1. April 2021
Impulse

Mit der eigenen Zucht ganz nach oben – Reitanlage Heseberg

Pferdehöfe der Region – Teil 2

American Quarter Horses sind die Leidenschaft von Cornelia Hoffmeister. Foto: Reitanlage Heseberg.

Von der Braunschweiger Stadtmitte über die Bundesstraße 4 und die L321 geht es in weniger als 30 Minuten nach Adenbüttel im Landkreis Gifhorn. Etwas außerhalb des kleinen Dorfes liegt die Reitanlage von Cornelia Hoffmeister. „Bevor ich das Haus und das Grundstück 2011 gekauft habe, war hier ein Gasthof. Viele Leute in der Region kennen die Gaststätte Heseberg noch“, erzählt die passionierte Pferdezüchterin. Erst durch ihren Einsatz, dem Zukauf weiterer Flächen und einigen Umbauten wurde das Gelände Heimat von rund
60 Pferden.
Die gebürtige Braunschweigerin entdeckte während ihrer Kindheit in den 70ern die Liebe zum Pferd. Damit war sie in ihrer Familie die einzige, sie bekam keinerlei Wissen über Haltung, Pflege und Zucht der Tiere in die Wiege gelegt. Nach ihrem Abitur studierte sie Mathematik und die Vorstellung, einmal zu Züchten, lag noch in der Ferne. „In den 90er Jahren entdeckte ich das Westernreiten für mich und gemeinsam mit meinem damaligen Mann baute ich zum ersten Mal eine Zucht auf – wobei sich sowohl die Westernreiterszene als auch die Zucht von Quarter Horses in Deutschland seitdem stark verändert und professionalisiert hat“, erzählt sie.
Quarter Horses, oder auch American Quarter Horses, gelten zahlenmäßig als größte Rasse der Welt. In Deutschland, schätzt Hoffmeister, sind es allerdings nur knapp 36.000 Tiere. Entstanden ist die Rasse aus Kreuzungen verschiedener Pferde, die im 17. und 18. Jahrhundert mit Siedlern aus Europa in die USA kamen. Als universelles Pferd für Cowboys und Rancher, die auch mal an Rennen teilnahmen, mussten die Tiere möglichst vielseitig sein. Schnell, wendig und gelehrig. In der modernen Zucht haben sich verschiedene Typen der Quarter Horses entwickelt, die sich zum Teil in ihrem Aussehen, aber auch in ihrer Beweglichkeit voneinander unterscheiden.

Vor zehn Jahren kaufte Cornelia Hoffmeister das ehemalige Gasthaus Heseberg im Landkreis Gifhorn und baute ihn zum Pferdehof um. Foto: Reitanlage Heseberg.

Pferdewirtschaft und Friseurgeschäft
Auch Hoffmeister entwickelte sich weiter. Nachdem sie bereits einige Jahre als Trainerin für Westernreiten und Dressur gearbeitet hatte, legte sie ergänzend im Jahr 2000 die Prüfung als Pferdewirtin der Fachrichtung Zucht und Haltung ab und ließ sich in den folgenden Jahren zur Meisterin Zucht und Haltung fortbilden.
Für einige Jahre legte sie eine Pause in der Zucht ein, verkaufte ihren Stall und konzentrierte sich ganz auf ihr Unternehmen: Als Geschäftsführerin der Cut & Go GmbH trägt sie die Verantwortung für derzeit 17 Friseurgeschäfte und 150 Mitarbeitende. „Ein oder zwei eigene Pferde hatte ich aber immer, aufs Reiten verzichten war nie eine Option. 2011 habe ich dann den Heseberg gekauft und neu angefangen“, so Hoffmeister. Sie ließ Ställe und eine Reithalle bauen, kaufte Land in der Nachbarschaft dazu.

