Nachfolge in der Region … - Standort38
10. August 2020
Impulse

Nachfolge in der Region …

Was regionale Entscheider zum Nachfolgeprozess in ihrem Unternehmen sagen

Wilfried, Nicole, Sebastian und Edeltraud Both, AL-Elektronik Distribution GmbH. Foto: Archiv.

Wilfried, Nicole, Sebastian und Edeltraud Both
AL-Elektronik Distribution GmbH
Standort38 November 2018

Wilfried, Nicole, Maximilian und Edeltraud Both, AL-Elektronik Distribution GmbH. Foto: Archiv.

„Ich wollte eigentlich etwas Juristisches machen“, sagt Nicole Both und in der Tat schließt sie zunächst ein Jurastudium mit dem Staatsexamen erfolgreich ab. Parallel zur Examensphase absolviert die 37-Jährige dann eine kaufmännische Ausbildung und arbeitet anschließend als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Informationsmanagement an der TU Braunschweig – bis ihr Vater vor acht Jahren mit einer dringenden Bitte anruft: „Nach einem kurzfristigen Ausfall eines Mitarbeiters im Qualitätsmanagement fragte er, ob ich nicht aushelfen könnte.“
Für die Unternehmertochter ist dies der erste Schritt in den Familienbetrieb. „Ich kannte das Unternehmen von Kindesbein an und durch regelmäßige Inventurzählungen in- und auswendig. Immer im Dezember gab es einen festen Termin, an dem die ganze Familie mithalf.“ 2011 wird aus dem Aushilfsjob die Perspektive, den Betrieb in die nächste Generation zu führen. „Das war für uns ein Segen – weil wir das Unternehmen in der Familie weitergeben konnten“, erzählt Wilfried Both erleichtert. „Ansonsten hätten wir an einen Außenstehenden verkaufen müssen.“

Maximilian Hohe und Katharina Thieme-Hohe
Geschäftsführer der Sport-Thieme GmbH
Standort38 März 2019

Miximilian Hohe und Katharina Thieme-Hohe, Geschäftsführer der Sport-Thieme GmbH

Sie sind 2011 ins Unternehmen eingetreten und haben bereits drei Jahre später die Unternehmensführung übernommen …
Thieme-Hohe: Mein Vater hat immer gesagt, dass er mit 65 aufhören will. Das war ein sehr konkreter Plan und er wollte immer, dass wir uns rechtzeitig melden, weil er sonst jemand anderes hätte suchen müssen. Er hat sich an den Plan auch relativ gut dran gehalten, oder?
Hohe: Ja. Ich würde sagen, wir haben eine echte Bilderbuchnachfolge gemacht.

Wie kam es denn im Unternehmen an, dass Sie als Schwiegersohn das Ruder übernehmen sollten?
Hohe: Natürlich war das ein Thema und zugleich ein persönliches Wagnis. Ich habe gedacht, wenn das jetzt schief geht, hängt da mehr als die berufliche Karriere dran – nämlich auch meine Familie. Es war schon ein gewisser Leistungsdruck da, denn ich war nie gesetzt. Mein Schwiegervater meinte damals, „das ist mein potenzieller Nachfolger, aber wenn ihr alle dagegen seid, dann ist er es nicht.“ Insofern musste ich mich schon beweisen und sozusagen die Herzen der Belegschaft erobern.

 

 

 

Bettina und Michael Klier
Aufsichtsratsvorsitzende und Geschäftsführer der Klier Hair Group GmbH
Standort38 April 2019

Bettina und Michael Klier, Aufsichtsratsvorsitzende und Geschäftsführer der Klier Group GmbH.

In der zweiten Generation haben zwei eineiige Zwillinge das Unternehmen geführt, jetzt sind Sie zu fünft und Cousins und Cousinen. Das klingt durchaus nach Konfliktpotenzial. Wie anstrengend war der Nachfolgeprozess?
Bettina Klier: Wir sind alle sehr verschieden und haben, als unser Onkel verstorben ist und unser Vater sich aus der Gesellschafterrolle zurückgezogen hat, einen Family- Governance-Prozess aufgesetzt. Uns war klar, dass wir professionelle Beratung brauchen, damit wir uns unserer Rolle und Verantwortung für das Unternehmen in der Fünferkonstellation bewusst werden. Dabei haben wir eine gemeinsame Haltung entwickelt …
Michael Klier: … und zwar für unsere Generation und nicht für Hubertus und Joachim …
Bettina Klier: … genau. Denn das, was die beiden vor 30 Jahren gemacht haben, war damals goldrichtig, hilft uns und unseren Mitarbeitern heute aber nicht. In diesem Prozess, der Monate gedauert hat, sind wir uns unglaublich nahegekommen und konnten gemeinsame Werte für unser Unternehmen definieren.

Haben Sie diese festgehalten?
Bettina Klier: Ja, es gibt eine klassische Verfassung als gebundenes Buch – die Familienverfassung wird zum Fundament für die Unternehmung.
Haben Sie bereits an die kommende Generation gedacht, soll Klier ein Familienunternehmen bleiben?
Michael Klier: Das muss jede Generation für sich entscheiden. Für uns stand immer fest, dass wir über uns und die nächsten zehn Jahre nachdenken. Was danach passiert, steht auf einem anderen Blatt.

Prof. Rolf Schnellecke
Aufsichtsratvorsitzender Schnellecke Group AG & Co. KG
Standort38 März 2020

Prof. Rolf Schnellecke, Aufsichtsratsvorsitzender Schnellecke Group AG Co. KG.

Wie verlief die Nachfolge von Ihnen zur nächsten Generation?
Ich habe bereits einen guten Teil des Unternehmens übertragen. Mein Schwiegersohn Nikolaus ist CEO, mein Neffe Tim verantwortet als promovierter Jurist das ganze Thema Steuern und Recht und Sohn Ludwig leitet den Grundstücksbereich.

Wie kann man sich den Prozess vorstellen?
Es gab keinen Zwang. Ich musste übernehmen und ich habe mir geschworen, dass meine Kinder frei in der Berufswahl sein sollen. Wir haben also vor über 15 Jahren einen Familientag organisiert und jeder konnte mitteilen, ob er sich ein Engagement im Unternehmen vorstellen kann. Diejenigen, die heute Verantwortung tragen, haben sich damals gemeldet. Sohn Christian dagegen ist als promovierter Jurist in der Bundestagsverwaltung tätig, Tochter Carolin leitet unsere Stiftung.

Und wie ging es weiter?
Wir haben vereinbart, dass jeder zwei Jahre Zeit hat, um herauszufinden, ob es ihm liegt und natürlich musste man auch schauen, ob es das Unternehmen weiterbringt. Hier war mir Ehrlichkeit wichtig: „Ich sage euch ehrlich, wird das was, und ihr sagt mir ehrlich, habt ihr weiter Freude und Lust dazu.“ Ohne Leidenschaft, ohne Engagement, ohne Brennen kann man so einem Unternehmen nicht gerecht werden.

Also würden Sie rückblickend sagen, es war ein guter Prozess?
Ja, dafür bin ich sehr dankbar und meine Mutter wäre heute sehr glücklich zu sehen, wie die nächste Generation sich im Unternehmen engagiert.

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