Der Megatrend Individualisierung hat uns längst erfasst (2/4)

FIBAV-Geschäftsführer Sven Hansmeier und sein Vater Günter über den regionalen Immobilienmarkt, die 25-jährige Firmengeschichte und die Herausforderung der Vielfalt

Sven Hansmeier in einem Wohngebiet mit FIBAV-Häusern. (Foto: Holger Isermann)


Was ist das günstigste Einfamilienhaus, das man bei Ihnen bauen kann und was das teuerste?

SH: Das günstigste Angebot, das ich zurzeit bieten kann, sind 89.900 Euro. Dafür bekommen Sie einen kleinen Bungalow. Das teuerste, das wir bisher gebaut haben, lag jenseits der eine Million Euro.


Welche Trends gibt es gerade im Immobiliengeschäft?

SH: Wir haben zum einen das Bauen auf einer Ebene, den Bungalow und zunehmend auch wieder Flachdächer. Das ist für die Architekten dankbarer, weil sie sich keine Gedanken mehr über die Dachform machen müssen und schafft natürlich auch Volumen auf kleiner Fläche. Eigentlich ist sehr viel Klassisches wiedergekommen, wie die sogenannte „Stadtvillla“, viereckig mit Zeltdach darauf. Im Einfamilienhausbau ist das Reihenhaus wieder da, gerade im städtischen Bereich als flächenschonende Architektur. Darüber hinaus ist natürlich die Energieeffizienz ein Thema …

GH: Früher haben wir rund 80 Prozent der Häuser mit Keller verkauft, heute sind es maximal noch 10 Prozent.

SH: Die Anforderungen an die Energieeffizienz haben das Produkt verändert. Früher hat man ganz lax gesagt ein Loch gegraben, hochgemauert und einen Deckel darauf gesetzt. Heute muss der Keller in die thermische Hülle einbezogen werden und damit annähernd die gleiche Qualität haben wie die Wohnräume darüber. Das kostet Geld, wenn man es seriös und richtig macht.

GH: Grundsätzlich fällt auch auf, dass die Menschen flexibler geworden sind und immer häufiger aus ihrem Haus in eine Eigentumswohnung ziehen. Viele Ältere verreisen mehr als früher, wollen sich nicht mehr um große Häuser und einen Garten kümmern.


Das heißt, es wird nicht mehr fürs Leben, sondern für einen Lebensabschnitt gebaut?

GH: Wir haben Kunden, die bauen schon das dritte Mal mit uns. Erst ein Zwei-Familien-Haus auf zwei Etagen, dann kommt der Bungalow und schließlich die Eigentumswohnung. Auch der Sicherheitsaspekt spielt hier eine Rolle. Gerade Ältere fühlen sich in einer Wohnung sicherer als allein in einem großen Haus.

SH: Ja, das Thema Einbruchsicherheit ist präsenter geworden.


Auf welchen Wohnbereich legen die Menschen momentan am meisten Wert? Küche, Badezimmer …?

SH: Da kann ich überall einen Haken hinter machen. Kochsendungen im Fernsehen geben das bereits wieder. Was wir früher amerikanische Küche genannt haben, also der fließende Übergang des großzügigen Kochbereichs in den Wohnraum, breitet sich gerade stark aus. Und beim Badezimmer sind wir langsam weg vom Typ „Schlachthaus“. Fliesen werden akzentuiert in den Spritzbereichen eingesetzt und auch von den Farben und Material her unterscheiden sich Wohn- und Badezimmer nicht mehr. Insgesamt gibt es deutlich mehr Varianten. Der Megatrend Individualisierung hat uns längst erfasst.


Ist Ihr Geschäft durch die Individualisierung schwieriger geworden?

SH: Das klingt so anstrengend (lacht). Es ist vielfältiger und damit beratungsintensiver geworden. Das erhöht die Anforderungen an die Schulungen unserer Mitarbeiter. Ein Beispiel: Früher hat sich kein Mensch Gedanken um ein Fenster gemacht. Macht man es auf, kommt Luft herein macht man es zu, kommt nicht so viel Luft herein. Inzwischen sind unsere Fenster High-Tech. Heute sind die Farben und Dekore ein Riesenthema. Mittlerweile können sich Partnerunternehmen darüber finanzieren und auch definieren, riesige Badausstellungen zu haben. Das gab es früher nicht.

 

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„Der Megatrend Individualisierung hat uns längst erfasst“ (3/4)

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