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11. Mai 2016
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Mittelzentrum des Landes (2/6)

Gifhorn ist eine der wirtschaftlich stärksten Regionen Niedersachsens

Thomas Fast, Leiter der Direktion Gifhorn bei der Volksbank BraWo, sieht VW als Chance und Risiko. (Foto: Privat)

Auch mit anderen Angeboten überzeugt das Unternehmen seine Angestellten. „Mitarbeiterbindung gelingt uns durch interessante Aufgaben, flexible Arbeitszeiten und Orte wo es möglich ist und keine Service-Zeiten eingehalten werden müssen , attraktive Vergütungsmodelle und diverse Mitarbeiter-Benefits“, erläutert Bley. Als Beispiele für letzteren Punkt nennt sie Mitarbeiterevents, Massagegutscheine und eine unternehmensunterstützte Kita am Standort Gifhorn. Möglichst eigene Fachkräfte will H&D durch interne Weiterbildung aufbauen. Denn: „Recruiting von Fachkräften ist ähnlich herausfordernd wie in den letzten Jahren, da im IT-Dienstleistungsbereich schon seit einiger Zeit eine Verknappung vorhanden ist“, weiß Bley. Die Herausforderung sei vor allem, Spezialisten zu finden. „Nicht jede Fachkraft ist auch Spezialist.“

Nicht nur die Volkswagen-Affäre wirkt sich auf die Region aus, sondern auch Entscheidungen anderer Autobauer. So war die Continental Teves AG & Co. OHG bis vor wenigen Jahren der größte Arbeitgeber Gifhorns. Hier werden hauptsächlich Bremssysteme und Elektromotoren gefertigt. Letztere produzierten die Mitarbeiter etwa für Renault. Doch der Vertrag mit dem französischen Autobauer lief zum Jahreswechsel aus. Zudem will der Konzern die Produktion von Bremszylindern in den nächsten Jahren nach Osteuropa verlegen. Und so wird der Standort weiter schrumpfen. „Eine schrittweise Reduzierung von heute 1.465 Arbeitsplätzen auf 900 ist bis zum Jahr 2020 notwendig, um den Standort zu erhalten“, teilt Unternehmenssprecherin Nicole Orgnon mit. „Eine weitere Reduzierung auf 800 Arbeitsplätze ist bis 2023 erforderlich.“ Über neun Monate führten die Seiten von Arbeitnehmern und -gebern teils hitzige Gespräche, um über die Zukunft und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Gifhorn zu beraten. Und aktuell werde laut Orgnon über eine „mögliche Arbeitszeitreduzierung“ gesprochen. Jedoch: “ Continental hat zugesagt, 100 Millionen Euro innerhalb der nächsten sechs Jahre in den Standort Gifhorn investieren zu wollen“, sagt die Sprecherin.

Das Werk dürfte dann eine Zukunft haben, blickt es doch bereits auf fast sechs Jahrzehnte zurück. Andere Betriebe geben an, dass sie rund um den Abgasskandal keine Auswirkungen wahrnehmen. So sagt etwa der Unternehmer Herrmann Butting: „Wir sind als Arbeitgeber eher noch attraktiver geworden.“ Vorsichtig formuliert auch Gerhard Döpkens, Vorsitzender des Vorstandes der Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg: „Wir merken, dass erste Auswirkungen der Abgasaffäre langsam hier und da bei den Unternehmen spürbar werden. Wir beobachten das bislang aber eher als leise Entwicklung.“ Unternehmer in Gifhorn seien aufmerksam, von gravierenden Folgen könne jedenfalls noch nicht die Rede sein. „Bemerkenswert ist, dass wir uns hier in der Region auf einem sehr hohen wirtschaftlichen Niveau bewegen. Unsere Planungen und Aktivitäten beeinflusst der Abgasskandal zurzeit nicht“, so Döpkens. Gifhorns wirtschaftliche Entwicklung sieht er grundsätzlich positiv und verweist auf die geringe Arbeitslosenquote sowie den überdurchschnittlich hohen Kaufkraft-Index von 103,6 Punkten. Denn ganz so einseitig auf den Automobil-Sektor ist die Wirtschaft in Gifhorn doch nicht ausgerichtet. Beim zweiten Blick zeigt sich eine unternehmerische Vielfalt. Zahlreiche Hidden Champions und weltweit operierende Unternehmen haben ihren Sitz in der Region. Die Stadt Gifhorn und umliegende Gemeinden erfahren zudem einen Boom beim Wohnungsbau.

 

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Mittelzentrum des Landes – Gifhorn ist eine der wirtschaftlich stärksten Regionen Niedersachsens (3/6)

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