„Im Kern geht es immer um Bewegung“

Maximilian Hohe und Katharina Thieme-Hohe, Geschäftsführer der Sport-Thieme GmbH

Maximilian Hohe und Katharina Thieme-Hohe, Geschäftsführer der Sport-Thieme GmbH. Foto: Holger Isermann

Maximilian Hohe und Katharina Thieme-Hohe, Geschäftsführer der Sport-Thieme GmbH. Foto: Holger Isermann

Steigen wir noch einmal tiefer in die Unternehmensgeschichte ein: Anfang der 1960er-Jahre wurden Werkstätten errichtet, um selbst Produkte zu fertigen. Sind Sie von der DNA her eher Händler oder produzierendes Gewerbe?

Hohe: Mein Schwiegervater hat immer gesagt, wir sind Versandhändler mit angeschlossener Fertigung. In den letzten Jahren hat sich das noch verstärkt. Der Versandhandel ist überproportional gewachsen und der Fertigungsanteil immer kleiner geworden …

… und mittlerweile Beiwerk?

Hohe: Nein. Die Fertigung ist Teil der Historie und auch aus Marketingsicht sinnvoll. Made in Germany ist ein Gütesiegel. Wir geben 25 Jahre Garantie auf Produkte aus unserer Herstellung, weil wir an die Qualität glauben.

Welchen Anteil an Ihrem Umsatz hat welcher Bereich?

Hohe: Der Versandhandel macht zwischen 70 bis 80 Prozent aus. Insgesamt macht Thieme aktuell rund 67 Millionen Euro Umsatz.

In der Historie gab es einige Firmenkäufe und Neugründungen wie Reivo, Olympia-Sporthaus Loydl, Holz-Hoerz und Automaten Hoffmann. Welche Bedeutung hatten diese?

Hohe: Das Olympia-Sporthaus Loydl in Nürnberg haben wir übernommen und dann in eine Niederlassung umfunktioniert. Allgemein haben wir das Prinzip der Niederlassungen multipliziert und verstärkt.

Wie viele Standorte haben Sie heute?

Hohe: Neben dem Hauptsitz in Grasleben sechs weitere. In Berlin, Nürnberg und Düsseldorf sind wir seit vielen Jahren. Vor drei Jahren haben wir in Leipzig, Frankfurt und Hamburg neu eröffnet. 2004 und 2005 haben wir außerdem in Österreich und der Schweiz einige Auslandsgesellschaften übernommen, beziehungsweise neu gegründet. Dort liegen entscheidende Märkte für uns. Insgesamt macht das internationale Geschäft 25 Prozent unseres Umsatzes aus.

Ein Jahr später haben Sie Holz-Hoerz aufgekauft …

Hohe: Hoerz war damals in einer schwierigen Situation. Der Gründer rief bei meinem Schwiegervater an und fragte, ob er nicht die Firma kaufen wolle. In einer Nacht- und Nebelaktion ist er dann nach Baden- Württemberg gefahren, um sich ein Bild zu machen. Thieme-Hohe: Mein Vater hat damals nicht aus Gewinnabsichten gehandelt, sondern weil er Herrn Hoerz sympathisch fand und an das Produkt geglaubt hat. Das Pedalo ist wichtig für die Motorik der Kinder. Er fand, das musste es einfach weiter am Markt geben.

Hohe: Hoerz ist keine Firma, die rasant wächst oder deren Geschäftsmodell riesig skaliert werden kann, aber auf einem guten Niveau und mit schönen Ergebnissen.

Hinter dem Firmenkauf steckte also weniger Systematik?

Hohe: Viele Käufe waren Zufallsprodukte, passten jedoch hervorragend in unser Konzept. Bei Automaten Hoffmann lief es ähnlich ab.
Wie hat genau Hans-Rudolf Thieme in zweiter Generation das Unternehmen seit 1980 geprägt? Thieme-Hohe: Er war der Katalysator. Mein Vater hat das Unternehmen groß gemacht.

Wie genau?

Thieme-Hohe: Er hat festgestellt, dass wir in erster Linie kein Hersteller sondern ein Versandhandel sind und hat sich dann viel mit Marketing befasst und den Katalog neu aufgebaut. Mein Vater ist promovierter BWLer.

Hohe: Mein Schwiegervater hat den Katalog, wie er heute noch existiert, nach den Prinzipien des Direktmarketings optimiert, Werbeanstoßketten erarbeitet und überlegt, nach welcher Logik Adressen beworben werden. Und er hatte Produkt-Know-how und Neuheiten im Markt platziert. Damals war die Firma kaum wahrnehmbar – zwei Wohnhäuser und dahinter versteckt die alten Gebäude. Dass wir den Wettbewerb dann plötzlich überholen, hat niemand in der Branche kommen sehen. Ich glaube, das hat meinen Schwiegervater diebisch gefreut. Das ist die Ära von Rudi Thieme.

Und was folgt in der dritten Generation?

Hohe: Es heißt ja: der Erste gründet die Firma, der Zweite macht sie groß und der Dritte macht sie dann kaputt. Das wäre also meine Aufgabe.

Thieme-Hohe: Nein, das wollen wir nicht (lacht).

Hohe: Ich glaube jede Generation, jeder Chef hat einen Schwerpunkt, der ihm wichtig ist. Dein Großvater war stark im Operativen tätig. Er hat jeden Brief selbst gelesen. Aber jeder Generationenwechsel bietet die Chance, loszulassen, den Mitarbeitern mehr Verantwortung zu übertragen und in Folge nicht mehr über alles informiert zu sein.

Sie bezeichnen sich selbst als Marktführer. Warum und in welchem Segment?

Hohe: Zum einen aufgrund unserer Historie, zum anderen aufgrund der Marktsituation. Unser Wettbewerber Erhard ist mittlerweile zweimal durch die Insolvenz geschlittert. Wir haben es geschafft, weggefallene Potenziale aufzufangen und uns in den letzten Jahren traumhaft entwickelt. Man muss aber auch demütig sagen, dass in Wahrheit viel Glück dabei ist.

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