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„Die Wünsche unserer Kunden sind unsere Motivation“

Sebastian Krapoth, Jürgen Klöpffer und Hartmut Rickel, Geschäftsführer der Volkswagen Group Services GmbH

Sebastian Krapoth, Jürgen Klöpffer und Hartmut Rickel. Foto: Holger Isermann

Sebastian Krapoth, Jürgen Klöpffer und Hartmut Rickel. Foto: Holger Isermann

Dienstagmittag, Anfang September. Ein Besuch in Wolfsburg, der jüngsten Stadt Deutschlands, die in diesem Jahr ihren 80. Gründungsgeburtstag feiert. Der Ursprung der „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“, so der ursprüngliche, offizielle Name Wolfsburgs, war die Grundsteinlegung des Volkswagenwerks. In den Folgejahren entstand eine Stadt vom Reißbrett, gebaut für die Arbeiter, die im Werk zunächst Rüstungsgüter produzierten und später von 1938 bis Mitte 1974 den VW Käfer, der mit über 21,5 Millionen Fahrzeugen das meistverkaufte Automobil der Welt ist.

Volkswagen gibt bis heute in der Region den Takt an – auch auf dem Forum Autovision an der Major-HirstStraße 11. Hier am Hauptsitz der Wolfsburg AG, einem Gemeinschaftsunternehmen der Stadt Wolfsburg und der Volkswagen AG, ist auch die Volkswagen Group Services GmbH zu finden. Diese ging im Jahr 2001 – damals noch als AutoVision GmbH – aus einem Zweig der Wolfsburg AG hervor. Ihre Aufgabe: Auch außerhalb der Wolfsburger Region Prozess-, Personal- und kaufmännische Dienstleistungen anzubieten. Die deutschen und internationalen Kunden werden zumeist per Werks- oder Dienstleistungsvertrag unterstützt, neue Projekte gemeinsam kundenspezifisch entwickelt und individuell gestaltet.

Das seit dem 1. Januar 2018 unter dem Namen Volkswagen Group Services GmbH fungierende Unternehmen hat seit der Gründung vor 17 Jahren eine erfolgreiche Entwicklung vollzogen – gilt als einer der dynamischsten Player Niedersachsens. Aktuell beschäftigt die Firma an 13 Standorten in Deutschland rund 8.920 Mitarbeiter und an sechs Standorten in Europa rund 2.430 Mitarbeiter. Diese arbeiten in den fünf Geschäftsbereichen Engineering, Fertigung, Logistik, Data Engineering (IT) und Kaufmännische Dienstleistungen (inklusive Gastronomie und Event und Gesundheitsdienstleistungen). Und die Mitarbeiter sind das höchste Gut des Unternehmens. Das wissen auch Sebastian Krapoth, Jürgen Klöpffer und Hartmut Rickel, die Geschäftsführer der Volkswagen Group Services GmbH. Das Trio steuert die 100-prozentige Tochtergesellschaft des Volkswagen Konzerns und kämpft unter anderem um die bestehenden und zukünftigen Fach- und Führungskräfte.

Herr Krapoth, Herr Klöpffer, Herr Rickel, die AutoVision GmbH wurde 2001 gegründet, die City-Galerie im gleichen Jahr eröffnet, die Autostadt war damals erst ein Jahr alt. Was war Wolfsburg für eine Stadt?

Krapoth: Eine deutlich strukturschwächere und nicht so attraktive Stadt wie heute. Das Ziel von Peter Hartz, dem Personalvorstand der Volkswagen AG, war damals, in Wolfsburg Beschäftigung zu sichern und Wachstum zu fördern.

Was waren die wichtigsten Aufgaben und Ziele der AutoVision GmbH?

Krapoth: Im Konzernumfeld wettbewerbsfähige Arbeitsplätze zu schaffen, natürlich auch zu anderen Tarifen als dem Haustarifvertrag von Volkswagen. Idee war es, neue und zukunftsorientierte industrienahe Dienstleistungsangebote aufzubauen.

