30. Januar 2018
Wirtschaftspolitik & -förderung

„Das Geld bleibt beim Investor“

Stadt Braunschweig stellt kommunale Wohnungsbauförderung vor

Foto: Braunschweig Stadtmarketing GmbH / Gerald Grote

Citynah mit guter Infrastruktur und zu günstigen Konditionen: Attraktive Wohnungen gehen weg wie warme Semmeln. Besonders in niedersächsischen Ballungszentren gestaltet sich die Suche nach bezahlbaren Quartieren immer schwieriger. Die Lösung für das Problem liegt in der Schaffung neuen Mietwohnraums. Die Wohnungsbauförderung ist dabei eigentlich Aufgabe der Länder. Mit ihrem „Kommunalen Handlungskonzept“ schaltet sich jetzt auch die Stadt Braunschweig unterstützend ein: Ihr Förderprogramm richtet sich an Investoren von Mietwohnraum, die Haus und Grund im Stadtgebiet besitzen und in 2018 neu-, um- oder ausbauen wollen. Anders als das Land, gewährt die Stadt Braunschweig dabei einen echten Zuschuss und kein Darlehen. Was dieser beinhaltet und welche Voraussetzungen Interessenten mitbringen müssen, klären wir im Gespräch mit Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer.


Herr Leuer, Braunschweigs Einwohnerzahl wächst beständig, die Mietpreise in attraktiven Lagen explodieren. Wie dramatisch ist die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage bezahlbaren Wohnraums?

Ein Indiz, um das herauszufinden, ist die Leerstandsquote – und die ist extrem niedrig. Tatsächlich gibt es in Braunschweig in hohem Maße günstigen Wohnraum, aber das Angebot passt nicht zur Nachfrage. Bei den Wohnungssuchenden reden wir  auch über die mittlere Einkommensklasse, Single-Haushalte, Alleinerziehende, Studenten. Bezahlbare Immobilien in beliebten Stadtlagen bleiben Mangelware.


Jetzt gibt es ein Wohnraumförderprogramm der Stadt Braunschweig, was genau hat es damit auf sich?

Primär wollen wir neuen Mietwohnraum schaffen. Das heißt, wir bieten keine Eigentums- oder Sanierungsförderung an. Bezuschussbar ist der Neu- bzw. Aus- und Umbau von Mietwohnraum, beispielsweise, wenn Sie Ihr Dachgeschoss ausbauen wollen. Was konkret förderfähig ist, muss natürlich im Einzelfall betrachtet werden.


An wen richtet sich dieses Angebot?

In erster Linie an Investoren und Eigentümer von Mietwohnungen, aber auch an Wohnungsbaugesellschaften und -genossenschaften.


Wohnbauförderungen obliegen eigentlich dem Land. Worin bestand die Veranlassung, kommunal tätig zu werden?

In der Vergangenheit wurde immer wieder bemängelt, dass die Landesförderung allein nicht ausreichend sei. Sie sieht nur ein Darlehen und ggf. einen Tilgungsnachlass von 15 Prozent nach 20 Jahren vor. Dazu kommen Belegungs- und Mietpreisbindungen über mehrere Jahrzehnte. Für viele Anleger ist das nicht wirtschaftlich und wenig attraktiv.


… und an dieser Stelle setzt das städtische Förderprogramm an?

Exakt! Wir wollen gezielt Anreize für Investoren schaffen, die zum Teil viele ausbaufähige Wohneinheiten im Stadtgebiet besitzen.


Wie genau sehen diese Anreize aus?

Wir geben nach Bewilligung einen echten Zuschuss, der nicht zurückgezahlt werden muss – das Geld bleibt also beim Investor.


Von welchen Summen sprechen wir hier?

Im besten Fall von 310 Euro/m² Wohnfläche bei einem Mietzins von 5,60 €/m². Bei einem Mietzins von 7,00 Euro/m² wäre ein maximaler Zuschuss von 150 Euro/m² grundsätzlich möglich, das muss aber im Einzelfall entschieden werden.


Wie viele Haushaltsmittel stehen für die gesamte Umsetzung zur Verfügung?

Wir stehen derzeit bei 780.000 Euro, die für 2018 und Folgejahre jeweils jährlich abgerufen werden können. Wenn diese verbraucht sind, werden wir gemeinsam mit der Politik überlegen, ob weitere Gelder zur Verfügung gestellt werden.


Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer. Foto: Braunschweig Stadtmarketing GmbH / Gerald Grote


Welche Voraussetzungen müssen für die Gewährung der Zuwendung erfüllt werden?

Im ersten Schritt muss die Landesförderung beantragt und in Anspruch genommen werden. Die kommunale Förderung ist subsidiär. Die Anlaufstellen für beide Förderungen sind aber in Braunschweig, hier wird alles abgewickelt.


Ihr Motto „Sie sind unbezahlbar“ meint einerseits den Wohnungsmarkt, anderseits aber auch die Investoren …

Richtig, wir müssen den Leuten verständlich machen, dass Gelder vorhanden sind und abgerufen werden wollen! Es geht hierbei auch um die Frage, wie wir als Gesellschaft in Zukunft miteinander leben wollen. Wir sehen es daher als unsere Aufgabe an, hier tätig zu werden.


Wo kann ich mich als interessierter Anleger informieren?

Wir haben eigens dafür eine Stelle eingerichtet. Hier wird auf Wunsch das kommunale Förderprogramm ausführlich erläutert. Alle Interessenten sind herzlich eingeladen, sich von uns ihrer individuelle Situation entsprechend beraten zu lassen!

Kommunale Wohnraumförderung

Claudia Barget

Telefon: 0531 470-2751

claudia.barget@braunschweig.de

Wohnraumförderung des Landes

Sandra Jeschke

Telefon: 0531 470-3330

sandra.jeschke@braunschweig.de

Weitere Informationen für die Kommunale Förderung und die Landesförderung finden Sie unter
www.braunschweig.de/wohnraumfoerderung

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