Der Wallach darf auf Heseberg bleiben
Dabei sei es immer ihr Traum gewesen, mit ihrer Haltung und Ausbildung der Pferde züchterisch „ganz vorne dabei zu sein“. „Allerdings ist bei den von mir gehaltenen Quarter Horses vieles anders als beim in Deutschland weitverbreitetem Warmblut, also den Hannoveranern und ähnlichen Rassen. Die Quarter-Horse-Szene ist sehr viel kleiner, die Vermarktung der Pferde läuft über andere Kanäle und auch die erzielten Preise sind nicht vergleichbar.“
Sie züchtet aktuell mit vier Stuten und einem Wallach namens Iron Will To Win – einem kastrierten, männlichen Pferd.
„Bei Quarter Horses gibt es den Natursprung hin und wieder noch, aber es ist mit Verletzungsrisiken für die Tiere, für Stuten und Hengste, verbunden. Und die Haltung des Hengstes ist aufwändig. Daher habe ich ausreichend Sperma meines eigenen Hengstes, der noch auf Turnieren geritten wird, einfrieren lassen, um weiter mit ihm züchten zu können – während er selbst als Wallach mit den anderen Pferden in einer Herde sein kann“, erklärt sie. Neben den fünf Pferden für ihre Zucht und deren Nachwuchs hat sie zwei Pferde, die an Turnieren teilnehmen.

Westernkleidung ist auf den Turnieren und Shows für die Reiter vorgeschrieben. Foto: Reitanlage Heseberg.

Erfolgreiche Turnierpferde, erfolgreiche Zucht
Die Vermarktung der Quarter Horses laufe im Wesentlichen über den Turniersport: Wer erfolgreiche Pferde auf Turnieren hat, kann für seine Nachzucht höhere Preise erzielen. „Bei besonders begehrten Gen-Kombinationen gibt es hin und wieder den Verkauf der Fohlen noch im Mutterleib. Manche Pferde werden über Inserate auf Online-Börsen verkauft, andere zum Beispiel bei Facebook angeboten. Manchmal wenden sich Interessenten auch direkt an uns, weil ihnen ein anderes Pferd aus meiner Zucht auf einem Turnier auffiel“, zählt sie auf. Den Preis, für den ein Tier verkauft wird, bestimmen die Verkäufer selbst. Dabei reicht die Spanne von 6.000 bis 50.000 Euro. Züchterisch sieht sich Hoffmeister da, wo sie hin wollte.
Während ihre eigenen Pferde fast ganzjährig im Offenstall – also als Gruppen auf der Weide mit einem geschützten Unterstand, aber ohne Boxen gehalten werden, hat Hoffmeister auf der Reitanlage Heseberg 28 Boxen für Einsteller eingerichtet. „Die Pferde leben bei uns in Vollpension. Das heißt, dass wir uns um die Fütterung, Reinigung der Boxen sowie tägliche Weidegänge kümmern. Die Besitzer oder Reiter können sich ganz auf die Bewegung und das Training ihres Tieres konzentrieren“, erzählt Hoffmeister. Im Bedarfsfall

Für Einsteller gibt es auf der Reitanlage Heseberg 28 Boxen mit Vollpension. Foto: Reitanlage Heseberg.

übernimmt die ihre Angestellte oder eine der beiden Auszubildenden, Fachrichtung Zucht, auch die Bewegung. Ihre Mitarbeiterin besucht aktuell einen Meisterkurs für den Bereich Westernreiten in Brandenburg. „Darin unterscheidet sich Westernreiten in Deutschland auch von anderen Richtungen: Es gibt zwar die spezialisierte Ausbildung für Pferdewirte und Pferdewirtschaftsmeister, aber nur an wenigen Orten. Und es gibt weniger aktive, die sich um den Nachwuchs kümmern. Als Mitglied im Ausbildungsausschuss für die Meister bin ich daher nicht nur in Niedersachsen, sondern auch in NRW tätig.“

Miniatur-Pferde als Ergänzung
Neben den großen Pferden leben auf Heseberg zusätzlich Miniatur-Pferde. „Anders als andere kleine P

Auf Heseberg lebt auch eine Gruppe Miniatur-Pferde.
Die Zucht hat Cornelia Hoffmeister eingestellt. Reitanlage Heseberg.

