1. Januar 2014
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Konkurrenz auf Lummerland (4/5)

Das Regionalbahnkonzept 2014+ kommt ins Rollen

Der "Heidesprinter" erixx gehört zur italienischen Staatsbahn (Foto: Privat)

Ein Sieger im Schienen-Wettbewerb steht in jedem Fall bereits fest: der Kunde. Die Fahrpläne werden bei den neuen Betreibern dichter, auf fast allen Strecken können fortan Stunden- oder Zweistundentakte angeboten werden – von bis zu zehn Prozent mehr Verkehrsleistung spricht der ZGB: "Für den erforderlichen Stundentakt auf allen Strecken benötigt der ZGB allerdings künftig mehr Mittel vom Land, das für die Finanzierung zuständig ist", appelliert Brandes.

Schon jetzt mit einem Stundentakt ausgestattet werden können hingegen die vielgenutzten und derzeit noch oft überfüllten Pendlerstrecken von Wolfsburg – Braunschweig und Wolfsburg – Hannover, welche insbesondere für die Mitarbeiter von VW eine zentrale Bedeutung besitzen: Die Strecke nach Braunschweig wird im Dezember 2015 um eine umsteigefreie Verbindung in Richtung Hildesheim verlängert und soll, wie auch die Hannover-Route, stündlich innerhalb der Woche befahren werden, Verstärkerfahrten in den Stoßzeiten inklusive. Am Wochenende verkehrt ein Zweistundentakt, welcher das aktuelle Angebot jedoch deutlich erweitert.

Doch das ist noch nicht alles: Über die im Jahr 2012 vom Zweckverband gegründete Tochterfirma Regionalbahnfahrzeuge Großraum Braunschweig GmbH (RGB) hat der Verband erstmals in seiner Geschichte selbst in den Bau von Zügen investiert: 20 neue Elektrotriebzüge im Wert von 106 Millionen Euro hat die RGB beim Hersteller Alstom in Salzgitter bestellt, welche nach ihrer Fertigstellung ab Dezember 2015 jeweils zwischen Wolfsburg – Braunschweig – Hildesheim sowie Wolfsburg – Hannover fahren werden. Jeder Triebzug des Typs "Coradia Continental" verfügt über eine Gesamtkapazität von 445 Plätzen, wobei mehrere Züge zusammengekoppelt werden können – die Kapazität auf der Stecke wird sich also deutlich erhöhen. Für Verbandsdirektor Brandes auch ein Schritt zu mehr Wettbewerb: "Für private Bahnunternehmen ist es ein großer finanzieller Kraftakt, zunächst Züge für über 100 Millionen Euro beschaffen zu müssen, bevor sie sich um ein solches Netz bewerben können. Deshalb haben wir die RGB gegründet und die Züge finanziert und beschafft. Der zukünftige Betreiber der Strecke muss die Züge nun nicht mehr selbst bereitstellen."

Das Geld für die Finanzierung der neuen Züge sammelte der Zweckverband aus den Töpfen des Landes, zur Unterzeichnung der Kaufverträge waren eigens der damalige Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und der ehemalige Ministerpräsident Niedersachsens, David McAllister, nach Salzgitter gereist. Denn der Kauf der neuen Züge hat weitreichende Folgen: Nicht nur, dass die Fertigstellung dem Unternehmen Alstom einen Millionenauftrag einbrachte – der Zughersteller verpflichtet sich auch, die Züge in den kommenden 20 Jahren zu warten: "Wir denken, dass niemand die Fahrzeuge so gut kennt wie der Hersteller", betont Brandes.

Für diese langfristige Aufgabe baut Alstom die Wartungsanlagen am Braunschweiger Hauptbahnhof zu einem "Kompetenzzentrum für die Instandhaltung von Personentriebzügen und E-Loks" nach europäischem Standard aus. Jörg Vogeley, Werksleiter Alstom Transport in Braunschweig, erklärt: "Die Gesamtinvestitionen für den Standort belaufen sich auf eine Größenordnung im zweistelligen Millionenbereich. Dadurch werden auch neue Arbeitspltze geschaffen."

Es ist eine Art All-Inklusive-Paket, welches der Zweckverband für diese Strecken fortan zur Verfügung stellt – einzig fehlt es noch an einem Betreiber. Die Ausschreibungen hierzu laufen bis zum März dieses Jahres.

Doch auch der erixx und die Westfalenbahn werden ihre Strecken mit modernen Zügen befahren: Die blau-gelben erixx-Züge vom Typ "LINT 54" besitzen pro Triebwagen eine Kapazität von 341 Plätzen und je nach Strecke und Länge der Bahnhofsbahnsteige können beliebig viele Triebwagen zusammengekoppelt werden. Und die Westfalenbahn, zuständig für die ebenfalls belebte Route zwischen Braunschweig und Hannover, investiert in komplett neuartige Verkehrsmittel: Die Doppelstücke des Typs "KISS", hergestellt von Stadler, verkehren bisher nicht in Deutschland und werden mit 1.470 Gesamtplätzen eine höhere Kapazität aufweisen als die bisherigen Wagen der DB Regio Nord.

 

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