8. November 2021
Impulse

Nachgefragt: Wie geht es Peines Händlern in der Innenstadt?

Mitten in der Corona-Pandemie übernahm Saha Onal-Elmas Anfang 2021 die Leitung der Stabsstelle Wirtschaftsförderung der Stadt Peine. Sie und ihr Team sind mittendrin, in einem Schmelztiegel der Kultur und Zuversicht.

In der Stadt Peine ist Wirtschaftsförderung weiblich. Jennifer Kusmitsch, Maria Ruß, Saha Onal-Elmas, Sarah Gutzeit und Lisa Moritz betreuen Bestandsunternehmen, Jungunternehmer:innen und Ansiedlungsprozesse. Foto: Stadt Peine

Bis vor einigen Jahren war die Wirtschaftsförderung der Stadt Peine in verschiedenen Organisationseinheiten untergebracht, unterschiedliche Stellen im Rathaus kümmerten sich um Gewerbeflächen, Unternehmerparks und deren Mieter. Der 2016 zum Bürgermeister gewählte und gerade im Amt bestätigte Klaus Saemann strukturierte die Wirtschaftsförderung neu. Seit 2021 leitet die 38-jährige Saha Onal-Elmas die Einrichtung.

Hier spricht die Chefin der Peiner Wirtschaftsförderung im Interview

Frau Onal-Elmas, früher hieß es, dass Stahl und Härke Peines Stärken wären. Mittlerweile dominieren große Logistikansiedelungen das Bild …

Der Ruf eilt weit voraus und nicht selten wird einem ein Stempel aufgedrückt. Wir sind stolz auf unsere Traditionsunternehmen – manche haben schwere Krisen hinter sich und bieten viele Arbeitsplätze. Aktuell haben wir die Entwicklung bei Pelikan in Vöhrum im Blick. Wir sind jedoch zuversichtlich, dass die Marke Pelikan „Made in Peine“ bleibt. Peine hat sich auch als Standort für Automobilzulieferer bewährt, bedingt durch die Nähe zu VW. Die zahlreichen Klein- und Mittelständler, die die Region mit ihrem Handwerk, ihren Produkten und Dienstleistungen versorgen, sind nicht zu unterschätzen. Auch international renommierte Firmen wie Fitesa oder Weitkowitz-Intercable haben in Peine ihren Sitz. Wir sind zudem stolz darauf, die BGE (Bundesgesellschaft für Endlagerung) in Peine angesiedelt zu haben.

Bereits vor der Pandemie waren Leerstände in der City-Galerie sowie in der Breiten Straße, Peines Bummelmeile, ein wiederkehrendes Thema. Wie geht es Peines Einzelhändlern in der Innenstadt?

Wie in fast allen anderen Innenstädten der Bundesrepublik haben die Peiner Einzelhändler stark gelitten und teilweise um Ihre Existenz gekämpft. Im Zuge des Wandels der Innenstädte ist mit einer deutlichen Zunahme an Leerständen zu rechnen. Diese müssen aktiv erfasst und digital vermarktet werden. Gerade in kleinen und mittleren Städten sind die Leerstände über Suchmaschinen nicht zu finden. Eigentümer scheuen die Gebühren der großen Immobilienplattformen – dabei ist Sichtbarkeit im Zeitalter der Digitalisierung existenziell. Ein digitales Leerstandmanagement setzt hier an – integrierter Eigentümerdialog, kartenbasierte Darstellung, Leerstandmelder für Eigentümer und eine suchmaschinenoptimierte und zielgerichtete Vermarktung soll es bieten. Wichtig ist jedoch, dass die Eigentümer der Immobilien mitmachen!

Es muss zudem über andere Nutzungsformen nachgedacht werden. Insbesondere in den oberen Etagen einer Immobilie muss nicht zwangsläufig Gewerbe untergebracht sein. Wohnen in der Innenstadt gewinnt immer mehr an Bedeutung. Hier sind wieder die Eigentümer gefragt, sich offen gegenüber dem Wandel zu zeigen.

Und die Cafés und Gastronomiebetriebe?

Auch diese waren sehr stark beeinträchtigt. Die meisten haben spätestens mit dem zweiten Corona-Lockdown zügig mit Lieferservices reagiert. Das hat viele, ergänzend zu den staatlichen Hilfen und die Möglichkeit der Kurzarbeit, relativ gut durch die Krise gebracht.

Anfang 2021 hat Saha Onal-Elmas die Leitung der städtischen Wirtschaftsförderung übernommen. Foto: Stadt Peine

Da schließt sich die Frage an, wie es den Hotels und Gasthäusern geht?

Wenn Sie mich fragen, hat es diese Branche besonders hart getroffen. Der Unterschied zu den anderen Branchen liegt darin, dass innovative Konzepte oder Digitalisierung bei der Beherbergung nicht immer zielführend waren. Erfreulicherweise ist mir nicht bekannt, dass Betriebe dieser Art in Peine aufgegeben werden mussten. Dies liegt vielleicht daran, dass die meisten Gasthäuser neben dem Hotelbetrieb eine Küche betreiben und in diesem Teil durch Lieferdienste Einnahmen erzielen konnten. Die Peiner Gastronomen verlieren aber ihren unternehmerischen Mut und ihren Glauben an bessere Zeiten nicht und bleiben optimistisch.

Stadt Peine unterstützt mit Gutscheinen und dem Erlass der Sondernutzungsgebühren

Wie unterstützt die Stadt die Betriebe?

