20. Oktober 2022
Impulse

Vom Lochstreifen-Rechner zum Quantencomputer

50 Jahre ist es her, dass die Technische Universität Braunschweig den Studiengang Informatik eingeführt hat. Doch was zählt alles zur Informatik dazu? Die Branche ist durchaus vielfältiger, als so mancher vermuten würde. Außerdem hat sie eine lange Geschichte, die sehr weit in der Zeit zurückreicht...

Eine Zeitreise durch die Informatik... Foto: Adobe Stock

50 Jahre ist es bereits her, dass die Technische Universität Braunschweig als erste Hochschule Niedersachsens den Studiengang Informatik eingeführt hat. Im Wintersemester 1972/1973 begannen 22 Neuimmatrikulierte gemeinsam mit 18 wechselwilligen Studierenden der Mathematik und Elektrotechnik das Studium. 1975 absolvierte der erste Student sein Informatikstudium an der TU Braunschweig.

Heute ist der Studiengang fest verankert an Deutschlands Universitäten und IT aus dem Berufsleben nicht mehr wegzudenken. Was wären wir ohne Computer, wie würden wir unseren Alltag ohne Smartphone organisieren? Wie würden wir Forschen, Handeln, Reisen? Das Fachgebiet der Informatik, in den USA „Computer Science”, hat innerhalb weniger Jahrzehnte einen extremen Wandel durchlebt und unsere Welt digital vernetzt, mit allen Vor- und Nachteilen.

Zum Anlass des 50-jährigen IT-Jubiläums in unserer Region sprachen wir nicht bloß mit einem in seinem Werdegang eher ungewöhnlichen „IT-Leiter des Jahres“, dem Historiker Dr. Jörg Munzel, sondern auch mit einem Informatiker, der sich lange Zeit bei Google im Silicon Valley seine Sporen verdiente: Dr. Max Senges, dem Schulleiter und Geschäftsführer der Softwareentwicklungsschulen 42Wolfsburg und 42Berlin.

Die Vielfalt der IT-Branche

Berufsbezeichnungen wie IT-Fachkraft, Software-Entwicklerin, Programmierer, Informatikerin und Computerwissenschaftlerin werden oft synonym benutzt, dabei haben sie wesentliche Unterschiede. Ein Beispiel: Programmiererinnen und Software-Entwickler entwickeln und konzipieren Softwareprogramme für unterschiedliche Einsatzgebiete. Sie haben die verschiedenen Programmiersprachen erlernt und setzen die Erkenntnisse und Ideen der Informatikerinnen um. Ein Software-Entwickler wird meist jedoch in den gesamten Umfang eines Projekts einbezogen, während die Programmiererin im Allgemeinen auf die Kodierung spezialisiert ist.

In Deutschland gibt es 743 Bildungsangebote auf dem Gebiet der IT/Computer. 284 davon findet man in Niedersachsen, in Form von Bachlor- oder Masterstudiengängen, aber auch praxisorientierten Ausbildungsschulen. Das Fachgebiet IT unterteilt sich wiederum in verschiedene Studiengänge. Allesamt befassen sich mit digitaler Innovation und wissenschaftlichem Fortschritt.

Informatik ist die Wissenschaft der systematischen Verarbeitung von Information und für alle Mathe-Genies, die sich von Datenbanken und Betriebssystemen bis hin zu Programmierung und Algorithmen begeistern können.

Informationstechnologie spezialisiert sich auf Software und Hardware, moderne Informationssysteme und Kommunikationstechnologien – für alle, die sich interessieren, wie ein Handy, Computer oder medizinisches Gerät funktionieren.

Technische Informatik hat einen größeren Praxisanteil und verbindet Elektronik und Informatik.

Angewandte Informatik setzt auf einen praktischen Fokus. Dabei geht es darum, IT für den Alltag oder in Wissenschaftsbereichen zu nutzen.

Medieninformatik plant und realisiert IT-Lösungen für die Erstellung gedruckter, elektronischer, digitaler oder interaktiver Kommunikationsmittel. Sie übernimmt den IT-Support für Medieninformationssysteme.

Die Wirtschaftsinformatik legt, wie der Name schon sagt, einen besonderen Wert auf den wirtschaftlichen Aspekt. Dort befasst man sich nicht nur mit Informations- und Kommunikationssystemen, sondern auch mit der Frage, welchen Platz diese in wirtschaftlichen Unternehmen und auf dem Arbeitsmarkt einnehmen.

Zeitreise durch die Informatik

Die moderne Informatik hat zahlreiche Vorläufer, die bis in die Zeiten vor Christus zurückreichen. So zählt der Abakus als Taschenrechner der Antike: Meist in Form einer Holz- oder Tontafel wurde er zwischen 2700 und 2300 v. Chr. als eines der ältesten bekannten Rechenhilfsmittel eingesetzt.

Um 1623 entwickelte der deutsche Astronom und Mathematiker Wilhelm Schickard die erste mechanische Rechenmaschine, mit der sich sechsstellige Zahlen addieren und subtrahieren ließen. Das einzig vollendete Exemplar ging jedoch im Dreißigjährigen Krieg verschollen.
1642 baute der Franzose Blaise Pascal im Alter von 19 Jahren eine ähnliche mechanische Rechenmaschine für Addition und Subtraktion sechsstelliger Zahlen, die durch die zehnstufigen Zahnräder sogar im Stande war, einen Zehnerübertrag zu realisieren.
Im Jahre 1673 baute Gottfried Wilhelm Leibniz eine Rechenmaschine, die mittels ineinandergreifender Zahnräder alle vier Grundrechenarten beherrschte.

Sprung in die Neuzeit: Der deutsche Bauingenieur und Erfinder Konrad Zuse entwickelte 1941 den weltweit ersten digitalen Rechner.
1990 wurde durch den britische Physiker Tim Berners-Lee am Europäischen Kernforschungszentrum Cern in Genf die erste Website der Welt online gestellt. Ein Jahr später, am 6.August 1991, folgte die Veröffentlichung des World Wide Web.

Auch interessant