Kapitänswechsel auf der „MS Dollenberg“

Sohn Leif übernimmt zum 1. März das Ruder von Geschäftsführerin Marion Dollenberg

Leif Dollenberg und Marion Dollenberg. Foto: Frank Wöstmann

Leif Dollenberg und Marion Dollenberg. Foto: Frank Wöstmann

Als Firmenchef Jörg Dollenberg vor 25 Jahren den Firmen-Neubau in Wolfenbüttel beauftragte, wollte er seine Vorliebe für maritimes Ambiente nicht verstecken. Der begeisterte Segler schuf im Grunde ein Schiff an Land – auf einem der höchstgelegenen Grundstücke der Stadt. Von außen wird das deutlich durch Bullaugen, Reling und einen Ausguck am Bug. Hinten gibt es ein Achter-Deck, holzbeplankt, das zum Verweilen einlädt. Drumherum deutet ein Graben sogar eine Art Wasserlinie an. Und auch im Inneren finden sich viele Zitate aus dem Schiffsbau. Eine Messing-Glocke, zwei hölzerne Galionsfiguren, die in der Seefahrt den guten Geist der Schiffe symbolisieren. Auf dem Dach ein schräger Schornstein – insgesamt liegt am Drohnenberg sozusagen die MS Dollenberg vor Anker.

Nun steht ein Kapitänswechsel auf der Brücke an: Zum 1. März übergibt Mutter Marion das Ruder an Sohn Leif Dollenberg, der vor einigen Monaten in die Firma eingetreten ist. Wenn die Chefin im Februar das 65. Lebensjahr vollendet, geht sie von Bord. Künftig gibt der Diplom-Ingenieur den Kurs vor. Und den setzt er klar Richtung Expansion. „Unsere Branche hat sich in den vergangenen Jahrzehnten enorm entwickelt“, sagt der 38-Jährige. Seit sein Urgroßvater Georg Dollenberg im Dezember 1935 begann, mit einem Handwagen und zwei Monteuren Mineralwolle um Rohre zu wickeln, gab es in der Isolierungsbranche mehrere Quantensprünge. „Heute geht es um mehr als nur Luftkanalbau oder Kälte- und Wärme-Isolierung“, schildert der künftige Chef. „Es geht um Umweltschutz und Ressourcen-Ersparnis, um Sicherheitstechnik mit Brandschutz, und schließlich um Arbeitsschutz durch Einhausungen und zum Beispiel Schallreduzierung.“

Um bei den Trends stets vorne mit dabei zu sein, montiert Firma Dollenberg die Kanäle nicht nur, sondern produziert sie auch selbst. Rund 10.000 Quadratmeter Stahlblech (0,75 – 1,0 Millimeter) kommen als Coils jedes Jahr nach Wolfenbüttel, um dort zugeschnitten zu werden. „Doch wir schneiden diese nicht nur zu, sondern verarbeiten sie durch Schnitte und Verformung zu runden oder eckigen Bauteilen, welche individuell produziert werden.“ Kataloge habe es bei Dollenberg noch nie gegeben, weil jeder Kunde eine individuelle Lösung erwarte. Mittlerweile werden die Lüftungskanäle sogar vorisoliert zur Baustelle geliefert. „Das haben wir uns patentieren lassen, es reduziert Zeit und Unfallgefahren.“ Überhaupt wird viel in Patente investiert am Drohnenberg. In der dritten Generation befindet sich das Spitzenprodukt des Hauses, elldo 3.0. In seiner Entwicklung hat es sich von der Markteinführung im Jahre 2000 von „schwer entflammbar“ bis heute auf „nicht brennbar“ gemausert. „Das war nicht ganz einfach“, blickt die Mutter auf eine anstrengende Zeit zurück. Zwei Jahre lang gab es Brandversuche und Hygiene-Zertifizierungen an der Materialprüfungsanstalt Braunschweig. „Da kommt man nicht ohne weiteres durch – und das hat auch einiges Geld gekostet.“

Leif Dollenberg übernimmt zum 1. März die Geschäftsführung des gleichnamigen Unternehmens. Foto: Frank Wöstmann
Leif Dollenberg übernimmt zum 1. März die Geschäftsführung des gleichnamigen Unternehmens. Foto: Frank Wöstmann

Kurs auf Bremen – die Produktionsoll aber in Wolfenbüttel bleiben

Abgeschlossen werde eine solche Patentanmeldung durch die weltweite Suche nach einem ähnlichen Produkt, das es vielleicht schon irgendwo gibt. „Diese Suche läuft von Amtswegen, und wir rechnen in gut einem Jahr mit der Marktfreigabe für elldo 3.0.“ Doch Leif Dollenberg plant nicht nur neue Produkte, sondern neue Geschäftsfelder und sogar eine räumliche Veränderung. Zwar soll die Produktion an der Oker bleiben, doch an der Weser wird ein Büro entstehen – der Chef lebt in Bremen. „Es geht um die Expansion durch einen zusätzlichen Standort in Bremen mit eigenen Monteuren, Büro und so weiter“, beschreibt er die Pläne. „Das Headoffice ist weiterhin in Wolfenbüttel, ebenso die Zentralwerkstatt.“ Leif Dollenberg hat viel Erfahrungen in einem Konzern der Isolierbranche gesammelt, der in 50 Ländern der Welt aufgestellt ist. „Dort war ich verantwortlich für Projekte in Asien, Europa und ganz Deutschland. Von diesen Kontakten möchte ich künftig profitieren.“ Der Export auf Baustellen weltweit werde zudem den nächsten Entwicklungsschritt der Firma befördern: „Im Moment sind wir noch Handwerk, wir werden uns aber Richtung Industrie verändern“, kündigt er Veränderungen in der Werkstatt an.

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