9. September 2021
Impulse

Vom Generalisten zum Tür-Spezialisten

Bei der Brosch Haustür-Manufaktur in Braunschweig entsteht jede Tür von Hand

Christian Brosch stellt Haustüren her. Foto: Bernward Comes.

Offen und zu, Willkommen und Abschied, einladend und abweisend – eine Haustür kann vieles ausdrücken. „Eine Tür ist etwas Besonderes“, findet Christian Brosch, Geschäftsführer der Brosch Haustür-Manufaktur aus Braunschweig: „Sie hat eine Aussage.“ Eine Haustür sei ein architektonisches Merkmal, das vom Stil her zum Haus passen müsse. „Wir haben Türen für jedes Haus“, sagt der 48-Jährige mit Überzeugung. Im Sinne des Manufaktur-Gedankens entstehen die Haustüren bei dem Braunschweiger Betrieb noch von Hand. „Wir arbeiten sehr individuell und gehen auf jeden Kunden ein“, erklärt Brosch.

Bei der Brosch Haustür-Manufaktur werden Türen noch von Hand hergestellt. Foto: Bernward Comes.

Dabei hätten die Kunden teilweise schon sehr genaue Vorstellungen, wie ihre Haustür aussehen soll. Hin und wieder passe dieser Wunsch aber nicht so gut zum Stil des Hauses. Dann würden auch Alternativen besprochen. Andere lassen sich beraten oder wählen aus den Modellreihen und Bauformen, die im Showroom ausgestellt sind. Dabei können die Türen modern oder klassisch, im Landhausstil oder als Nachbau historischer Haustüren unter Denkmalschutzvorgaben gestaltet sein. Dem Geschäftsführer selbst gefällt der historisierende Stil besonders gut. Aber generell gilt: „Ich finde es schön, wenn Kunden später zu mir kommen und sagen: Wir freuen uns jeden Tag über unsere Tür.“

Gebaut werden die Türen in der 600 Quadratmeter großen Werkstatt am Firmensitz in Braunschweiger Stadtteil Ölper. Große, computergesteuerte Maschinen findet man dort nicht – aber dafür jede Menge Leidenschaft, Inspiration und Kreativität, so der Geschäftsführer. „Wir sind angewiesen auf die Qualität unserer Hände“, sagt Brosch. Verarbeitet werden überwiegend Eichenholz aus Deutschland und Red Grandis. Dabei handelt es sich um FSC-zertifiziertes Plantagenholz aus Uruguay, das laut Brosch dort besonders nachhaltig gepflanzt wird und ähnliche Eigenschaften wie Eiche besitzt. „Wir würden natürlich am liebsten nur einheimisches Holz verarbeiten“, sagt er. Die handwerkliche Arbeit in der Werkstatt vergleicht Brosch mit einer Sterne-Küche: „Alles, was nicht perfekt ist, bauen wir noch mal“, sagt der Geschäftsführer.

Im Braunschweiger Stadtteil Ölper hat das Unternehmen seinen Sitz. Foto: Bernward Comes.

Brosch hat vor mehr als 20 Jahren den 1964 gegründeten Betrieb von seinem Vater Heinz übernommen. Als 27-Jähriger sei die Nachfolge nicht ganz leicht gewesen. Aber: „Mein Vater hat mir das Vertrauen geschenkt und mich machen lassen“, sagt Brosch heute, der nun gemeinsam mit seiner Schwester Kathrin Czwalina und einem festen Führungsteam den Betrieb leitet. „Früher haben wir alles Mögliche gemacht“, sagt der gelernte Tischlermeister.
Neben Türen, Möbeln und Treppen gehörte etwa auch der Bereich Ladenbau zu den Geschäftsfeldern der Tischlerei. Einer der großen Kunden des Unternehmens war laut Brosch früher die US-amerikanische Fastfood-Kette Burger King.
Die Braunschweiger statteten dabei die Franchise-Restaurants in der Region komplett mit Tresen und Sitzmöbeln aus. Insgesamt seien die Aufträge allerdings oft unwirtschaftlich gewesen.
Deshalb kam um das Jahr 2009 der Wechsel. Das Team habe überlegt, was es am besten könne – und das waren Türen. Eine Spezialisierung auf ein Produkt, die allerdings nicht ganz ohne Risiko gewesen sei.

Die Transformation sei ein anstrengender Weg mit einigen Höhen und Tiefen gewesen. Geholfen habe dabei das Zusammentreffen mit Webdesigner Armin Cilia. Er kümmert sich im Betrieb unter anderem um die Website, den Online-Shop und die Suchmaschinen-Optimierung. „Ich hatte eine Idee und Armin Cilia konnte sie umsetzen“, sagt Brosch.
Mehr als ein Drittel der Kunden stoße über das Internet auf das Unternehmen. Diese kommen heute neben unserer Region aus ganz Deutschland, der Schweiz, Belgien und Frankreich. Das Besondere an der Webseite ist, dass dort Fotos von manufakturgefertigten Haustüren aus der Braunschweiger Werkstatt und keine Animationen gezeigt werden. „Mit unserer Webseite haben wir in Deutschland einen Maßstab gesetzt“, meint Brosch dazu.
Das Geschäft teilt sich nun in drei Sparten auf: Olaf Höhren leitet den Bereich Fenstervertrieb und Montage, Broschs Schwester Kathrin verantwortet Reparatur und Service und beim Haustürenbau sind Klaus Günther für den Vertrieb und Stefan Müller in der Produktion verantwortlich. Der Betrieb beschäftigt insgesamt 27 Mitarbeiter und bildet auch selbst Tischler und Bürokaufleute aus.

Im vergangenen Jahr lief das Geschäft mit Haustüren erfolgreich. 228 Türeinheiten hat das Unternehmen verkauft. Dabei entspricht eine dreiflügelige Tür drei Einheiten, wie Brosch erklärt. Pro Woche entstehen rund fünf Haustüren. Der Umsatz lag bei 3,3 Millionen Euro – eine Steigerung von 20 Prozent im Vergleich zu 2019 mit 2,7 Millionen Euro.
Allerdings: „Unser primäres Ziel ist nicht, jedes Jahr zu wachsen“, betont der Geschäftsführer. Denn ansonsten könne das Unternehmen seine Qualitätsstandards nicht halten: „Wir wollen es perfekt.“

Diese Qualität brauche es, um sich am Markt von den Wettbewerbern, den großen Herstellern und Fabriken, zu unterscheiden. Brosch: „Bei uns steht die Freude am Tun im Mittelpunkt.“

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