„30 Years overnight Success“

Michael Volke, Vorstandsvorsitzender der Mast-Jägermeister SE

Foto: Holger Isermann

„Einige waren viele Jahre lang mit Fakestorys und BullshitMarketing sehr erfolgreich.“ Foto: Holger Isermann

Wie sehr beschäftigen Sie als internationale Marke die großen internationalen Verwerfungen? Die britische Pub-Kette JD Wetherspoon hat aufgrund des Brexits mehrere europäische Spirituosen aus dem Sortiment geschmissen, darunter Jägermeister …

Wir ändern deshalb nicht unsere Strategie, aber die Effekte spüren wir natürlich, zum Beispiel, wenn die Brexitdiskussion das Britsche Pfund abwerten. Trotzdem glauben wir weiter an den Markt, was dort gerade politisch geschieht, ist nicht nachhaltig. Uns geht es um die Begeisterung für die Marke und Fans auf der ganzen Welt. Menschen können da schon ganz gut unterscheiden. Und da hilft uns wieder der lange Atem.

Trinken die Menschen in der Krise mehr oder weniger?

Grundsätzlich ist der Markt der Premium-Spirituosen relativ stabil, aber wenn die Menschen sich unser Produkt nicht mehr leisten können, hat das natürlich Folgen.

Sie sind mittlerweile in 137 Ländern weltweit aktiv …

… und es werden nicht mehr so viele dazu kommen. Denn einige Länder scheiden aufgrund politischer oder religiöser Gründe aus. Jetzt geht es darum, dass wir uns in den Märkten weiter durchsetzen.

Wo haben Sie aktuell das größte Wachstum?

Absolut gesehen in Osteuropa, gefolgt von den Emerging Markets, insbesondere in China. Wir wachsen dieses Jahr aber fast überall.
Planen Sie weitere Tochtergesellschaften neben den bestehenden? Wir schauen uns das genau an, aber die weltweite Gründung von eigenen Vertriebsgesellschaften ist keine primäre Strategie, die wir verfolgen. Wir haben ein langfristig angelegtes Partnermodell. Die Lösung, selbst vollumfänglich den Vertrieb in einem Land zu übernehmen, kann aber aus verschiedenen Gründen Sinn machen, so wie aktuell in der Tschechischen Republik und der Slovakei.

Das Jahr neigt sich dem Ende – wie würden Sie Ihren Gemütszustand beschreiben – ehrgeizig, aber zufrieden?

Wir hatten ein sehr gutes Jahr und sind in der Tat mit vielen internen Entwicklungen zufrieden. Wir werden heute Abend eine fröhliche Weihnachtsfeier haben, da bin ich sicher (lacht).

Würde Ihr Gesellschafter das auch so wiederholen?

Für den Gesellschafter spreche ich nicht. Aber ich weiß, wir haben eine gemeinsame Sichtweise auf unsere Entwicklung. Florian Rehm und ich sprechen und reisen regelmäßig; ringen immer gemeinsam um die beste Lösung.

Er mischt sich also schon ein …

Er ist Aufsichtsratsvorsitzender und lebt hier am Standort. Wir haben regelmäßige Meetings, man läuft sich aber auch informell über den Weg, zum Beispiel in der Kantine oder bei einem unserer Afterworks. Mischt er sich ins operative Geschäft ein? Nein. Hat er Ideen? Ohne Ende (lacht).

Sie sprechen nicht gern über Umsätze – veröffentlichen aber die Anzahl der verkauften Flaschen. Knacken Sie dieses Jahr die 100-Millionen-Marke?

Wir sind optimistisch, dass wir auch in 2019 weiter wachsen werden. Die Schallmauer haben wir vor Augen.

Ist das eine Vision?

Nein, das ist ein konkreter Plan.

Was tun Sie, wenn Sie einmal nicht arbeiten?

Ich reise sehr viel, das überlappt sich durchaus mit der Arbeit. Außerdem habe ich zwei Teenager zu Hause – Zwillinge. Das ist ein großes Thema …

… und Sport?

Ich laufe viel, fahre Ski. Außerdem interessiere ich mich sehr für Geschichte und lese gerade zwölf Jahrhunderte Stadtgeschichte von Hamburg.

Leben Sie hier in der Region?

Eigentlich eher in der Welt. Ich habe außerdem eine Wohnung in Braunschweig und eine in Hamburg.

Sind Sie beruflich angekommen?

Absolut.

… gekommen, um zu bleiben?

Zunächst schaut man sich natürlich alles an, aber irgendwann war mir genau das klar. Ich bin gekommen, um zu bleiben.

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