Die Stadt Peine hat in 2020 sowie in 2021 die Gutscheinaktion #Peinehältzusammen auf die Beine gestellt. Hierfür wurden Mittel in Höhe von jeweils einer halben Million Euro durch den Rat bewilligt. Das ist in Anbetracht der Haushaltslage eine beachtliche Summe. Mit dieser Aktion erhalten alle Peiner einen Gutschein im Wert von 10 Euro, den sie in einem der partizipierenden Unternehmen im Stadtgebiet und den dazugehörigen Ortschaften einlösen können. Bei der Wiederholung der Aktion in diesem Jahr wurde ein Mindesteinkaufswert von 15 Euro eingeführt, um die Wirkung der Aktion zugunsten der Betriebe zu verstärken. Weiterhin werden für das Jahr 2021 die Sondernutzungsgebühren für die Nutzung der Außenbereiche von Geschäften und Lokalen im Stadtgebiet erlassen. Damit können Außenbereiche für Aktionen, Angebote und Werbung unentgeltlich genutzt werden.

Wie weit ist das Projekt Lindenquartier vorangeschritten?

Die Abrissarbeiten sind abgeschlossen, neue Leitungen für Ver- und Entsorgung sind ebenfalls bereits teilweise verlegt. Der Beginn der Hochbauarbeiten für das 21000 Quadratmeter große Lindenquartier ist absehbar. Der Investor THI plant die Fertigstellung für Sommer 2023.

Was passiert nach dem Umzug von Edeka in den Neubau mit dem Center am Friedrich-Ebert-Platz?

Das Objekt befindet sich im Privatbesitz. Hier kann nur bedingt eine Aussage getroffen werden. Die städtische WiFö ist jedoch im Kontakt und bietet Unterstützung an. Das Objekt ist zentral und bietet planungsrechtlich viele Möglichkeiten für eine Nachnutzung durch einen neuen Ankermieter. Zudem können die Bau-Projekte in der Nachbarschaft auf den alten Mälzerei-Geländen, auf der Fläche ehemals Bantelmann sowie im Nachtigallenweg einen positiven Beitrag zum Standort bedeuten.

Damit sich Unternehmen ansiedeln, brauchen sie Fachkräfte. Ist es für die Unternehmen schwierig, welche zu finden?

Der Fachkräftemangel ist ein bundesweites Problem und sicherlich auch in Peine ein Thema. In diesem Punkt besteht ein Anliegen der städtischen WiFö, im Austausch mit den Betrieben zu erfahren, mit welchen Herausforderungen gekämpft wird und welche Praktiken helfen. Dazu dienen die Werkstattgespräche, die vor Corona gut angelaufen und angenommen wurden, sowie die regelmäßigen Wirtschaftstreffen, zu denen Vertreter vieler Unternehmen eingeladen werden. Damit entstehen Netzwerke, die dazu dienen, von dem anderen zu lernen.

Onal-Elmas: In Peine fehlt es an nichts – oder ist schnell erreichbar

Welchen Mehrwert bietet Peine als Wohnort für Arbeiter und ihre Familien?

Es fehlt hier an nichts – und wenn doch, ist es nicht weit in einer der Nachbarkommunen und -städte vorzufinden. Peine bietet zum Beispiel ein umfangreiches Bildungs-Angebot von der Krippe bis zur weiterführenden Schule im allen Formen. Zudem haben wir ein florierendes Vereinsleben sowie buntes Kulturangebot. In Peine gibt es viel Natur und Möglichkeiten der Erholung für Alt und Jung sowie für die gesamte Familie. Im Gegensatz zu den benachbarten Großstädten ist in Peine Wohnraum ländlich-attraktiv sowie bezahlbar. Aus diesem Grund entscheiden sich viele Berufstätige, in Peine zu wohnen und zur Arbeit zu pendeln.

Schlagwort Digitalisierung: Wie schätzen Sie Peiner Unternehmen hier ein?

Erstaunlicherweise ist in diesem Punkt durch Corona einiges passiert – und zwar im Positiven! Viele Händler, Gastronomen sowie Dienstleister haben aus der Not heraus den Schritt in die Digitalisierung gewagt. Einige Peiner Geschäfte haben nun eigene Onlineshops, die gut angenommen werden – über den Lockdown hinaus. Es besteht weiterhin ein Projekt der Wito GmbH Peine und der Peiner Kaufleute über eine Online-Plattform für den gesamten Landkreis. Hier wirken Vertreter aus den Verwaltungen vom Landkreis und Stadt sowie den übrigen Landkreis-Gemeinden mit. Ziel ist es, einen einheitlichen Multichanel-Zugang aufzubauen.

Wenn Sie auf die vergangenen Monate in der Pandemie für sich und ihr Team blicken, was hat Sie überrascht?

Überrascht hat uns, die Nachfrage nach Gewerbeflächen. Vermutlich durch die weiterhin günstige Zinssituation ist die Investitionsbereitschaft in vielen Branchen ungebrochen. Auf der anderen Seite waren die Betriebe, die aufgrund der Pandemie schließen oder nur unter großen Einschränkungen öffnen durften. In dieser „Not“-Situation hat Bürgermeister Saemann den Runden Tisch Innenstadt ins Leben gerufen. Ich bin mir sicher, dass dieses Treffen eine feste Einrichtung in Peine bleibt, in der stetig an einer zukunftsfähigen Innenstadt gearbeitet wird. Das bedeutet also weiterhin viel Arbeit für die WiFö der Stadt Peine!

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