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„Wer heute Angst vor Google oder Amazon hat, muss in Bildung investieren“

Richard Borek, Geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe Richard Borek

Richard Borek, Geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe Richard Borek. Foto: Holger Isermann

Richard Borek, Geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe Richard Borek. Foto: Holger Isermann

Ein Montagnachmittag Anfang August. Die Sonne brennt über Braunschweig. 35 Grad – und seit Tagen kein Niederschlag in Sicht. Richard Borek IV scheint das heiße Klima nichts auszumachen. Er empfängt uns in seinem abgedunkelten Büro in der Theodor-Heuss-Straße 7 in borek.digital-T-Shirt und orangen Laufturnschuhen. Ein schwerer Schreibtisch und dunkle Schränke stehen im Kontrast zu diversen Flipcharts und Whiteboards, die im Raum verteilt sind: Quartalsziele, neue Märkte und Prozesse, dazu Post-its, überall Post-its. Während hier gleich das Interview beginnt, stellen eine Etage tiefer junge Gründer ihre innovativen Geschäftsideen vor.

Willkommen in der Welt der traditionsreichen Unternehmensgruppe Richard Borek – dem ältesten inhabergeführten Versandhaus Deutschlands und des weltweit bedeutendsten Unternehmens für den Handel von Briefmarken, Münzen und Medaillen. Über 550 Mitarbeiter wagen hier den Spagat zwischen goldener Vergangenheit und ungewisser digitaler Zukunft. Während die Richards vor ihm klassisch analog skaliert haben, muss sich der 40-Jährige neuen digitalen Herausforderungen und die Weichen für eine internationale Expansion stellen. Im Mittelpunkt steht der Kunde, wie ein Schild im Fenster des Büros verrät: „Regel 1: Der Kunde hat immer recht. Regel 2: Hat der Kunde nicht recht, gilt Regel 1“. Wir sprachen mit Richard Borek IV über die 125-jährige Firmengeschichte, Schönheit auf den zweiten Blick und Menschen, die für eine Briefmarke 125.000 Euro ausgeben.

Herr Borek jr., Sie führen mittlerweile die Unternehmensgruppe Richard Borek. Wie sieht Ihr Werdegang aus und wann sind Sie aktiv in die Firma eingetreten?

Ich habe bereits mit 18 Jahren ein internationales betriebswirtschaftliches Studium mit Doppelabschluss an der FH Münster und einer Universität in England begonnen. Das zweisprachige European Business Programme habe ich im Jahr 2000 mit 22 Jahren abgeschlossen. Integriert war ein Praktikum, das ich bei Conrad Electronic absolviert habe. Dort habe ich 1999 auch meine Diplomarbeit über „Das virtuelle Versandhaus im Internet“ geschrieben.

Der Titel klingt wie eine Blaupause für den Digitalisierungsprozess, den Sie in Ihrem Unternehmen vorantreiben …

Es war eher Zufall. Eigentlich wollte ich bei Pixelpark, einer der damals angesagtesten Unternehmensgruppen für Kommunikations- und E-Business-Lösungen mit Sitz in Berlin, arbeiten. Doch Conrad hat mich überzeugt, dort weiterzumachen. Als ich 2002 aufhörte, war ich als Director Online Marketing und E-Commerce für den gesamten Online-Bereich der Unternehmensgruppe verantwortlich.

War damals schon klar, dass Sie irgendwann in das Familienunternehmen eintreten?

Nein, das war völlig offen. Mein Vater hielt mein Studium zunächst nicht für das Richtige, aber ich wollte meinen eigenen Wegbeschreiten. Man wird nicht glücklich, wenn man anderen einen Gefallen tut …

… und doch wussten Sie ja, dass es die Option gibt …

Natürlich. Mir war klar, dass ich ein doppeltes Netz habe und auf Risiko spielen kann. Durch meine Arbeit bei Conrad habe ich meine Passion für den Versandhandel, E-Commerce und Direktvertrieb entdeckt. Dort hat man mir schnell viel Verantwortung übertragen – und dementsprechend viel habe ich gearbeitet und gelernt. Anschließend habe ich noch ein einjähriges Masterstudium in Financial Management in Glasgow drangehängt und schließlich 2003 in Madrid bei Doocollet.com den Versandhandel im Abobereich aufgebaut. Danach bin ich zu CS Design nach Peking gegangen, um den chinesischen Markt, die Kultur und Netzwerke kennenzulernen. Das war mir wichtig.

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