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„Das Risiko für Mittelständler am Pharmamarkt steigt“

Nils Ole Wolcke, Geschäftsführer bei Schaper & Brümmer

Nils Ole Wolcke. Foto: Holger Isermann

Nils Ole Wolcke. Foto: Holger Isermann

Die Autofahrt geht vorbei an saftigen Wiesen, dichten Wäldern und akkurat bestellten Feldern. Weidende Pferde auf einer Koppel und pittoreske Dörfer, in denen kaum jemand unterwegs ist. Schließlich erreichen wir Salzgitter-Ringelheim, den sechstgrößten von 31 Stadtteilen der kreisfreien Stadt Salzgitter. Ringelheim, im äußersten Südwesten des Stadtgebietes an der Innerste liegend, fand bereits im Jahr 900 in den Geschichtsbüchern Erwähnung und entstand in vorfränkischer Zeit an der Kreuzung zweier Heeres- und Handelsstraßen. Unser Ziel liegt gleich gegenüber dem Bahnhof: Schaper & Brümmer. Das mittelständische Pharmaunternehmen in Familienbesitz fühlt sich bereits in der vierten Generation der Bewahrung und Weiterentwicklung des Wissens um die Pflanzenmedizin und der Gesundheit verpflichtet. Aber auch den Menschen und dem Stadtteil, in dem es tief verwurzelt ist – und deshalb auch einen grünen Ring und ein stilisiertes Heim (Haus) im Logo führt.

Schaper & Brümmer, 1923 von Erich Schaper und Albert Brümmer gegründet, ist das größte Unternehmen im Ort und beschäftigt rund 220 Mitarbeiter. Nils Ole Wolcke hat 2001 als Junior-Produktmanager hier angefangen. Seit Februar dieses Jahres leitet er als Geschäftsführer das Unternehmen und sprach mit uns über kräftezehrende Zulassungsverfahren, liebevolle Handarbeit und konstruktive Lösungen in der Krise…

Herr Wolcke, warum kamen 1923 zwei junge Männer zusammen, um aus Naturstoffen Medikamente herzustellen?

Die beiden haben sich in der Hirsch-Apotheke in Algermissen, die es heute noch gibt, kennengelernt. Die berufliche Verbindung war schon da – Erich Schaper war Chemiker, Albert Brümmer Kaufmann. Sie waren sich sympathisch und haben ihre Freizeit in der Natur verbracht. Bei einer Wanderung durch die Lüneburger Heide kamen sie auf die Idee, selbst Fertigprodukte auf Basis von Naturstoffen herzustellen. Und dieser Grundgedanke, den sie damals hatten, trägt das Unternehmen bis heute.

Waren pflanzliche Heilmittel damals noch stärker verbreitet?

Ja. Gleichzeitig hat aber mit der zunehmenden Industrialisierung der Pharmaindustrie die Nutzung chemisch-synthetischer Substanzen stark zugenommen. Es war beides vertreten. Die Pharmaindustrie, die bis heute pflanzliche Arzneimittel herstellt, entstammt in Deutschland dem Mittelstand und viele dieser Firmen sind zu Beginn des 20. Jahrunderts gegründet worden. Da beginnt plötzlich dieser Gedanke, dass die traditionelle Arzneipflanze, die vorher als Tee lose in der Apotheke verkauft wurde, auch als Tinktur industriell hergestellt werden kann …

… wobei Erich Schaper und Albert Brümmer von industriell ja noch weit entfernt waren …

Die beiden haben mit Salben angefangen, weil man für die Herstellung wenig technisches Equipment brauchte – das haben sie hier im Ort in einer angemieteten Waschküche gemacht. Die Salben wurden dann an die Apotheken in der Umgebung vertrieben.

Gegen welche Beschwerden haben diese geholfen?

Die meisten hatten mit der Durchblutung zu tun und waren zur Behandlung von Krampfadern sowie gegen oberflächliche Verletzungen oder Verstauchungen gedacht. Von den Salben kam dann der Schritt hin zu innerlich anwendbaren Arzneimitteln. Da entstand sehr früh eine von Erich Schaper erdachte Rezeptur, die als Vorgänger für unser wichtigstes Produkt gelten kann: Esberitox.

Warum wurde das Produkt ein weltweiter Erfolg?

Rund 95 Prozent der Erkältungen sind durch Viren bedingt. Gesunde Menschen, sogenannte immunkompetente Menschen, werden eine solche Infektion von selbst wieder los, aber bis dahin geht es einem oft richtig dreckig. Fast alle Medikamente gegen Erkältungen bekämpfen deshalb nur die Symptome.

Und Esberitox …

… hat einen doppelten Wirkansatz: Der Extrakt der Lebensbaumspitzen wirkt antiviral, die weiteren Bestandteile sorgen dafür, dass das Immunsystem sehr viel schneller zu seiner Höchstform aufläuft. Es ist das „Geheimnis“ von Esberitox, die Immunantwort schneller erfolgen zu lassen. Im Effekt: Die Erkältungsdauer zu verkürzen. Das haben wir auch in klinischen Studien belegen können.

Sind Ihre Mitarbeiter kürzer krank als die anderer Unternehmen?

Wir sind mit unserer Krankenquote ganz zufrieden (lacht).

Nehmen Sie Esberitox auch selbst?

Ja, ich glaube wir sind hier alle Fans, auch innerhalb unserer Familien.

Wie hat sich das Unternehmen damals in der Wirtschaftskrise und während des 2. Weltkriegs entwickelt?

Am Anfang ging es steil bergauf – das war wirklich ein Garagen-Start-up. Zwei Jahre nach der Waschküche haben die beiden Gründer sich im Jahr 1925 das erste Firmengebäude gebaut. Schnell waren es 50 Mitarbeiter, aber natürlich hat auch hier die Wirtschaftskrise Folgen gehabt. Allerdings waren Arzneimittel nicht so sehr betroffen wie klassische Konsumgüter. Während des 2. Weltkrieges war das Unternehmen mehrmals von Schließungen bedroht …

… weil die Mitarbeiter fehlten?

Genau, es wurden schlichtweg alle Männer eingezogen und die Ressourcen knapp. Bestimmte Rohstoffe – zum Beispiel Alkohole und Fette – gab es kaum noch. Die beiden Gründer waren aber sehr kreativ, um einer Schließung zu entgehen und haben es geschafft, das Unternehmen als kriegswichtig einstufen zu lassen und zwar auf eine typisch-schlitzohrige Schaper- und Brümmer-Weise.

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