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12. April 2016
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2016 wird ein gutes, aber anstrengendes Jahr (3/3)

Olaf Kahle, Präsident der IHK Lüneburg-Wolfsburg, über das Kammer-Jubiläum, die Abgas-Affäre und den Wandel vom Arbeits- zum Bewerbermarkt

Olaf Kahle sieht die Flüchtlingsintegration als Chance, aber auch als große Herausforderung. (Foto: Holger Isermann)


Woran hapert es bei der Umsetzung?

Wir sind in der ganz finalen Phase und für alle Projekte sieht es außerordentlich gut aus. Wir machen viele politische Veranstaltungen zusammen mit der IHK Braunschweig, um den Politikern zu vermitteln, wie wichtig diese Infrastrukturprojekte sind. Ich hoffe die Umsetzung erfolgt so zügig wie möglich.


Was erwarten Sie vom Wirtschaftsjahr 2016. Aktuelle Umfragen in der Region zeigen zufriedene, aber hinsichtlich der Zukunft auch besorgte Unternehmer?

2016 wird ein gutes aber anstrengendes Jahr, das nicht nur Gewinner hervorbringen wird. Gerade der Mittelstand in Wolfsburg leidet unter der VW-Affäre.


Wie groß ist die Dominanz der Volkswagen AG in der Region?

Der Konzern ist in jederlei Hinsicht der Treiber, nicht nur hier in Wolfsburg, sondern weit über die Region hinaus. An Volkswagen richtet sich alles aus.


TU-Präsident Hesselbach hat im Standort38-Interview gesagt, VW sei Segen und Risiko zugleich. Stimmen Sie zu?

Das würde ich auf jeden Fall sofort unterschreiben. Es gibt keine Alternative zu VW und klar das ist immer ein Risiko. Aber ich denke, es wird sich trotz der gegenwärtigen Krise an der Attraktivität und der Kraft der Region nichts verändern, da VW der größte Arbeitgeber bleiben wird und viele Impulse von hier ausgehen werden.


Wie zufrieden sind Sie mit dem Krisenmanagement der Volkswagen AG?

Da sind wir bei der Industrie- und Handelskammer viel zu weit entfernt, um ein Urteil abgeben zu können. Ich nehme das wahr, was ich in der Zeitung lese und darauf möchte ich keine Meinung stützen.


Aber auch Volkswagen ist IHK-Mitglied. Hat man Sie um Hilfe gebeten?

Man muss da realistisch sein, denn VW ist ein riesiger Konzern und die kleine IHK Lüneburg-Wolfsburg wird in der Krise nie der erste Ansprechpartner sein. Aber bei regionalen Themen gibt es einen tollen Kontakt und Unterstützung. Volkswagen ist immerhin nicht nur Mitglied, sondern auch regelmäßig im Präsidium vertreten.


Sie spielen auf die Mitgliedschaft von Ferdinand Wachs im Präsidium an?

Ja, das zeigt, welche Bedeutung VW dem IHK-Präsidium beimisst. Indem man jemanden entsendet, dessen Stimme im Konzern Gewicht hat.


Wie ist Ihre ökonomische Sicht auf die aktuelle Flüchtlingsdebatte?

Sie ist eine Chance. Wir können die Menschen integrieren und die Gesellschaft offener und multikultureller gestalten. Natürlich ist das Thema auch eine wahnsinnige Herausforderung, aber ich bin optimistisch, wenn nicht jedes Jahr eine Million neue Menschen dazukommen.


Laut Arbeitsagentur liegt ein Fachkräftemangel schon vor, wenn es nicht mehr als drei Bewerber auf eine Stelle gibt. In welchen Branchen in der Region sind fehlende Mitarbeiter denn tatsächlich ein Wachstumshemmnis für die Unternehmen?

Wir haben Probleme in der Gastronomie und in Berufen aus dem Bereich der Hochtechnologie. Viele Unternehmen finden außerdem keine Auszubildenden.


Viele haben heute soziale Defizite. Was genau fehlt den Auszubildenden denn?

Eigenverantwortung und -motivation sind ein großes Thema. Immer mehr junge Menschen entscheiden, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen, erst deutlich später. Firmen müssen sich Gedanken machen, wie sie die Arbeitswelt neu gestalten können, da die neuen Generationen andere Prioritäten setzen.


Letzte Frage: was machen Sie, wenn Sie nicht als IHK-Präsident unterwegs sind?

Ich betreibe ein Bildungsunternehmen mit Personalberatung und eine private Hochschule in Walsrode. Aber ich sehe das nicht als Arbeit. Alles, was ich mache ist für mich pures Vergnügen.

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