12. Oktober 2016
Management & Trends

„Natürlich eckt man auch ab und zu an …“

Dominic Multerer Markenspezialist, Autor und Berater im Interview

Marketingexperte Multerer sprach mit Standort38 über klare Positionierungen und fehlende Strategien. (Foto: 5-Sterne-Team)


Herr Multerer, Sie haben einen Haupt- statt Hochschulabschluss. Wie wurden Sie zum gefragten Marketingexperten?

Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht, viel gearbeitet und war zur richtigen Zeit am richtigen Ort, durfte spannende Leute kennenlernen und mir wurden tolle Projekte anvertraut. Viel Learning by Doing.


Was macht gutes Marketing aus?

Gute Markenarbeit überrascht, fällt auf und stärkt ganz klar die Positionierung des Absenders. Oft fehlt Unternehmen in Deutschland die Strategie – die operative Power ist da, aber ohne "Plan" verpufft alles.


Das Handelsblatt nannte Sie mit 16 Jahren "Deutschlands jüngsten Marketingchef". Inwiefern war diese Headline wichtig für Ihr Leben?

Sie war schon ein wichtiger Türöffner, aber nur wertvoll, wenn man diese geschickt einsetzt. Vor allem aber war sie ein Anreiz, weil es ja nur eine leere Aussage ist, die auf Alter beruht, nicht auf Leistung. Viele Projekte, drei Bücher später kann ich sagen: Ich denke, ich habe geliefert.


Inwiefern haben das Abnehmen von Körpergewicht und das Sitzenbleiben in der Schule geholfen, um später erfolgreich zu sein?

Ich glaube, dass viele erfolgreiche Menschen Sport treiben und selbst etwas für sich tun. Damals war mir das nicht bewusst, aber das hängt eng zusammen. Es hat mich auf jeden Fall entscheidend geprägt!


Mit 18 Jahren gründeten Sie Ihr erstes Unternehmen. Welches und wie glückte das?

Ich gründete die Multerer Consulting (heute: Dominic Multerer GmbH), die sich um meine Vorträge und Beratungsmandate kümmert. Über Kontakte kamen die ersten kleinen Aufträge rein und das ganze wurde immer größer – bis heute.


Wie kamen Sie so jung mit so viel Verantwortung zurecht?

Man realisiert das zunächst gar nicht und ist manchmal sogar ein wenig naiv. Rückblickend ist das sogar gut, sonst hätte man sich vermutlich verrückt gemacht. Das erste Mal wirkliche Verantwortung habe ich gespürt, als ich die Autohandelsgruppe Dürkop in 2012 mit einer neuen Marktdarstellung ausgestattet habe. Daran hängen schließlich 1.000 Mitarbeiter. Das war schon heavy.


Was raten Sie Gründungswilligen?

Fangt an und probiert euch aus.


Was halten Sie von der Gründerszene in Deutschland?

Die Gründerszene ist ja zweigeteilt: zum einen die investorengetriebenen Technologieunternehmen zum anderen die mittelständischen bodenständigen Geschäftsmodelle und Gründer. Es passiert viel und durch TV-Sendungen wie die „Höhle der Löwen“ wird das Thema in der breiten Masse sensibilisiert.


Sie haben viel Marketing-Erfahrung in Dänemark gesammelt. Was können wir uns von den Nachbarn abschauen?

Ich finde, wir können in Europa am meisten von den Engländern lernen. Einfach mal nach London fliegen und schauen, was dort aktuell ist. Dort konnte man Anfang letzten Jahres schon per WhatsApp seine Pizza bestellen. In Deutschland geht das noch nicht.


Vom wem oder was lassen Sie sich inspirieren? Haben Sie Vorbilder?

Die Menschen, welche ich auf Kongressen kennenlernen darf, sind immer sehr inspirierend. Vom CEO über Marketingleiter bis zu Personalchefs oder auch Redakteuren, jeder gibt mir andere Eindrücke mit. Ein großes Vorbild gibt’s bei mir nicht.


Ihr Credo lautet „Klartext“. Was bedeutet das genau?

Ich glaube daran, wenn man im Unternehmen eine Klartext-Kultur lebt und Standpunkte zulässt, offen reflektiert und Entscheidungen hinterfragt und offen zu Verbesserungen einfordert – also Klartext spricht – geht’s mit dem Unternehmen besser, es ist zukunftsfähiger und es verdient mehr Geld.


Was versteckt sich hinter der „Reißverschluss-Philosophie“, die Sie propagieren?

Es gibt mir darum aufzuzeigen, dass man 80 % Marketingbasis braucht (Standardwerkzeuge wie Printmaterial usw.) und 20 % für Besonderes (Guerilla Marketing bspw.) bereitstellen sollte. Dann ist man gut unterwegs, da über die besonderen Dinge Aufmerksamkeit für die Basis geschaffen wird. Viele machen einen guten Basisjob, aber fliegen unter dem Radar, daher meine Philosophie, beide Seiten wie einen Reißverschluß zusammenzippen.


Immer wieder sprechen Sie von der Notwendigkeit, die Komfortzone zu verlassen und sich mehr zu trauen. Haben Sie mit Aktionen auch schon negative Erfahrungen gemacht?

Natürlich eckt man auch ab und zu an, das ist aber völlig ok. Die Frage ist eher: Was ist, wenn ich nicht die Komfortzone verlasse? Dann bin ich einer von vielen und austauschbar.


Worin liegt das Geheimnis Ihres Erfolges?

Ich bin immer ich geblieben und habe das gemacht, was mir Spaß macht. Der Erfolg kommt von alleine.

 

 

Standort38.de präsentiert

„Sagen, was Sache ist. Machen, was weiterbringt. Dominic Multerer spricht Klartext“, titelte die BILD. Das Handelsblatt bezeichnete ihn als Deutschlands jüngsten Marketingchef. Am 19. Oktober, 19:30, erzählt er im BZV Medienhaus, wie man auf positiv-provokante Art klare Aussagen und offene Kommunikation für die Karriere und die Firma nutzt. Weitere Informationen unter:
www.sprecherhaus.de/zukunftsmacher-2016

Auch interessant