Klöpffer: Die Grundidee war der Teil eines Versprechens beziehungsweise der Vereinbarung der Stadt Wolfsburg und der Volkswagen AG, verschiedene Aktivitäten mit dem kurzfristigen Ziel zu starten, die Arbeitslosenquote von über 17 Prozent zu halbieren. Einer dieser Bausteine war die Gründung der AutoVision …

… und was waren die anderen?

Klöpffer: Ein weiteres Ziel war mit der Wolfsburg AG eine Keimzelle für Startups zu schaffen, um die Region mit einer gewerblich breiteren Struktur aufzustellen. Das sollte alles mit Mobilität zu tun haben. Der Mittelstand, in Deutschland der Motor für Beschäftigung, war in Wolfsburg kaum vertreten. Selbst die Anzahl mittelständischer Automobilzulieferer war um etwa 75 Prozent geringer als an vergleichbaren Automobilstandorten.

Ihr Unternehmen ist also aus einer Krise heraus entstanden …

Krapoth: Ja, aber aus der Krise ist dann eine Aufbruchstimmung entstanden. Die AutoVision GmbH war ein neues und innovatives Unternehmen mit vielen jungen Mitarbeitern. Über die Jahre ist viel gewachsen: Angefangen von Werk- und Dienstleistungsverträgen, die wir noch heute anbieten, über das Thema Zeitarbeit, wo wir Personal gestellt haben. Ohne uns zu stark um Wettbewerbsfähigkeit, Qualität und Produktivität Gedanken zu machen, wie wir es heute tun. Seit vier Jahren sind wir nicht mehr nur vollumfänglicher Projektdienstleister, sondern haben auch eine deutlich stärkere Fokussierung auf die Fachlichkeit. Es gilt nicht mehr nur Personal zu stellen, sondern unseren Kunden durch fachliche Qualität und spezifisches Know-how zu überzeugen.

Klöpffer: Die Wachstumsraten der AutoVision waren in den ersten fünf Jahren erheblich – wir sind in Tausender-Schritten bei der Mitarbeiteranzahl gewachsen. Eine Zeitlang waren wir das dynamischste Unternehmen Niedersachsens mit stetig neuen Geschäftsfeldern und Projekten.

Wie groß war der Anteil der AutoVision am Aufschwung Wolfsburgs?

Krapoth: Unser Unternehmen hat einen ganz erheblichen Beitrag am Aufschwung Wolfsburgs geleistet. Natürlich zählen als Highlights die Autostadt, das Phaeno, das Kunstmuseum, die Designer Outlets Wolfsburg oder der Allerpark dazu. Man ist gemeinschaftlich gewachsen.

Klöpffer: Alles ist miteinander verwoben. Als Arbeitgeber müssen Sie heute – zusammen mit anderen regionalen Playern – ein stimmiges Gesamtpaket bieten, um Fach- und Führungskräfte, gerade im Forschungs- und IT-Bereich, zu begeistern und anzulocken. Da geht es nicht nur um ein schönes Büro, einen guten Arbeitsplatz und eine interessante Aufgabe, da spielt auch die Attraktivität der Region mit hinein: Freizeitaktivitäten, Familienfreundlichkeit und die Schul- und Hochschul- landschaft. Rickel: Die Attraktivität der gesamten Region ist in den vergangenen 15 Jahren enorm gestiegen. Und Wolfsburg spielt dabei eine essentielle Rolle. Krapoth: Stimmt. Die Region müsste aber noch viel enger zusammenwachsen.

Welchen Wert hat Arbeit für die Attraktivität einer Region?

Rickel: Sie schaffen es nur, Menschen an einen Ort zu ziehen, wenn es attraktive und sichere Arbeitsplätze gibt. Am Ende ist jeder Arbeitsplatz volkswirtschaftlich sinnvoll. Wenn ich kein Geld verdiene, kann ich es mir auch nicht leisten, ein Museum, ein Fußballstadion oder ein Einkaufscenter zu besuchen. Das ist ein Kreislauf.

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