„Im Kern geht es immer um Bewegung“

Maximilian Hohe und Katharina Thieme-Hohe, Geschäftsführer der Sport-Thieme GmbH

Maximilian Hohe und Katharina Thieme-Hohe, Geschäftsführer der Sport-Thieme GmbH. Foto: Holger Isermann

Maximilian Hohe und Katharina Thieme-Hohe, Geschäftsführer der Sport-Thieme GmbH. Foto: Holger Isermann

Er hat also bis ins hohe Alter am Unternehmen Anteil genommen?

Thieme-Hohe: Ja. 1984 hat er meinem Vater die Zügel übergeben und sich dann komplett aus dem Geschäft zurückgezogen. In den Räumen war er aber nach wie vor präsent.

Inwiefern sind Sie mit dem Unternehmen aufgewachsen?

Thieme-Hohe: Das war unser Spielplatz. Damals wusste ich noch nicht, was Diebstahl  sein wird. Ich wäre gerne Lehrerin oder Hebamme geworden, hatte aber nie das Gefühl, das zu dürfen. Also habe ich als brave Tochter BWL studiert und dort am ersten Tag meinen Mann kennengelernt. Es hat sich also gelohnt (lacht).

Wo haben Sie studiert?

Thieme-Hohe: An der European Business School. Gegen Ende des Studiums hatte ich mich eigentlich dafür entschieden, ins Unternehmen einzutreten und dann bin ich schwanger geworden. Hohe: Also sind wir erst einmal ins Unternehmen meiner Eltern eingestiegen. Sie haben also beide eine Unternehmergeschichte?

Hohe: Mein Vater war bei uns der Betriebswirt und meine Mutter Designerin für Kinderbekleidung. Sie hat immer gesagt: „Mach was anderes, geh nicht in die Firma“. Ich hatte wirklich das Gefühl der totalen Freiheit in meiner Berufswahl und am Ende ist es natürlich auch ein Luxusproblem, wenn man zwischen zwei Unternehmen wählen kann.

Das heißt, Sie haben nacheinander in beiden Familien-Unternehmen gearbeitet?

Hohe: Genau. Ich habe mit meinem Vater und meinem Schwiegervater eine Nachfolge gemacht (lacht).
Wieso ist die Wahl letztendlich auf Sport-Thieme gefallen? Hohe: Damals gab es die Weltwirtschaftskrise und das Unternehmen meiner Eltern hatte einen großen internationalen Anteil. Wir mussten uns irgendwann entscheiden und es ist dann Grasleben geworden.

Sie sind 2011 ins Unternehmen eingetreten und haben bereits drei Jahre später die Unternehmensführung übernommen …

Thieme-Hohe: Mein Vater hat immer gesagt, dass er mit 65 aufhören will. Das war ein sehr konkreter Plan und er wollte immer, dass wir uns rechtzeitig melden, weil er sonst jemand anderes hätte suchen müssen. Er hat sich an den Plan auch relativ gut dran gehalten, oder? Hohe: Ja. Ich würde sagen, wir haben eine echte Bilderbuchnachfolge gemacht.

Wie kam es denn im Unternehmen an, dass Sie als Schwiegersohn das Ruder übernehmen sollten?

Hohe: Natürlich war das ein Thema und zugleich ein persönliches Wagnis. Ich habe gedacht, wenn das jetzt schief geht, hängt da mehr als die berufliche Karriere dran – nämlich auch meine Familie. Es war schon ein gewisser Leistungsdruck da, denn ich war nie gesetzt. Mein Schwiegervater meinte damals, „das ist mein potenzieller Nachfolger, aber wenn ihr alle dagegen seid, dann ist er es nicht.“ Insofern musste ich mich schon beweisen und sozusagen die Herzen der Belegschaft erobern.

Und heute – Sie leben zusammen und arbeiten zusammen …

Thieme-Hohe: Momentan nicht. Wir haben gerade eine richtig klassische Rollenteilung. Mein Mann ist der Chef in der Firma, ich bin der Chef Zuhause. Damit kann ich gut leben.

Hohe: Unsere Söhne sagen immer: „Der Mama gehörts, der Papa muss es machen.“ (lacht)

Kann es für Sie überhaupt eine Trennung zwischen Firma und Privatleben geben?

Thieme-Hohe: Es gibt schon Phasen, in denen die Firma sehr präsent ist und viel Raum einnimmt …

Hohe: Mein Vater hat immer versucht, die Firma in der Firma zu lassen. Das nehme ich mir auch vor und es gelingt mal mehr und mal weniger. Unter dem Strich würde ich sagen, dafür, dass das Unternehmen wirklich so eine bedeutsame Rolle im Dorf und der Familie spielt, bekommen wir das ganz gut hin.

Welche Bedeutung hat das Unternehmen denn für Grasleben?

Hohe: Unser jährliches Familienfest ist eigentlich wie ein Dorffest. Viele Mitarbeiter bringen ihre Familien, Verwandte oder Bekannte mit. Wenn wir hier unterwegs sind, laufen einem ständig Mitarbeiter über den Weg. Das lässt sich nicht trennen.

Macht dieser persönliche Kontakt für Sie ein Familienunternehmen aus?

Hohe: Man kennt schon bei vielen Mitarbeitern die private Lebensgeschichte und Situation. Ich glaube, dass man uns abnimmt, dass wir uns interessieren und eine gewisse Offenheit haben; einfach greifbar sind.

Thieme-Hohe: Das ist auch noch so von meiner Oma übernommen. Ihr waren die Menschen, die hier gearbeitet haben, immer unglaublich wichtig. Und ich muss auch wirklich sagen, dass unserere Mitarbeiter total nett sind und ich mit einem Teil auch privat zu tun habe.

Hand aufs Herz: Leiden Sie als Unternehmen auch ein wenig unter dem provinziellen Standort?

Hohe: Beim Recruiting wird der manchmal zur Herausforderung. Seit zwölf Jahren haben wir eine Niederlassung in Berlin, weil wir hier einfach keine IT-Mitarbeiter finden konnten. Das Klientel ist mittlerweile international. Bei uns arbeiten natürlich nicht nur IT-Spezialisten.

^