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„Amazon gehört in Deutschland nicht ein einziger LKW“

Anthony und Aline Wandt, Geschäftsführer der Braunschweiger Wandt Spedition Transportberatung GmbH über Dinosaurier und Domglocken, ein Unternehmen im Umbruch und das Gespenst des Onlineversandhandels

Anthony und Aline Wandt, Geschäftsführer der Braunschweiger Wandt Spedition Transportberatung GmbH. Foto: Richard Dahlmann

In dem Speditionsunternehmen an der Hansestraße haben sie ihre ersten Schritte gemacht: Den Geschwistern Aline und Anthony Wandt war der Familienbetrieb zuerst Spiel- und ist heutiger Arbeitsplatz. Gegründet mit einem einzigen LKW im Jahr 1939 durch den Großvater Adalbert Wandt sen., hat sich der Fuhrbetrieb mittlerweile zu einem europaweit agierenden Logistikdienstleister entwickelt. Seit nunmehr zwei Jahren führen die 40-Jährige und ihr drei Jahre jüngerer Bruder gemeinsam mit Vater Gerhard das Unternehmen. Standort38 hat die junge Generation in ihrem Betrieb unweit des Braunschweiger Hafens besucht und zwischen Lagerhallen und Lastkraftwagen einen Blick in die Zukunft einer hart umkämpften Branche geworfen …


Herr und Frau Wandt, mit Adalbert Wandt sen. fing im Jahr 1939 alles als Fuhrbetrieb in Braunschweig an. Wie kam der gelernte Bäcker zu dieser Geschäftsidee?


Anthony: Unser Großvater hat seinen Grundwehrdienst in Braunschweig abgeleistet. Parallel wurde der Braunschweiger Hafen gebaut, wo er später als Lagerarbeiter angefangen hat und da hat er sich gedacht: „Alles klar, hier wird ein Hafen gebaut, hier kommt Ware an, irgendwie muss die anschließend ins Hinterland!“


Aline: Dann hat er mit einem LKW begonnen, Kohlen und Steingut vom Hafen abzutransportieren. Eben alles, was man während der Kriegsjahre so brauchte …


Im Krieg war Adalbert Wandt auch, anschließend bis 1947 in Gefangenschaft. Währenddessen hat seine Frau das Unternehmen geführt. Wie schwierig war diese Zeit?


Aline: Sie hat immer aufgepasst, dass das Hab und Gut nicht verloren geht. Der Betrieb lief weiter und als unser Großvater dann wiederkam, konnte er hier direkt wieder anfangen.


Heute sind Sie ein Familienunternehmen in dritter Generation. Wie wichtig sind Ihnen die Vergangenheit und die Tradition?


Anthony: Die Geschichte gehört zu unserer DNA dazu, sie bietet das Fundament, auf dem man weiterarbeiten kann und in die Zukunft blickt.


Aline: Sicherlich hilft die Historie im Alltag erst mal nicht. Wir müssen uns weiterentwickeln in jeglicher Hinsicht, aber es ist natürlich toll zu wissen – auch für den Geist des Unternehmens –, wo man herkommt. In den unterschiedlichsten Bereichen, egal ob im Umgang mit dem Personal oder mit Dienstleistungen, ist es schön, zurückblicken zu können.


Was waren rückblickend die bedeutendsten Meilensteine in der Firmengeschichte?


Anthony: Grundsätzlich muss man sagen: Mit Sicherheit die gute Beziehung zum Hause Büssing hier in Braunschweig, besonders in Zeiten der Gründung. Es war nicht einfach, damals einen LKW zu bekommen, gerade nach dem Krieg. Und da half es schon, auf gewisse Beziehungen zurückgreifen zu können, um das Geschäft überhaupt wieder zum Laufen zu bringen. Dann natürlich die Tatkraft von unserem Großvater, der das Unternehmen als solches immer vorangetrieben hat.


Dann kam der erste Generationswechsel …


Anthony: Richtig, in den 70er Jahren sind die beiden Söhne, Adalbert jun. und Gerhard, unser Vater, ins Unternehmen eingestiegen. Mit dem Tod unseres Großvaters 1983 wurde der erste Generationswechsel herbeigeführt. Anfang der 90er Jahre kam dann der Wegfall der Tarife. Vorher war der Markt ja reguliert. Zuletzt die Weichen, die wir gestellt haben – dafür, dass wir heute ein modernes Unternehmen sind und kein klassischer Fuhrbetrieb mehr wie zu Anfang.


Wie würden Sie den Logistikmarkt heute beschreiben? Wer sind die größten Mitbewerber?


Anthony: Der Markt ist sehr kleinteilig. Es gibt kein einheitliches Angebot – in der Logistik ist jeder Tag eine Wundertüte.

 


Aline: In Braunschweig gibt es Überschneidungen mit anderen Mitbewerbern, aber keine direkten Kämpfe. Man schätzt und hilft sich untereinander. Und man weiß, was der andere kann. Wir würden nicht plötzlich ein Feld auftun, was wir nicht bespielen können.


Die Kompetenz der deutschen Speditions- und Logistikbranche ist weltweit anerkannt. In der Rangliste der Weltbank, erreichte Deutschland im Jahr 2014 den ersten Platz. Wie erklären Sie sich das große Renommee der Branche?


Aline: Die Lobby arbeitet gut.

 


Anthony: Dazu muss man sagen, dass zwei der weltweiten Top-Fünf-Logistiker aus Deutschland kommen. DHL und die Deutsche Bahn sind zwei Globalplayer, die auf dem Weltmarkt nicht wegzudenken sind. Als extrem starker Industriestandort brauchte man in Deutschland auch eine starke Logistik. Aus den klassischen Kompetenzen haben sich neue entwickelt, wie bei uns die Lagerlogistik-Konzepte, die man mit Transportleistungen verknüpfen kann.


… bedeutet also, Sie sind ein Third-Party-Logistiker, der Transport und Lagerung verbindet?


Anthony: Genau, das ist ein wesentlicher Unterschied zu größeren Unternehmen: Wir betreiben ganze Logistikketten – vom Hersteller bis zum Endkunden – mit eigenen Ressourcen und Produkten.


Wie würden Sie Ihr Unternehmen heute in ein paar Worten beschreiben?


Anthony: Im Umbruch, vielschichtig, breit aufgestellt und eigentlich ganz nett. (lacht)


Wie macht sich dieser Umbruch im Unternehmen bemerkbar? Wie hat sich Ihr Kerngeschäft verändert und entwickelt?


Anthony: Wir sind früher im klassischen Ladungsbereich tätig gewesen. Wir hatten die großen, grünen LKW und sind durch Europa gefahren. Heute sind wir kein reines Transportunternehmen, sondern ein Logistikbetrieb mit Transportdienstleistungen – von der Zollabfertigung, über Lagerung bis zum nationalen und internationalen Transport und sonstigen Mehrwertleistungen. Heute können Sie bei uns von 50 bis 25.000 Kilogramm alles versenden.


Welcher Unternehmensbereich ist am wichtigsten für Ihr Unternehmen?


Anthony: Nach wie vor wird der Transport mit gut 70 Prozent am meisten gebucht. Der internationale Bereich macht zwei Prozent aus und der Rest ist Logistik. Gleichwohl bieten wir eine Vielzahl an Leistungen an, die mit dem Transport gekoppelt sind.

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