Dystopie und Disruption

Neue Ratgeber und Wirtschaftsbücher

Foto: Verlag

Foto: Verlag

Disrupt Yourself

Christoph Keese (Penguin Verlag)

Keese ist Kult! Auch wenn das im Zusammenhang mit diesem seriösen Journalisten und Wirtschaftswissenschaftler plakativ klingt. Der Springer-Manager (siehe Standort38-Interview März 2015) bringt, wie kaum ein anderer Autor, die Themen Digitalisierung und Disruption klug und kritisch, konkret und konstruktiv, sachkundig und verständlich auf den Punkt. Und das – nach seinen Bestsellern „Silicon Valley“ und „Silicon Germany“ – auch in „Disrupt Yourself“. Keese geht bis zu den Wurzeln ins Silicon Valley, nennt die Big Player, Zahlen und Fakten, trifft Nerven, wunde Punkte und verschont sich auch selbst nicht, wenn er in der Einführung von einem Erlebnis aus dem Jahr 1997 erzählt und dieses mit „Mein Job verschwindet, und ich kann nichts dagegen tun“ betitelt. Er ist disruptiert worden – machen Sie es besser! Sein Rat: „Erfinden Sie sich neu, bevor es jemand anderes tut“. Der Digitalisierungsexperte referiert über die Psychologie der Betroffenen und der Erneuerer – und erklärt, wie man selbst zum Erneuerer wird, Chancen für den Wandel erkennt. Zum Schluss packt er noch ein Kapitel zur Selbstdisruption von Firmen sowie einen Weckruf an die Politik drauf. Starkes Ding!

Richtig Reich

Michael Braun (Alexander Mosaik)

Foto: Verlag
Foto: Verlag

Die Kultivierung eines Gartens hat viel mit Geldanlage zu tun. Man muss säen, jäten, düngen, gießen, kann vielleicht irgendwann etwas ernten und sich an den Erträgen erfreuen. Bei beidem geht es um Wachstum“, schreibt der renommierte Finanzexperte Michael Braun Alexander. Doch während der Begriff „Garten“ bei vielen Menschen mit idyllischen, positiven Assoziationen verknüpft ist, ist der Terminus „Geldanlage“ eher kümmerlich und negativ besetzt. Garten = Glück, Geld = Sorge. Die Vermögensanlage bzw. der -aufbau hat (bei einem Großteil der Bundesbürger) ein Imageproblem und benötigt zudem Zeit. Hier wird erklärt, wie man ganz bodenständig und realistisch „Richtig reich“ werden kann. Denn „Reich ist nicht, wer vieles hat, und schon gar nicht derjenige, der alles hat. Reichtum kommt von ,reichen‘ im Sinne von ,genug haben‘, nicht von „im Überfluss leben‘“, betont Braun. Er empfiehlt: „Machen Sie’s einfach selbst“. Man sollte in einzelne, eher konservative und sorgfältig ausgesuchte „Value-Werte“ investieren und Geduld, Disziplin und gute Nerven besitzen. Von Fonds rät er dagegen ab, denn die „machen Fondsmanager reich, nicht Anleger“. Ein klares, fundiertes, unaufgeregtes und motivierendes Buch.

Jäger, Hirten, Kritiker

Richard David Precht (Goldmann Verlag)

Foto: Verlag
Foto: Verlag

Precht, der Popstar unter den Philosophen, liest nicht nur dicke, kluge Wälzer, sondern guckt auch Raumschiff Enterprise – Wissensvorsprung durch Kontakt mit fremden Galaxien. Zumindest stellt er ein Zitat des fiktiven Star-Trek-Sternenflottenoffiziers Jean-Luc Picard an den Anfang seines neuen Buchs. Dieser prognostizierte in einer Film-Folge, dass es im Jahr 2373 eine Gesellschaft ohne Geld und Lohnarbeit gibt. Precht entwickelt eine Utopie von einem bedingungslosen Grundeinkommen von 1.500 Euro, das durch ein verändertes Steuermodell für Millionäre und Milliardäre finanziert werden soll. Auch eine „Maschinensteuer“ auf Computer und Roboter regt er an. In einer erschreckenden Dystopie beschreibt er Deutschland im Jahr 2040: Wir leben dann in einer Matrix aus Daten, die uns sagt, was gut für uns ist. Der große Gewinner dieser „Duldungsstarre“, der zur Realität gewordenen „Truman Show“ ist „eine Allianz aus globalen Investoren, Firmen, Spekulanten und Geeks.“ Precht hat eine umfassende und zur Diskussion anregende Bestandsanalyse der „digitalen Gegenwart“ verfasst, untermauert seine Argumente mit Ideen und Zitaten wichtiger Denker aller Zeitepochen.

^