell, gerne und laut über ihre Ideen reden. Frauen tun das seltener, sind generell nicht so risikobereit und grübeln viel.“ Als Geschäftsführerin der Genusskurator UG weiß die 36-Jährige, über welche Steine man auf dem Weg in die Selbstständigkeit stolpern kann. Als sie ihr Unternehmen, das Kunst und Kulinarik in Veranstaltungskonzepten bündelt, vor rund zwei Jahren gründete, stand sie vor den gleichen Problemen wie ihre männlichen Kollegen: Gewerbeanmeldung, Businessplan, Finanzierungsschwierigkeiten – und der Zweifel an der Rentabilität der eigenen Geschäftsidee. „Entscheidend für den erfolgreichen Einstieg ins Unternehmertum ist zudem das Netzwerken. Insbesondere viele Frauen empfinden das als Herausforderung!“

Offener Austausch in familiärer Runde

Um diesen Startschwierigkeiten Abhilfe zu schaffen, hat die Kunstwissenschaftlerin den Gründerinnen-Stammtisch ins Leben gerufen. Im Fokus steht hier der gegenseitige Erfahrungsaustausch in kleiner Runde und der Vernetzungsgedanke innerhalb der Region. Dabei sei es nicht Absicht, Frauen mit vermeintlich männlichen Attributen auszustatten, um ihnen das Gründen zu erleichtern. Vielmehr, erklärt Merten, müsse die Veranstaltung am tatsächlichen Bedarf der Entscheiderinnen ausgerichtet werden. Dass ein starker Verbund in der Gründerszene vorhanden ist, bestätigt die buntgemischte Teilnehmerrunde. Insgesamt acht Frauen aus unterschiedlichsten Branchen versammeln sich heute um die Tafel im Torhaus. Einige haben den Schritt in die Unabhängigkeit schon getan, andere stehen kurz davor. „Ich erfinde mich gerade neu!“, sagt Sonja Wartjen. Die 50-Jährige hat nach 20 Jahren beruflich noch einmal umgesattelt – und sich vor Kurzem als Kunsttherapeutin selbstständig gemacht. Julia Eschment vom Nähwerk im Magniviertel schätzt die Atmosphäre der Veranstaltung: „Ich bin hier, um andere Ideen und starke Frauen kennenzulernen.“

Dass Veranstalterin Anikó Merten ein Händchen für Kunst und Kulinarik hat, verrät ein Blick auf die gedeckte Tafel im Torhaus Nord. Foto: Derya Özlük
Dass Veranstalterin Anikó Merten ein Händchen für Kunst und Kulinarik hat, verrät ein Blick auf die gedeckte Tafel im Torhaus Nord. Foto: Derya Özlük

Impulse für die Zukunft

Der Gründerinnen-Stammtisch steht grundsätzlich allen interessierten Frauen der Region Braunschweig offen und findet im achtwöchigen Turnus statt. In den kommenden Veranstaltungen werde verstärkt thematisch gearbeitet, verrät die Organisatorin. Neben der Hilfestellung und der Vermittlung an Experten sollen Impulsvorträge mit verschiedenen Schwerpunkten über die ersten Schritte und Konzeptentwicklung bis hin zu Marketing und Fördermittelbeantragung informieren. Zukünftig heißt es anpacken: „Die Frauen in der Runde haben großartige Ideen, die gefördert werden und ins Leben gerufen werden wollen.“

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