12. Mai 2017
Management & Trends

Personalgespräch während Krankschreibung?

Spruchreif Die Rechts-Kolumne für Entscheider

Elke Fasterding ist Rechtsanwältin beim AGV Braunschweig. Foto: Privat

Liebe Leser,

manchmal hat man im Arbeitsgericht auch Grund zum Lachen. Gekündigt war einem Arbeitnehmer wegen Verstoßes gegen die Pflicht zu gesundheitsförderlichem Verhalten.

Er hatte im Krankenstand bei Facebook gepostet, dass er sich mehrstündig im Fitnessstudio ausgepowert habe und auch als Model in der Fitnessbranche arbeite. In Anbetracht der fehlenden Nebentätigkeitsgenehmigung war mein Mandant von beiden Fakten geflasht und meinte nur „Unser Betriebsronaldo“ …

Als der Richter die Fotos vom Eightpack sah und „Bodybuilding aesthetic“ las, guckte er prüfend auf die Fotos, dann ein wenig an sich selbst runter und meinte: „Ach, das sind nur die kleinen Muskelgruppen…“.

Herzlichst

Ihre Elke Fasterding

Das Bundesarbeitsgericht hat sich in seinem Urteil vom 02. November 2016 – 10 AZR 596/15 – mit der spannenden Frage befasst, was vom Arbeitsnehmer während einer ärztlich attestierten Arbeitsunfähigkeit verlangt werden kann.

Denn die sogenannten leistungssichernden Nebenpflichten und die bestehenden Rücksichtnahmepflichten bleiben von der Arbeitsunfähigkeit unberührt.

Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass der Arbeitnehmer die genaue Krankheitsdiagnose nicht mitteilen muss – so interessant das für den Arbeitgeber auch sein mag.

Personalgespräch ist nicht gleich Personalgespräch. Der Arbeitgeber kann den Arbeitnehmer lediglich zur
Teilnahme an Personalgesprächen verpflichten, in denen es um Weisungen hinsichtlich Inhalt, Ort und Zeit der Arbeitsleistung oder auch Fragen der Ordnung und des Verhaltens im Betrieb geht. Das folgt aus dem in § 106 GewO verankerten Weisungsrecht. Einer Weisung, zu einem
Trennungsgespräch zu erscheinen, muss der Arbeitnehmer nicht folgen (BAG, 23.06.2009 – 2 AZR 606/08 -).

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