„Lasst uns unsere kommunikative Kraft zusammenlegen“ - Standort38
23. Mai 2019
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„Lasst uns unsere kommunikative Kraft zusammenlegen“

Claudius Colsman, Mitglied der Geschäftsführung der Autostadt, hielt den Impulsvortrag beim zweiten HarzForum- Zukunft. Wir haben am Rande der Netzwerkveranstaltung in Bad Harzburg nachgefragt – ob die Autostadt zugleich Forum und Marketinginstrument sein kann, welche Rolle zukünftig Hafen 1 spielen wird und was die Sparzwänge im Konzern für die Besucher bedeuten …

Foto: Holger Isermann

Herr Colsman, was ist die Autostadt eigentlich: Ein Science Center, ein Familien-Freizeitpark, ein Campus oder vor allem das clevere Marketinginstrument eines Automobilbauers?

Sie haben die Facetten schon ganz gut beschrieben. Unsere wesentliche Rolle ist die als Kommunikationsplattform des Volkswagen Konzerns – und das als Erlebnispark rund um Mobilität und Gesellschaft. Die Themen, die sich darunter auffächern, sind vielfältig und reichen von der Ausstellung der Konzernmarken bis zu mobilen Zukunftsvisionen. Uns macht die Mischung aus – die wir auf 28 Hektar präsentieren.

Es gibt andere große Automobilhersteller. Wie einmalig ist Ihr Angebot weltweit?

Absolut einmalig. Weder in der Größe noch bei der Themenvielfalt gibt es irgendwo auf der Welt vergleichbare Einrichtungen. Dazu kommt unser Herzstück: Mit rund 150.000 Autos pro Jahr sind wir auch das größte Fahrzeugauslieferungszentrum weltweit.

Bekommen die Mitbewerber es nicht hin oder wollen sie vielleicht gar nicht?

Das Momentum, das man bei Volkswagen in den 90er-Jahren genutzt hat, als Erlebnisparks in dieser Form aufkamen, haben andere Hersteller letztendlich verstreichen lassen. Vergleichbares heute zu reproduzieren, wird wahrscheinlich schon aus finanziellen Gründen nicht mehr möglich sein. Spannende und interessante Markenmuseen gibt es aber im Süden Deutschlands mittlerweile schon.

Seit der Eröffnung sind mehr als 40 Millionen Gäste gekommen. Klopfen Sie sich intern auf die Schulter oder haben Sie noch ambitioniertere Wachstumsziele?

Wir werden in Zukunft unseren Fokus nicht in erster Linie auf die Anzahl der Besucher, sondern darauf richten, was sie bei uns erleben und wie sie später als Multiplikatoren wirken. Deshalb werden wir sehr stark an der Aufenthaltsqualität arbeiten und noch mehr Geschichten aus dem Konzern erzählen, der sich gerade besonders stark wandelt. Hier werden natürlich Zukunftsfragen rund um unsere Mobilität eine große Rolle spielen.

Sie haben es angesprochen: Der Volkswagen Konzern versucht sich gerade neu zu erfinden. Inwieweit müssen Sie mitziehen?

Zunächst einmal hat ein gesellschaftlicher Wandel stattgefunden und in Paris hat man sich 2015 auf Klimaziele geeinigt, zu denen sich auch Volkswagen heute bekennt. Wenn Sie dieses Zwei-Grad-Ziel in CO2-Äquivalente umrechnen, bedeutet dies letztendlich, dass wir 2050 eine CO2-freie Gesellschaft haben. Diese große und wichtige Herausforderung für uns alle hat auch die Sichtweise des Volkswagen Konzerns auf die eigenen Produkte verändert.

Die Zukunft von VW ist elektrisch?

Bis 2050 werden wir auch noch neue Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor auf unseren Straßen haben, Bestandsfahrzeuge natürlich auch. Es wird keinen Wandel von heute auf morgen geben können. Aber wir müssen jetzt die Weichen stellen und das Auto plakativ gesagt zu einem nachhaltigen Mobiltelefon auf Rädern machen. Das Ziel ist es, Fahrzeuge mit neuen Möglichkeiten und Erlebnissen zu realisieren, die unsere hergebrachten Vorstellungen von Pferdestärken und Benzingeruch ablösen.

Kann die Autostadt zugleich eine neutrale und ergebnisoffene Kommunikationsplattform und ein Marketinginstrument sein?

Ja, das kann sie und sie hat es seit ihrer Eröffnung auch immer wieder unter Beweis gestellt. Wir waren stets ein Ort des Dialoges, haben z. B. bereits 2009 eine Nachhaltigkeitsausstellung mit dem Namen Level Green gestartet, die sich mit unserem persönlichen CO2-Footprint und den Folgen unseres Handelns befasst. Damals war das Thema längst noch nicht so stark auf der Agenda wie heute. Insofern bin ich überzeugt, dass die Autostadt diese von Ihnen beschriebene Ambivalenz meistert – ohne, dass unsere Funktion für den Konzern dahinter zurückstünde.

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