onyrassen sehen die Miniatur-Pferde tatsächlich aus wie Pferde, schlank und mit langen Beinen. Auch ihr Charakter ist anders, als der von Ponys. Ursprünglich kamen die ersten zu uns, weil sie tolle Pferde für den Fahrsport sind – aber ich finde sie auch einfach niedlich“, lacht sie. Über mehrere Jahre hatte sie regelmäßig Nachwuchs bei „den Minis“, aber das hat sie reduziert. Ausgehend von Veränderungen im Züchterverband in den USA veränderte sich die gesamte Zucht, auch in Europa wurde es schwieriger, angemessene Preise für die Tiere zu erzielen. Daher stellte Hoffmeister die Zucht von ihnen ein. Es sei aber immer wieder ein Erlebnis, wenn ein Minifohlen geboren werde. Während Fohlen von Reit- und Sportpferde-Rassen ungefähr 50 Kilogramm wiegen, bringt das Miniatur-Fohlen keine 10 Kilo auf die Waage. Anders als die wehrhaften Quarter Horses sind die Miniaturpferde für Wölfe eine leichte Beute. Direkt bei Adenbüttel ist bisher keines der geschützten Raubtiere gesichtet worden, aber es gibt mehrere Rudel in der Umgebung. Nur wenige Orte entfernt, bei Edemissen im Landkreis Peine, musste 2020 eine Stute nach einem Wolfsangriff eingeschläfert werden. „Es gibt für Pferdehalter Informationsveranstaltungen, wie sie ihre Tiere schützen können. Bei mir stehen die Pferde, vor allem die kleinen, nachts auf Flächen direkt am Haus“, berichtet Hoffmeister.

In Deutschland gibt es rund 36.000 Quarter Horses. Eines ihrer Merkmale
ist die kräftige Muskulatur der Hinterhand, durch die sie gute Sprinter sind. Foto: Reitanlage Heseberg.

Aus den USA nach Europa
Der Ursprung der Quarter Horses liegt in den USA. Bis heute wird die Zucht maßgeblich von der American Quarter Horse Association (AQHA) geregelt. Die hat ihren Sitz, wie könnte es anders sein, in Texas. ihr deutscher Tochterverband, die Deutsche Quarter Horse Association (DQHA), wurde 1975 gegründet. Zu diesem Zeitpunkt sollen circa 100 Quarter Horses in der Bundesrepublik gelebt haben. Die Association organisiert Rodeos und Turniere, beteiligt sich an Messen und baut Netzwerke auf, um die Rasse in Deutschland bekannter zu machen. Seit 1993 ist sie in Deutschland auch als Zuchtverband anerkannt. Das Interesse an den Quarter Horses und dem Westernreitstil ist nach Darstellung der DQHA in keinem anderen Land außerhalb der USA so groß, wie in Deutschland.
Ihren Namen erhielten die Quarter Horses durch ihre frühere Nebennutzung: Statt nach Feierabend auf der Farm im Stall oder auf der Weide zu stehen, veranstalteten ihre Besitzer Pferderennen. Die Strecken waren den Überlieferungen nach meist eine viertel Meile lang. Auch nach mehreren Stunden Arbeit war es für die damaligen Farmer, oft Rinderzüchter, wichtig, dass ihre Pferde innerhalb von Sekunden ein ausbrechendes Rind einholen konnten. Auch heute noch treten Quarter Horses auf der historischen Distanz gegeneinander an und erreichen dabei Geschwindigkeiten bis zu 88 km/h. Möglich ist das durch eine besonders kräftige Muskulatur in den Hinterbeinen. Das Hinterteil wirkt dadurch bisweilen höher, als der Rest des Rückens.
Die moderne Zucht unterscheidet die Typen Rennpferde, Foundation Horse/Stock Typ und die sehr ähnlichen Cow Horses, Halter Horses, Reining Horses, Ranch Horses sowie den Pleasure und Hunter Typ, wie ihn auch Cornelia Hoffmeister auf der Reitanlage Heseberg hält. Unterschieden werden sie zum Teil durch ihre Größe und Körperbau, aber auch anhand ihrer Lernbereitschaft oder ihre Fähigkeiten für die Arbeit am Rind.

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