„Im Kern geht es immer um Bewegung“

Maximilian Hohe und Katharina Thieme-Hohe, Geschäftsführer der Sport-Thieme GmbH

Maximilian Hohe und Katharina Thieme-Hohe, Geschäftsführer der Sport-Thieme GmbH. Foto: Holger Isermann

Maximilian Hohe und Katharina Thieme-Hohe, Geschäftsführer der Sport-Thieme GmbH. Foto: Holger Isermann

Gab es bei Sport-Thieme keine Krisen?

Thieme-Hohe: Doch. Es gab um die Jahrtausendwende eine EDV-Umstellung. Wir hatten damals viel investiert und dann ging das EDV-Unternehmen insolvent, sodass wir noch einmal bei Null anfangen mussten. Das war eine kritische Phase, die ich auch zu Hause gespürt habe. Mein Vater pfeift eigentlich immer bei der Arbeit – damals hat er wenig gepfiffen.

Davon abgesehen hat das Unternehmen bisher eine Geschichte des stetigen Wachstums geschrieben?

Hohe: Wir sind sicherlich auch mal geschrumpft, aber auf lange Sicht haben wir uns immer weiterentwickelt. Mein Schwiegervater hat sich immer gefragt, wie man in einem gesättigten Markt trotzdem ein bis zwei Prozent wachsen kann. Aktuell schaffen wir sechs Prozent.

Woran liegt das?

Hohe: Wir haben frühzeitig in neue Technologien und Vertriebskanäle investiert. 1996 haben wir unseren Online-Shop live geschaltet, ich glaube zeitgleich mit Otto. Dahinter stand immer ein starker und kluger Kopf. Damit meine ich diesmal nicht meinen Schwiegervater.

Sondern?

Hohe: Unseren E-Commerce-Leiter, der das alles vorangetrieben und damals auf eigene Initiative einen Webshop entwickelt hat. 

Thieme-Hohe: Mein Vater war noch nicht so weit, aber er sagte: Lass mich mal machen, wir brauchen das. Hohe: Und dann nahm das Thema E-Commerce Fahrt auf. Heute sind wir im Versand mit Abstand die Besten. Unser Onlineshop ist den Wettbewerbern meilenweit voraus. Es wird schwer, uns einzuholen.

Das klingt selbstbewusst …

Hohe: Wir haben einfach ein großes Team, das sich permanent mit Suchmaschinenoptimierung und Content befasst. Das zahlt sich aus und ist international ein wichtiger Hebel. In Österreich und der Schweiz können wir diese Strategien adaptieren. Dazu ist der Wettbewerb nicht in der Lage.

Sie führen heute 13.000 Artikel. Wie hat sich das Sortiment über die Jahre entwickelt?

Hohe: Es waren mal 17.000, bis wir vor ein paar Jahren Bekleidungsartikel wie Trikots- und Vereinssets rausgenommen haben. Das war nicht profitabel.

Haben Sie einen absoluten Bestseller?

Hohe: Das Seepferdchenabzeichen (lacht).
1992 haben Sie angefangen, systematisch nach Norwegen zu exportieren. Wie kam es dazu?

Hohe: Der Zufall ist hier wieder Leitthema. Mein Schwiegervater hat unseren Geschäftspartner damals auf einer Messe kennengelernt. Die beiden fanden sich sympathisch. Seitdem ist Sport-Thieme für die Firma Klubben Systemlieferant.

Auffallend ist, dass Ihre Auslandsgesellschaften sich auf Mittel- und Nordeuropa konzentrieren. Hat das einen Grund?

Hohe: Diese Vereinsstrukturen sind ein typisch deutsches und mitteleuropäisches Phänomen. So etwas gibt es in Südeuropa eigentlich nicht. Und es gibt auch eine taktische Komponente. In Frankreich haben wir einen starken Wettbewerber, der eher in Südeuropa aktiv ist.

Eine Absprache gibt es aber nicht?

Hohe: Nein, wir haben uns auch schon mit dem italienischen Markt beschäftigt, dort aber noch nicht den geeigneten Partner gefunden.

Wo wollen Sie zukünftig wachsen? Haben Sie schon weitere Länder im Blick?

Hohe: Wir haben vor ein paar Jahren die Strategie ausgegeben „Stärken stärken“ und wollen gerade eher das Geschäft dort ausbauen, wo wir schon heute unterwegs sind. Wobei wir immer gesagt haben, dass das wirklich nur eine Pause-Taste ist und wir uns irgendwann wieder systematisch mit der Expansion in neue Märkte beschäftigen werden. Wir haben uns in den letzten Jahren auch intensiv mit England auseinandergesetzt …

… aber?

Hohe: Wir haben entschieden, jetzt erst einmal die politische Entwicklung abzuwarten. Wobei wir im Kern eben auch ein Händler sind. Und der Handel tut sich nicht so leicht damit, nach Asien zu expandieren, wie beispielsweise Jägermeister als Marke und Hersteller. Es muss ja auch eine Marge übrig bleiben.

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