Bildung hat keine Lobby

Doris Masurek, Geschäftsführerin der Oskar Kämmer Schule Gemeinnützige Bildungsgesellschaft mbH, im Interview

Doris Masurek, Geschäftsführerin der Oskar Kämmer Schule Gemeinnützige Bildungsgesellschaft mbH. (Foto: Holger Isermann)

Entspannt und aufgeweckt, auskunftsfreudig und
interessiert zeigt sich Doris Masurek, Geschäftsführerin der Oskar Kämmer Schule, beim Interviewtermin in der Braunschweiger Hauptgeschäftsstelle in der Jasperallee 23. Sie wirkt geerdet, zufrieden mit sich und ihrem Unternehmen, das in diesem Monat 70 Jahre alt wird und trotz dieser langen Tradition vor allem an die Zukunft denkt. Wir sprachen mit der Bildungsexpertin u.a. über lebenslanges Lernen, Zuwanderung als Alternative für den Fachkräftemangel und die Veränderung der Arbeitswelt.


Frau Masurek, das Ehepaar Hilde und Oskar Kämmer hat nach dem Krieg mit einigen Schreibmaschinen den Grundstein für das Unternehmen gelegt. Was waren die beiden für Menschen?

Ich habe sie erstmalig 1981 getroffen. Sie waren damals noch Gesellschafter und Beiratsmitglieder. Ich habe sie als sehr zielstrebige und leistungsorientierte Menschen kennengelernt. Ihnen war wichtig, dass alles seine gewisse Ordnung hat. Herr Kämmer hat beispielsweise die Lehrer morgens an der Tür begrüßt und wer keine Krawatte anhatte, konnte wieder nach Hause gehen. Ich übertreibe jetzt ein bisschen, aber es wurde sehr darauf geachtet, dass Lehrer Vorbilder in jeder Hinsicht waren, nicht nur im Verhalten. Sie haben übrigens nicht nur mit Schreibmaschinen angefangen, sondern auch mit Pappen gearbeitet. Da waren Buchstaben aufgemalt und die Schüler haben Fingerübungen darauf gemacht. Schreibmaschinen für alle konnte man sich 1945 nicht leisten.


Sind Sie froh, die beiden noch kennengelernt zu haben?

Oskar Kämmer selbst gekannt zu haben, ist für mich und viele meiner alten Kollegen ein Stück Identität. Das trug viel dazu bei, die Oskar Kämmer Schule als berufliche Heimat anzusehen. Hilde war aber genauso wichtig für die Schule.


Die beiden waren Pioniere im privaten Bildungssektor. Was stand im Vordergrund das Geschäft oder die Bildung?

Die Bildung. Die beiden waren typische Lehrer. Natürlich hat man früher noch anders unterrichtet, das war Frontalunterricht mit Ansage und auch schon etwas Drill. Das Motto war: Üben, üben, üben! Müssen wir heute auch noch, sagen es aber nicht mehr so.


Wie wichtig ist Ihnen Tradition?

Gerade in unserer heutigen Zeit sind Beständigkeit und Verlässlichkeit sehr wichtig. Was mich in unseren allgemeinbildenden Schulen immer wieder beeindruckt, ist, dass es uns gelingt, unseren Schülern das Grüßen beizubringen. Nicht, um sie zu irgendwelchen devoten Handlungen zu erziehen, es ist eine Frage der Höflichkeit nach dem Motto: Ich sehe dich. Ich schätze dich.


Sie übernehmen also auch Aufgaben, die die Eltern versäumt haben?

Es ist tatsächlich so, dass Schüler, die am liebsten Pommes frites mit Fingern essen bei unseren gemeinsamen Mahlzeiten zum Umgang mit Messer und Gabel angehalten werden. Das und auch der Umgang untereinander oder mit Konflikten ist uns wichtig und wird geübt.


Stichwort „Werteverfall bei Jugendlichen“: Haben Sie das Gefühl, dass grundsätzliche soziale Kompetenzen bei jungen Menschen nicht mehr vorhanden sind?

Man muss mehr dafür tun, dass diese Kompetenzen entwickelt und erhalten werden. Nicht nur bei Jugendlichen, auch bei Erwachsenen spielt das eine Rolle. Durch die heutige Schnelllebigkeit nehmen wir uns manchmal gar nicht mehr die Zeit, achtsam und aufmerksam zu sein. Das ist schade.


Wann kam der Umbruch im Unternehmen?

Als wir angefangen haben, mit PCs zu arbeiten, hat sich vieles gewandelt. Der Bereich der Schreibtechniken ist immer weiter in den Hintergrund getreten. Anfang der 80er Jahre haben wir einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht. Wir haben etliche Schulen und Standorte eröffnet, neue Zielgruppen an Bord genommen. Das größte Projekt in den 80er Jahren war sicher das Ausbildungsplatzprogramm Niedersachsen. Damals fanden tausende junge Leute keinen Ausbildungsplatz und das Land Niedersachen hat freie Träger mit der Ausbildung beauftragt.

 

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