„Im Kern geht es immer um Bewegung“

Maximilian Hohe und Katharina Thieme-Hohe, Geschäftsführer der Sport-Thieme GmbH

Maximilian Hohe und Katharina Thieme-Hohe, Geschäftsführer der Sport-Thieme GmbH. Foto: Holger Isermann

Maximilian Hohe und Katharina Thieme-Hohe, Geschäftsführer der Sport-Thieme GmbH. Foto: Holger Isermann

Gibt es länderspezifische Besonderheiten? Wie treibt man wo Sport?

Hohe: Ja und nein. Bestimmte Dinge sind ähnlich, aber auch anders. In Österreich gibt es zum Beispiel eine Ö-Norm für Turnkästen. Der Turnkasten in Deutschland ist gerade, in Österreich sind die Seiten schräg. Das ist schon immer so. Diese nationalen Besonderheiten muss man beachten. In Schweden schaut die Turnbank anders aus – das Blatt ist aus Holz und das Gestell oft aus Metall, was bei uns unüblich ist. Dann gibt es natürlich Sportarten, die in anderen Ländern eine viel größere Bedeutung
haben.

Zum Beispiel?

Hohe: Floorball. Es ist in Deutschland eher eine Nischensportart, die im schulischen Kontext ganz gerne gespielt wird. In Skandinavien dagegen ist das ein Riesenthema, die Nationalsportart schlecht hin. Auch in der Schweiz wird Floorball witzigerweise sehr viel gespielt. Oder in Tschechien – dort war gerade die Weltmeisterschaft.

Was können Sie, was Amazon nicht kann?

Hohe: (lacht) Letztendlich stellen wir uns tagtäglich genau diese Frage. Im gesamten Handel geht es darum, was eigentlich die Existenzberechtigung eines Händlers in Zeiten von Marktplätzen wie Amazon ist.

Wir sind gespannt …

Hohe: Unsere Antwort ist, dass wir zweigleisig fahren. Auf der einen Seite investieren wir weiterhin in das Kerngeschäft,
unser Sortiment, die Usability. Es ist unser Anspruch, zu den Besten zu gehören und gleichzeitig stärken wir nicht amazonisierbare Geschäftsmodelle.

Stichwort Dienstleistung …

Hohe: Genau. Wie beispielsweise unser Sportgeräteservice. Es fahren also Monteure in die Turnhalle, schauen sich die Geräte an und schreiben einen Prüfbericht. Das ist ein Geschäftsmodell, das Amazon in absehbarer Zeit so nicht anbieten wird und hier wollen wir wachsen und haben die Prozesse gerade digitalisiert. Mittlerweile sind unsere Monteure mit einem Tablet und einer menügesteuerten App unterwegs. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal, das unsere Mitbewerber durchaus ärgert.

Gibt es weitere?

Hohe: Wir haben auch weitere Verkaufsniederlassungen gegründet, weil wir glauben, dass persönliche Beratung gerade bei größeren Investitionen, wie Fitness- oder Therapieräumen, wichtig ist. Auch das kann Amazon Stand heute nicht.

Heißt pointiert zusammengefasst: E-Commerce können Sie so gut wie Amazon, darüber hinaus aber auch Dinge, die der Internetriese nicht kann?

Hohe: Absolut. Das ist Stand heute so.

Ihr Schwiegervater bzw. Vater hat sich im IHK-Magazin als Vorturner der Branche bezeichnet. Wie innovativ ist Sport-Thieme wirklich?

Hohe: Schon relativ innovativ. Ein prominentes Beispiel ist die bereits genannte Sportart Floorball. Auch da gab es vor einigen Jahren den Kontakt zu Carl Ahlquist, dem schwedischen Hersteller und dann haben wir das Spiel gemeinsam in Deutschland eingeführt und bekannt gemacht. 

Thieme-Hohe: Deswegen hat Grasleben die älteste Floorball-Mannschaft Deutschlands (lacht).

Hohe: Meine Frau war sogar National- spielerin.

Ernsthaft?

Thieme-Hohe: Ja.

Gibt es das Team immer noch?

Thieme-Hohe: Ja, inzwischen spielen auch unsere Kinder und mein Mann ist Trainer. Das ist unsere Familiensportart.
Was zeichnet eigentlich Ihre institutionellen Kunden aus? Hohe: Sie haben zum Beispiel Themen, wie Ausschreibungen, die ein klassischer Endkunde nicht beachten muss. Neben dem Angebotswesen ist das Bestellmedium eine weitere Herausforderung. Wir bekommen sogar noch Bestellungen per Fax …

… vom Gerätewart aus dem Vereinsheim?

Hohe: Zum Beispiel. Oder nehmen Sie ein Lehrerzimmer. Der Sportlehrer hat dort vielleicht nur einen uralten Rechner und bevor er sich damit herumärgert, greift er lieber zum Katalog. Deshalb ist Print weiterhin so wichtig für uns. Der Katalog wird durch die verschiedenen Sparten gereicht, es werden Post-its geklebt und der Letzte kontrolliert. Aktuell überlegen wir, wie wir diesen Prozess digital nachbilden können.

^