Von steinzeitlichen Speeren zu hochmodernen Panzerungen (4/5)

Helmstedt, das geografische Zentrum Deutschlands, hat viele innovative Unternehmen, die Arbeitskräfte suchen

Neues Bürogebäude der Sport-Thieme GmbH in Grasleben. (Foto: Sport-Thieme GmbH)

Inzwischen sind die Entwicklung und die Produktion der Panzerungen für alle möglichen Fahrzeuge das Kerngeschäft des Unternehmens aus dem Kreis Helmstedt. Dabei setzt der Betrieb immer häufiger auf KompositWerkstoffe aus Keramik und Faserverbundstoffen. „Im Vergleich zum Panzerstahl lässt sich damit das Gewicht um 50 Prozent senken. Die Eigenschaften sind aber ähnlich“, schildert Vahldiek. Ein großer Vorteil der künftigen Königslutteraner: „Wir produzieren Schutzsysteme unabhängig vom Fahrzeughersteller.“ Europaweit gebe es in der Hinsicht nur zwei Mitbewerber. Auch ein Grund, warum die Produkte aus dem Kreis Helmstedt weltweit nachgefragt sind. „Wir verbauen Panzerungskits beispielsweise in japanischen Hubschraubern“, erzählt Vahldiek. Dazu würden einige seiner 18 Mitarbeiter zum Kunden fliegen und dort Maß nehmen. Anschließend werden die Kits mit gewaltigen Pressen in der Firma auf 2.800 Quadratmeter Produktionsfläche in Königslutter hergestellt. Dann geht es wieder zurück nach Japan, wo die Produkte eingebaut werden. Fachkräfte zu finden, gestalte sich für ihn auch des abgelegenen Standorts wegen teilweise schwierig. Neue Mitarbeiter würden bei ihm manchmal bis zu zwei Jahre Einfindungszeit benötigen. „Es ist wie eine zweite Ausbildung zum Ballistiker“, sagt er. Außerdem so betont Vahldiek: „Unsere Branche bietet ein interessantes Tätigkeitsfeld mit viel Abwechslung. Und wo kann man sonst regelmäßig auf Sachen schießen?“, fragt der Unternehmer mit Hinblick auf die Tatsache, dass er mit seinen Mitarbeitern die Qualität der Produkte selbst überprüft.

 

Im 18. Jahrhundert lebten fast 90 Prozent der Bevölkerung im Landkreis Helmstedt vom Ackerbau und der Viehzucht. Auch heute ist die Region weitgehend ländlich geprägt. Ein langjähriges Unternehmen in der Agrar-Branche ist Eckhardt Land- und Gerätetechnik. Seit 1952 vertreiben die Familien Eckhardt und Ohrmann verschiedene Maschinen, Geräte für Land- und Forstwirte sowie Gartenbesitzer in Helmstedt. Robert Eckhardt senior gründete das Unternehmen in Helmstedt, da es dort noch keine Konkurrenz gab. „Nachteil war die Zonengrenzlage“, erklärt Geschäftsführer Robert Eckhardt. Doch dieser eigentliche Nachteil entwickelte sich nach dem Fall der Mauer zu einem Vorteil. Das Geschäft wuchs stetig und viele Mitarbeiter aus den neuen Bundesländern kamen hinzu. Im Laufe der Zeit eröffnete der Maschinenhandel zwei Filialen in Ohrum und Vorsfelde. „Zudem ist Helmstedt als Schnittstelle zwischen den Großstädten Braunschweig und Magdeburg ideal für uns“, berichtet er.

 

Aktuell beschäftigt das Unternehmen 40 Mitarbeiter. In den vergangenen Jahren gab es viele Umbrüche in der Landwirtschaft. „Heute ist unser Werkzeug zum Reparieren von Maschinen nicht mehr der Schraubenschlüssel, sondern der Computer“, stellt der Geschäftsführer die Entwicklung dar. Die Situation der Landwirte wirke sich auf den Betrieb aus. „Bei den schlechten Erzeugerpreisen investieren die Landwirte nicht so viel“, erklärt er. Seit Anfang des Jahres gehört die Eckhardt GmbH zur Volksbank Osterburg-Lüchow-Dannenberg-Unternehmensgruppe und Robert Eckhardt bleibt als angestellter Geschäftsführer erhalten. Die beiden Unternehmen blicken bereits auf eine langjährige Zusammenarbeit zurück. „Seit vielen Jahren steht fest, dass unsere Kinder nicht in unser Geschäft einsteigen werden. Daher haben wir seit längerem einen geeigneten Nachfolger gesucht. Diese Suche ist nun erfolgreich abgeschlossen. Wir haben unsere Geschäftsanteile verkauft“, erklärt Eckhardt. Doch für die Kunden werde sich nichts ändern.

 

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