17. Februar 2016
Management & Trends

Warum brauchen Sie viel‘ Hierarchie?

Filmemacher Sven Franke über seinen zweiten Impulsfilm, das Ende des tayloristischen Managements und den Schmerz der Veränderung

Filmemacher Sven Franke. Foto: Holger Isermann

Wenn wir die Namensschöpfung ernst nehmen, dürfte der Weg zur Augenhöhe im Mittelpunkt Ihres neuen Films stehen. Wie sieht dieser Weg aus und wie steinig ist er?

In erster Linie sieht der Weg der Unternehmen ganz unterschiedlich aus. Es gibt nicht den einen Weg und vor allem gibt es keine Blaupause. Mit AUGENHÖHEwege waren wir in zehn ganz unterschiedlichen Unternehmen. Die Spanne geht vom Inhabergeführten Mittelständler bis zu einem 200.000 Mitarbeiter starken Konzern. Auch die Branchen sind sehr unterschiedlich. Diese breite Auswahl zeigt gleichzeitig, dass es in allen Bereichen Bemühungen in diese Richtung gibt. Und ja, manchmal ist der Weg auch steinig. Aber es lohnt sich ihn zu gehen, da er die einzige Möglichkeit ist, auf Herausforderungen der Märkte, Kunden und des gesamten Umfelds angemessen und agil reagieren zu können.

 

AUGENHÖHEwege – offizieller Trailer from
AUGENHÖHEworks on
Vimeo.

Wie häufig begegnen Sie Menschen, die einen Hierarchieabbau für grundsätzlich falsch halten? Und was entgegnen Sie ihnen?

Sie sind aufgrund des Umfelds, in dem ich mich bewege natürlich in der Minderheit. In der Regel entgegne ich den Menschen nicht, sondern stelle Fragen. Warum brauchen Sie „viel“ Hierarchie? Welches Menschenbild liegt diesem Wunsch zugrunde? Und welche Glaubensätze liegen dahinter? Für mich heißt Augenhöhe auch Gewohnheiten und Strukturen zu hinterfragen und eigene Glaubenssätze zu überdenken.

Der Trendforscher Sven Gábor Jánszky hat im Standort38-Interview gesagt, „dass eine ältere Generation an den Schalthebeln sitzt und versucht ihre Wertvorstellungen zu benutzen, um die eigene Macht und Deutungshoheit zu erhalten“. Steckt hinter dem Wandel auch ein Generationenkonflikt?

Ich glaube das ist zu kurz gegriffen. Auch die angesprochene ältere Generation merkt inzwischen, dass sie mit ihren Wertvorstellungen nicht mehr weiter kommt. Die Gründe dafür sind vielfältig. Es haben sich unter anderem die Vorstellungen der Mitarbeiter verändert. Ein gutes und sichtbares Beispiel dafür ist die Diskussion um die Generation Y und die Generation Z. Parallel dazu ändern sich die Anforderungen des Marktumfelds immer rasanter. Große Organisatoren haben schlichtweg keine Zeit mehr die klassischen und tayloristischen Entscheidungswege einzuhalten, weil sie sonst den Kunden an einen Mitbewerber verlieren.

 

Bei der Demokratisierung eines Unternehmens dürften sich vor allem Arbeitnehmer in Leitungsfunktionen als Verlierer sehen. Kann man ein Unternehmen auf den Kopf stellen, ohne, dass es Einzelnen weh tut?

Eine gute Frage. Jeder weiß, dass Veränderung auch weh tut. Wobei Demokratisierung nicht heißen muss, komplett auf Hierarchie zu verzichten. Wenn ein Arbeitnehmer in Leistungsfunktion sich als Verlierer sieht, dann muss man schon fragen warum? Sieht er nur seine Position oder auch seine Rolle im Unternehmen? Führung wird es weiter geben, aber diese ist nicht von oben bestimmt, sondern von unten verliehen. Was es allerdings nicht mehr geben wird, ist das klassische, von Taylor beschriebene Management. Denn dieses setzt voraus, dass nur Wenige im Unternehmen denken und das kann sich kein Unternehmen mehr erlauben.

 

Wie demokratisch ist unsere Wirtschaft heute? Gibt es Unterschiede zwischen dem Mittelstand und großen Konzernen?

So einfach ist die Frage nicht zu beantworten, da der Demokratie-Begriff für Unternehmen nicht definiert ist. Was verstehen Sie darunter? Für mich bedeutet Demokratie in Unternehmen, dass jeder Mitarbeiter die Möglichkeit hat, die Organisation (mit) zu gestalten. Das kann in Falle von Haufe Umantis aus der Schweiz bedeuten, dass die Mitarbeiter einmal im Jahr die Geschäftsführer und Führungskräfte wählen, muss es aber auch nicht. Grundsätzlich glaube ich, dass es keinen Unterschied zwischen Mittelstand und großen Konzernen gibt. Wir zeigen in AUGENHÖHEwege auch große Konzerne, die sich auf den Weg gemacht haben.

 

Auch AUGENHÖHEwege zeigen Sie im Rahmen von Dialogveranstaltungen. Wie viel Mitmachpotenzial erwartet die Teilnehmer dort?

Wie schon bei unseren ersten Film AUGENHÖHE soll der Film für den anschließenden Dialog eine Anregung sein. Uns ist es wichtig, dass jeder Teilnehmer sich seine eigenen Gedanken macht und diese mit den anderen Teilnehmern austauscht. Idealerweise entstehen dabei zwei Dinge. Eine erste Vernetzung über die Unternehmensgrenzen hinaus und ganz konkrete Ideen für die Umsetzung im eigenen Unternehmen. Wichtig ist dabei jeder kann den ersten Schritt machen! Somit erwarten wir viel Mitmachpotential von den Teilnehmern.

 

Das Hochschulmagazin studi38.szene38.de präsentiert den neuen Impulsfilm AUGENHÖHEwege am 7. März in einer Niedersachsenpremiere. Los geht es um 19 Uhr im Konferenzcenter des BZV Medienhaus. Im Anschluss an den Film können die Gäste mit Regisseur Sven Franke im Rahmen einer Fishbowl-Diskussion ins Gespräch kommen. Die Veranstaltung ist kostenfrei.

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