Der Stimme Flügel verleihen

Dr. Monika Hein, Rednerin, Trainerin und Sprecherin, im Interview

Foto: Monika Hein/Ingo Fiss

Frau Dr. Hein, wie würden Sie Ihre Stimme beschreiben?

Ich habe für eine Frau eine recht tiefe Stimme, singe auch eher Alt im Chor. Beim Sprechen würde ich sie als warm und angenehm beschreiben. Zumindest fühlt sie sich so an!

Was reizt Sie allgemein am Thema Sprache?

Oh, Sprache ist ein Wunderwerk, Stimme ebenfalls. In einer guten Kombination beider lassen sich die Dinge verändern und gestalten. Sprache baut Brücken zwischen Menschen. Sprache kann Beziehungen aufbauen und andererseits natürlich auch stören und ganz zerstören, je nachdem, welchen Ton man trifft. Das hängt sehr von der Denkweise und der Wahrnehmung des Einzelnen ab. Was mich reizt, ist, diese Zwischentöne zu übersetzen und zu verstehen, wie Menschen ticken. Ich denke, man kann über schier alles reden und auch Einigungen erzielen, wo man es erst nicht für möglich hielt. Das ist ein schönes Gefühl. Mein Vater sagte einst zu mir, da war ich noch ganz jung, dass er es bewundere, wie klar ich alles anspräche. Das hat mich begleitet, ein klares, ehrliches Wort bedeutet mir sehr viel.

Wie kann man seine Stimme verbessern?

Vor allem dadurch, dass man sie zu entspannen lernt und den Körper als sein eigenes, individuelles Instrument begreift. Jeder Mensch kann seine Stimme entspannen und dadurch sich selbst und dem anderen ein Signal übermitteln: Alles ist gut. Ein sanfter Ton kann schlimme Konflikte entwirren. Diese wundervolle Funktion der Stimme setzt allerdings eine innere Entscheidung voraus: Ich muss mir der Wirkung bewusst sein, und ich muss den Ton ändern wollen. Ich muss bereit sein, über meine eigenen emotionalen Zustand hinweg zu sehen und meine Stimme bewusst zu lenken. So kann ich die Stimmung mit meiner Stimme verändern. Wenn Emotionen die Stimme lenken, sind wir zwar im weitesten Sinne authentisch, aber eben ungesteuert.

Was verrät Ihnen die Stimme Ihres Gegenübers?

Wenn ich jemanden gut kenne, kann ich Emotionen erkennen. Bei Freunden sind wir „kalibiert“. Ich weiß binnen Sekunden, wie es einer guten Freundin oder meiner Tochter geht. Bei Fremden ist das schwieriger, denn die Stimme ist eine Kombination aus Gewohnheit und Emotion. Gewohnheiten stellen sich zum Beispiel durch familiäre Muster ein. Wenn die Familie laut und poltrig spricht, dann gewöhne ich mir das auch an – es heißt noch nicht, dass ich mich aufrege oder wütend bin – ich klinge dann eben laut. Manchen Menschen ist das nicht so bewusst, dann kann man sich auf den Weg machen, seine Stimme kennen zu lernen.

Wie setzt man seine Stimme bestmöglich ein?

Der Situation angemessen. Dafür brauche ich ein gutes Einfühlungsvermögen. Ich muss in der Lage sein, zu erkennen, welcher Ton die Situation jetzt besser macht. Es kann sein, dass ich meine Stimme sogar mal monoton und leise führen muss, um diplomatisch zu sprechen. Oder aber ich möchte Menschen motivieren: Dann sind eine stärkere Melodie und kräftige Akzente angemessen. Wenn ich weiß, was meine Stimme alles kann, dann kann ich sie auch zielführend einsetzen und flexibel damit umgehen.

Was ist für Sie die perfekte Stimme?

Die, die mich im Herzen berührt. Perfektion gibt es zum Glück nicht, auch nicht bei der Stimme.

Wann hat es Ihnen schon mal die „Sprache verschlagen“?

Ach, schon öfter. Vor allem dann, wenn Menschen grob antworten oder in Schwächen herum bohren. Dann fällt mir oft nicht sofort etwas ein, was ich sagen kann. Aber ich arbeite daran, dann selbst den richtigen Ton zu finden.

Was tun Sie, wenn Ihnen mal die Stimme versagt?

Je nachdem, wie schlimm es ist – Stimmruhe, Druck raus, Tee trinken und abwarten …

Die Referentin

Sie ist die Lautmacherin, die Expertin für Sprechen mit Herz und die Ratgeberin für genussvolles Sprechen. Dr. Monika Hein hat ein Musical-Studium an der Stage School Hamburg absolviert, an der Universität Hamburg das Fach Phonetik studiert und dort zum Thema Atmung promoviert. Sie ist Sprachtherapeutin und seit dem Jahr 2004 selbständig als Rednerin, Trainerin, Coach und Sprecherin tätig. Heilpraktikerin Psychotherapie und Autorin des Buchs „Empathie“ ist sie zudem auch noch.

Der Vortrag

In ihrem Vortrag »Der Ton macht die Musik: empathisch sprechen« erklärt Dr. Monika Hein den bewussten Umgang mit Atem, Stimme, Aussprache und Artikulation. Sie verrät, wie man durch Empathie seiner Stimme Flügel verleiht und dadurch Druck aus den Gesprächen nimmt. Mit diesem interaktiven Vortrag lernt man seine Stimme nutzbringend einzusetzen und mehr als nur schön klingen zu lassen.

www.monikahein.de

Dr. Monika Hein
Der Ton macht die Musik: empathisch sprechen
Mittwoch, 21. August 2019, 19 Uhr im Forum Medienhaus

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