18. Oktober 2022
Impulse

Von A nach B – und wieder zurück!

Wie die Menschen in der Region wohnen und mobil sind …

Von A nach B – und wieder zurück! Foto: curtbauer/AdobeStock

Der Job im Zentrum

Fast die Hälfte der befragten Arbeitnehmer:innen lebt in einem ländlichen Umfeld – im Flächenland Niedersachsen keine wirkliche Überraschung. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Jobs nach wie vor vorrangig in den Städten zu finden sind. Mehr als 80 Prozent arbeiten in einem urbanen Umfeld, fast 30 Prozent sogar in der Innenstadtlage. Das bedeutet für den Einzelnen Zeit auf der Straße und für die Region Pendlerströme, die auf die Zentren zielen.

Das Auto bleibt die Nummer 1!

Mit 72,8 Prozent nutzen fast Dreiviertel der Befragten die eigenen vier Räder, um zum Job zu kommen. Verkehrsforscher wie Tobias Wermuth von der Braunschweiger WVI Verkehrsforschung und Infrastrukturplanung GmbH sprechen hier von einem historisch gewachsenen hohen MIV-Anteil (Motorisierter Individualverkehr) in der Region. Allerdings ist der Anteil im Vergleich zur letzten 100aus38-Befragung erkennbar zurückgegangen. Gewonnen hat vor allem das Fahrrad (+3 Prozent), außerdem hat der Anteil der Menschen zugenommen, die hauptsächlich remote arbeiten (+3,3 Prozent). Dass der Öffentliche Nahverkehr nicht profitieren konnte, dürfte auch am Befragungszeitraum liegen (Dezember 2021 bis Februar 2022). Denn in den Wintermonaten der Pandemie-Zeit haben viele Menschen wenn möglich die Fahrt in Bus und Bahn vermieden.

47 Minuten unterwegs – pro Arbeitstag!

Fast 70 Prozent der Pendler sind weniger als 30 Minuten zur Arbeit unterwegs. Damit liegt die Region ziemlich genau im Bundesschnitt. Auch auf der Langstrecke sind die zwischen Harz und Heide erhobenen Zahlen repräsentativ für die Gesamtgesellschaft. Etwas mehr als 23 Minuten benötigen die Menschen für den Weg zum Job – und genauso viel wieder zurück. Was sich erst einmal wenig anhört, summiert sich im Laufe des Jahres einer klassischen Fünftagewoche zwar auf stolze siebeneinhalb Arbeitstage. Da immer mehr Beschäftigte aber zumindest Teile der Woche im Homeoffice arbeiten, dürfte sich diese Zeit zuletzt erkennbar reduziert haben.

Die Last der (Innen-)Städter!

Wer sich mit Menschen in Braunschweigs Östlichem Ringgebiet unterhält, könnte den Eindruck gewinnen, dass im Alltag nicht große Themen, wie Familie oder Job über Glück und Unglück entscheiden, sondern ganz banale Dinge, wie ein Parkplatz. Logisch, denn wer regelmäßig mehr Zeit damit verbringt, das eigene Auto wieder loszuwerden als es tatsächlich zu nutzen, ist irgendwann maximal frustriert. Aber wir erinnern uns: Der Großteil der Menschen in der Region lebt in einem ländlichen Umfeld. Das bedeutet Platz und erklärt auch das Ergebnis der Befragung: Denn mehr als 80 Prozent sind zufrieden oder sehr zufrieden mit der Parkplatzsituation, gerade einmal etwas über elf Prozent sind nicht oder überhaupt nicht zufrieden.

Geteiltes Zeugnis für die Öffis

Fangen wir mit dem Positiven an: Jeder dritte Befragte ist mit der Anbindung des Öffentlichen Nahverkehrs zufrieden oder sehr zufrieden. Weniger eindeutig ist es dann schon bei den Fahrzeiten, mit denen immerhin knapp mehr als 20 Prozent nicht oder überhaupt nicht zufrieden sind. Bleibt die größte Herausforderung in der Fläche – die Frequenz. Denn während man in Großstädten ohne Fahrplan im Kopf spontan zur Haltestelle geht und einsteigt, bedarf es auf dem Land mindestens Planung, wenn nur jede Stunde oder seltener ein Bus fährt. Mit dieser Situation ist jeder Vierte nicht oder überhaupt nicht zufrieden. Und diese Zahlen beziehen sich auf Menschen, die als Überzeugungstäter oder weil es alternativlos ist, die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Das betrifft gerade einmal 7,2 Prozent der Befragten. Wer Verkehr nachhaltiger gestalten und den Individualverkehr reduzieren möchte, muss die übrigen über 90 Prozent erreichen und überzeugen. Positiv formuliert: Das Potenzial ist groß!

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