„Im Kern geht es immer um Bewegung“

Maximilian Hohe und Katharina Thieme-Hohe, Geschäftsführer der Sport-Thieme GmbH

Maximilian Hohe und Katharina Thieme-Hohe, Geschäftsführer der Sport-Thieme GmbH. Foto: Holger Isermann

Maximilian Hohe und Katharina Thieme-Hohe, Geschäftsführer der Sport-Thieme GmbH. Foto: Holger Isermann

Ein Mann – ein Fahrrad: so fangen Gründergeschichten in der deutschen Nachkriegszeit an. Karl-Heinz Thieme ist eigentlich gelernter Tischler, beginnt aber im Frühjahr 1949 Unterhemden der Alliierten als Trikots an Sportvereine in den umliegenden Dörfern zu verkaufen. Zunächst liefert er auf dem Drahtesel aus, später auf dem Motorrad.

Seitdem ist rund um den Unternehmensstandort in Grasleben viel passiert. Dort sitzen uns in einem modernen Neubau an diesem Dienstagmorgen Maximilian Hohe und Katharina Thieme-Hohe gegenüber – die dritte Generation. 300 Mitarbeiter beschäftigen sie an insgesamt sieben Standorten und haben rund 13.000 Artikel im Sortiment: Neben selbst produzierten Klassikern, wie den hölzernen Turnbänken und -kästen, ist alles dabei, was das Sportlerherz höher schlagen lässt – vom Seepferdchen-Abzeichen bis zum digital vernetzten Startblock für die Schwimmhalle, vom Tischtennisball bis zum kompletten Streetsoccer-Court.

Mit rund 67 Millionen Euro Umsatz ist das Familienunternehmen heute größter Versandhändler für den institutionellen Sport in Deutschland, zudem international aktiv und selbst mit Blick auf Internetriesen aus dem Silicon Valley durchaus selbstbewusst: „Es ist unser Anspruch zu den Besten zu gehören und gleichzeitig stärken wir nicht amazonisierbare Geschäftsmodelle“, erklärt Maximilian Hohe in einem Gespräch über die Bedeutung des Pedalos, sportliche Überzeugungstäter und eine echte Bilderbuchnachfolge.

Frau Thieme-Hohe, Herr Hohe, vor 70 Jahren, am 1. April 1949 wurde Sport-Thieme von Karl-Heinz Thieme als One-Man-Show gegründet – wie sahen die Anfänge aus?

Thieme-Hohe: Mein Großvater hat damals Unterhemden von Alliierten als Trikots verkauft und im Umkreis von 30 Kilometern mit dem Fahrrad an Vereine ausgeliefert. Irgendwann hat er sich dann ein Motorrad gekauft.
Karl-Heinz Thieme war gelernter Tischler …

Thieme-Hohe: … und hat selbst Tischtennis gespielt. So hat er meine Großmutter kennengelernt. Er war ihr Trainer (lacht).

Kurz nach dem Krieg war vieles zerstört. Warum hat ihr Großvater keine Möbel sondern ausgerechnet Sportartikel verkauft?

Thieme-Hohe: Das habe ich mich ehrlich gesagt nie gefragt. Am Anfang waren es nicht nur Sportartikel, sondern auch viel Vereinsbedarf: Fähnchen und Abreißkarten. In der Küche haben meine Großeltern die Sachen gepackt und oben auf dem Dachboden gelagert.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Großeltern?

Thieme-Hohe: Ich kann mich an meine Großeltern nur arbeitend erinnern. Sie sind morgens um sieben ins Büro gegangen und abends um sieben wieder zurück. Um eins war die Mittagspause.

Was war Karl-Heinz Thieme für ein Typ?

Thieme-Hohe: Meine Großmutter hat immer gesagt, dass er unglaublich charismatisch ist. Ich dachte, alles gehöre meiner Oma und ich könne machen, was ich will. Vor allem die Luftballons haben wir rege benutzt – da hat die Inventur nie gestimmt (lacht). Und mein Großvater hat Kartons geliebt – der konnte keinen wegschmeißen. Es gab riesige Kartonberge, in denen wir uns Höhlen gebaut haben.

Das klingt nach Abenteuern …

Thieme-Hohe: Ich hab meine ganzen Klassenkameraden mit hergebracht. Wir haben Lagerfeuer in der Holzfertigung gemacht oder sind aufs Dach gestiegen. Einmal ist mein Cousin in den Schornstein gefallen und steckengeblieben, bis er vom Fertigungsleiter gefunden wurde (lacht). Meine Jugend habe ich hier im Billardkeller verbracht.

Klingt nach einer klassischen Unternehmerkind-Geschichte …

Thieme-Hohe: In der Tat. Ich habe in den Ferien kommissioniert und fand es unglaublich anstrengend. Deshalb bewundere ich die Frauen, die das da oben machen. Zwischen Abi und Studium habe ich auch ein längeres Praktikum im Unternehmen gemacht. Es war auch zu Hause immer Thema. Die Firma war wie eine kleine Schwester. Namen, wie der unseres Prokuristen waren für mich fast geflügelte Worte …
War für Sie immer klar, dass Sie später ins Unternehmen eintreten wollen? Sollten Sie vielleicht sogar?

Thieme-Hohe: Das ist ein sehr ambivalentes Thema. Ich hab wohl mit fünf Jahren einmal meinen Vater gefragt, wo mein Büro
war und die Leute in seinen Bann gezogen hat. Und er hatte ein gutes Gespür für Zahlen. Ich erinnere mich an ihn vor allem als alten Mann. Er hatte einen speziell gefertigten Gehstock, mit dem er abends durch die Büros gegangen ist und die Fenster geschlossen hat.

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