und
12. April 2016
Wirtschaftspolitik & -förderung

2016 wird ein gutes, aber anstrengendes Jahr (2/3)

Olaf Kahle, Präsident der IHK Lüneburg-Wolfsburg, über das Kammer-Jubiläum, die Abgas-Affäre und den Wandel vom Arbeits- zum Bewerbermarkt

Olaf Kahle sieht die Flüchtlingsintegration als Chance, aber auch als große Herausforderung. (Foto: Holger Isermann)

Was würde ein Ende der Pflichtmitgliedschaft für die Industrie- und Handelskammern in Deutschland bedeuten?

Aus wirtschaftlicher Sicht wäre das für die Kammern sicherlich eine Katastrophe. Größer wären die Auswirkungen aber für die Wirtschaft selbst. Ein Ende der Pflichtmitgliedschaft würde bedeuten, dass viele Bereiche nicht mehr bearbeitet werden immerhin sind die IHK-Leistungen von Ausbildung bis zum Zollgeschäft vielfältig. Und wer würde beispielsweise in einem solchen Fall die demokratische Interessenvertretung gewährleisten?

Ist es denkbar, dass die Pflichtmitgliedschaft aufgehoben wird?

Ich kann es mir in Deutschland nicht vorstellen, da niemand im politischen Bereich ernsthaft über ein Ende nachdenkt. Die Vorteile der Pflichtmitgliedschaft werden gesehen und die Qualität der Aufgabenwahrnehmung geschätzt. Das Modell funktioniert.

Wie bewerten Sie Ihre Zusammenarbeit mit der IHK Braunschweig?

Alles wunderbar. Diese Region ist wichtig und funktioniert nur, wenn alle zusammenarbeiten und das tun wir. Das Infrastrukturprojekt A39, bei dem sich die Kosten voraussichtlich auf 1,1 Milliarden Euro belaufen werden, zeigt dies sehr gut. Jeder arbeitet von allen Seiten mit seinen Mitteln.

Was hat Dr. Wolf-Michael Schmid als IHK-Präsident ausgezeichnet?

Er ist ein Unternehmer durch und durch. Ich habe ihn als außerordentlich sympathisch empfunden. Man konnte sich auf ihn immer verlassen.

Was wird Helmut Streiff, sein Nachfolger in Braunschweig, anders machen? Bisher kann ich das nicht sagen, dafür kenne ich ihn noch nicht genug.

Können Sie sich vorstellen, so lange wie Herr Schmid im Amt zu bleiben?

Nein, ich habe es bereits verkündet, dass meine Amtszeit im Jahr 2018 enden wird. Ich mache das Amt sehr gerne, empfinde es aber auch als anstrengend, sodass mir sechs Jahre reichen. Außerdem werden in der nächsten Wahlperiode zwei Drittel der Vollversammlungsmitglieder neu hinzukommen und ich finde, es ist dann eine demokratische Tugend zu sagen, man übergibt seine Aufgaben an Leute, die auch wieder neue Ideen mitbringen.

Die Regionendebatte findet kein Ende. Ist der Zuschnitt der beiden Kammern eigentlich sinnvoll?

Wir sind ein großer Kammerbezirk. Nimmt man den Landkreis Harburg und die Hansestadt Hamburg, dann sieht man, dass die Wirtschaftsbeziehungen trotz der Landesgrenze dort noch enger sind als zwischen Braunschweig und Wolfsburg. Gemeinsam mit der Handelskammer Hamburg arbeiten wir daran, dass die Unternehmer diese Grenze nicht spüren. Das ist eine Frage von guter Organisation. Auch die Verwaltungsgrenze im Süden ist völlig unwichtig und das gilt nicht nur für Kammern. Wir haben eine dienende Funktion und wir fragen nicht nach, woher der Unternehmer kommt.

Warum sind Infrastrukturprojekte wie eine neue Schleuse bei Scharnebeck so wichtig für die regionale Wirtschaft?

Die Projekte sind alle mehr als überfällig und die Entwicklung ist für die regionale Wirtschaft wichtig, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu sein. Wir müssen attraktiv bleiben für die Menschen, die in unserer Region pendeln. Das Thema Infrastruktur spielt aber auch im Bereich der Güter eine große Rolle, da wir in der Binnenschifffahrt alle Kapazitäten, die uns zur Verfügung stehen, ausnutzen wollen.

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„2016 wird ein gutes, aber anstrengendes Jahr“ – Olaf Kahle, Präsident der IHK Lüneburg-Wolfsburg, über das Kammer-Jubiläum, die Abgas-Affäre und den Wandel vom Arbeits- zum Bewerbermarkt (3/3)

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