Von steinzeitlichen Speeren zu hochmodernen Panzerungen (2/5)

Helmstedt, das geografische Zentrum Deutschlands, hat viele innovative Unternehmen, die Arbeitskräfte suchen

Einer der größten und bedeutendsten Grenzübergänge von 1945 1990: HelmstedtMarienborn.

Der größte Arbeitgeber des Landkreises Helmstedt stammt nicht etwa aus der Industrie oder der Landwirtschaft, sondern aus der Gesundheitsbranche: Das AWO Psychiatriezentrum (APZ) in Königslutter beschäftigt mehr als 1.000 Mitarbeiter und bietet rund 100 Ausbildungsplätze in Pflege, Handwerk und Verwaltung. „Wir sind in der Region in den vergangenen Jahren sogar ein Jobmotor gewesen. Mehr als 250 Vollzeitstellen konnten neu geschaffen werden“, berichtet Thomas Zauritz, Geschäftsführer des Zentrums. Zudem sei das APZ ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region. „Jedes Jahr setzen wir zwischen zwei bis drei Millionen Euro im Landkreis um, bei größeren Baumaßnahmen kann die Summe auch deutlich höher sein. Gut die Hälfte davon bleibt direkt in Königslutter“, so Zauritz. Davon profitiere beispielsweise die örtliche Wirtschaft. „Auch unsere Patienten geben Geld in der Stadt aus. Wenn 500 Patienten am Tag jeweils drei Euro in der Stadt ausgeben, ist das etwa eine halbe Million Euro Umsatz für den Einzelhandel. Hinzu kommt die Kaufkraft der Mitarbeiter selbst, denn ein Großteil unserer Mitarbeiter wohnt in Königslutter beziehungsweise im Landkreis Helmstedt“, erläutert Zauritz den Wirtschaftsfaktor Psychiatrie.

Als Arbeitgeber betrifft das APZ auch der Fachkräftemangel. „Es wird immer schwieriger, die Stellen adäquat zu besetzen“, bestätigt Zauritz. Sein Haus bemühe sich verstärkt um Nachwuchs. „Ein Vorteil ist sicher, dass Fachkräfte hier eine Menge bewirken und sich aufgrund der ausgeprägten Spezialisierung selbst verwirklichen können. Wir wollen als fachlich hoch qualifizierter Gesundheitsdienstleister wahrgenommen werden. Das bedeutet auch, dass wir viel Geld in Fort- und Weiterbildung investieren. Wir bilden selbst Fachkräfte aus, um dem Mangel entgegenzuwirken“, erläutert der Geschäftsführer. „Wir bemühen uns, der beste Arbeitgeber im Gesundheitswesen in der Region zu werden“, lautet sein Anspruch. Rund 7.500 Patienten versorgt das Krankenhaus pro Jahr auf mehr als 30 Stationen. Die Kunden stammen aus Braunschweig und Wolfsburg sowie den Landkreisen Helmstedt, Gifhorn, Peine und Wolfenbüttel. „Wir sind immer voll ausgelastet“, so Zauritz. In den Kliniken werden Menschen mit den unterschiedlichsten psychischen Erkrankungen und Problemen behandelt. Dass solche Erkrankungen durch die moderne Arbeitswelt zugenommen haben, kann Zauritz nicht bestätigen, eine Zunahme bei den Behandlungen aber schon. „Bereits früher waren Depressionen sehr häufig, nur wurde weniger darüber gesprochen. Die Steigerung der Behandlungszahlen ist zunächst einmal positiv zu sehen. Denn: Die Zunahme der Zahl der Depressionsdiagnosen in den Statistiken der Rentenversicherungsträger und der Kassen ist darauf zurückzuführen, dass sich zum einen mehr Menschen in den vergangenen Jahrzehnten Hilfe holen als früher und zum anderen Depressionen besser erkannt werden und sich nicht mehr so häufig hinter Ausweichdiagnosen wie chronischem Rückenschmerz, Fibromyalgie oder chronischem Kopfschmerz verstecken“, sagt der Experte. Der Burnout sei zudem keine medizinische Diagnose. „Dahinter versteckt sich aber oft eine Depression. Doch Burnout klingt einfach besser, da es mit der Erschöpfung aufgrund einer starken Belastung im Beruf verbunden wird. Das wird in unserer heutigen Leistungsgesellschaft einfach eher akzeptiert, man ist eher bereit, sich behandeln zu lassen.“

 

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