„30 Years overnight Success“

Michael Volke, Vorstandsvorsitzender der Mast-Jägermeister SE

Foto: Holger Isermann

„Einige waren viele Jahre lang mit Fakestorys und BullshitMarketing sehr erfolgreich.“ Foto: Holger Isermann

Dichter, Welfen, Casanova und ein Kräuterlikör dürften vielen Menschen spontan einfallen, wenn sie an Wolfenbüttel denken. Die lebendige Fachwerkstadt vereint Geschichte, Gegenwart und Zukunft – letzteres vor allem dank der international agierenden und expandierenden Mast-Jägermeister SE, die hier ihren Stammsitz hat und weltweit rund 1.000 Mitarbeiter beschäftigt. Im Jahr 1878 gründete Wilhelm Mast das Unternehmen als Essigfabrik und Weinhandlung, sein Sohn Curt führte es erfolgreich weiter und erfand 1934 das Rezept für den Kräuterlikör Jägermeister.

Günter Mast, der 1952 ins Unternehmen seines Onkels eintrat und 1987 Aufsichtsratsvorsitzender wurde, schaffte mit seinem Gespür für Zeitgeist und Marketing eine weitere Sensation: Er revolutionierte als Hauptsponsor und später Präsident des Vereins Eintracht Braunschweig den Fußballsport. Am 24. März 1973 ließ er das Team mit dem Jägermeister-Logo, einem Hubertus-Hirsch, auf dem Trikot auflaufen. Doch das ist Historie.  Werfen wir lieber einen Blick in die Zukunft. Am besten mit dem Mann, der zurzeit an der Spitze des hochprozentigen (35 % Vol.) und hochprofitablen Kräuterlikörherstellers steht: Michael Volke. Standort38 traf sich mit dem Vorstandsvorsitzenden in der Unternehmenszentrale zu einem Gespräch über niedersächsische Sturheit bei der Markterschließung, urbane Lebenskünstler und einen Pakt, der mehr als eine Betriebsvereinbarung ist …

Herr Volke, wann und wo haben Sie das letzte Mal einen Jägermeister getrunken?

Ehrlich gesagt, gestern Abend bei uns im Gästehaus. Wir sind mittlerweile in 137 Ländern auf der Welt vertreten und unsere internationalen Partner und Geschäftsfreunde kommen regelmäßig und gerne zu uns nach Wolfenbüttel, um den Wurzeln der Marke nahe zu sein – das ist wichtig und unterscheidet uns als mittelständisches Familienunternehmen im Auftritt. Dafür unterhalten wir hier in Wolfenbüttel ein Gästehaus mit einer Bar. Und nach dem Essen gab es natürlich auch gestern einen Jägermeister zum Abschluss.

Wie trinken Sie ihn am liebsten?

Eiskalt, straight up.

Also superkühl …

Genau (lacht).

Wie oft sind Sie zum Feiern gezwungen?

Gezwungen gar nicht, aber es gibt einfach viele Anlässe und auch persönlich gehe ich abends gern raus und schaue mir Bars an. Das ist so etwas wie ein kleines Hobby. Gerade Spirituosen haben ja oft kulturelle Wurzeln und sind hunderte von Jahren alt und natürlich ist das auch Teil meines Jobs. Nur wer seine Zielgruppe versteht und erlebt, kann das Unternehmen auch entsprechend ausrichten.

Haben Sie eine Lieblingsbar?

Es gibt unzählige tolle Bars auf der Welt, aber meine Lieblingsbar ist tatsächlich unsere eigene im Gästehaus in Wolfenbüttel. Wenn Sie mal dort unten gewesen sind, werden Sie wahrscheinlich verstehen warum. Denn der Ort hat jede Menge Geschichten zu erzählen, weil bereits so viele Menschen dort gewesen sind, mit denen wir verbunden sind und die ihre Geschichten aus der großen Welt von Jägeremeister mitbringen.

Was für ein Managertyp sind Sie?

Ich glaube, ein relativ partizipativer und anfassbarer. Es kann heute nicht mehr darum gehen, als Leader distanziert zu agieren. Oft geht es darum, Freiräume für Mitarbeiter zu schaffen und zu versuchen wertvolle Beiträge zu leisten. Ich möchte mich auf die ganzen hervorragenden Menschen einlassen, die wir hier im Unternehmen haben und genauso organisieren wir uns gerade auch. Es gibt viel mehr Projektarbeit und übergreifende Gruppen und damit dezentrale und delegierte volle Verantwortlichkeit als früher, damit wir unserer Mission jeden Tag ein Stück näher kommen …

… Ihre Mission?

Wir treten hier an, um Jägermeister zur internationalen Powermarke zu machen, und den jungen Erwachsenen die besten Nächte ihres Lebens zu bereiten. Also tolle Erlebnisse mit einer außergewöhnlichen Marke: Jägermeister. Dem muss sich alles unterordnen. Wichtig ist mir persönlich, dass ich genau dieses Credo allen anderen hier im Unternehmen vorlebe.

Lässt sich der Weg zur internationalen Powermarke etwas banaler mit Wachstum übersetzen?

Wir machen das nicht ausschließlich an Prozentpunkten fest, sondern daran, dass Konsumenten uns in den richtigen Situationen zu ihrer ersten Wahl machen. Das hat am Ende weniger mit Menge als mit Wertschätzung zu tun. Entscheidend sind die Markenidee und ihre konsistente internationale Umsetzung. Wir sind weltweit präsent, und der Schritt zur Weltmarke ist das, was jetzt noch kommt.

^