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2. September 2016
uncategorized

„Wir möchten eine kleine Revolution aus Braunschweig heraus starten“ (3/4)

Sascha Köckeritz, Leiter der Braunschweiger Privatbank, über das veränderte Anlegerverhalten nach der Finanzkrise, die abnehmende Loyalität gegenüber Banken und Wertanlagen mit Lenkungsfunktion

An der Spitze und doch mittendrin: die Räumlichkeiten der Braunschweiger Privatbank bieten einen beeindruckenden Blick auf den BraWo-Park am Hauptbahnhof. (Foto: Holger Isermann)


Wie weit reicht Ihr Geschäftsgebiet?

Wir haben zurzeit eine Kundenstruktur mit 55 Prozent im regionalen Geschäftsgebiet der Volksbank BraWo und circa 40 Prozent im überregionalen, deutschlandweiten Bereich, wo sich Schwerpunkte im Raum Dortmund, Essen, Düsseldorf, Berlin, München und Hamburg gebildet haben. Teilweise folgen wir unseren Kunden auch ins Ausland oder gewinnen ausländische Kunden hinzu; das sind rund 5 Prozent.

Bis ins Jahr 2007 wollten die meisten Anleger Rendite- und Gewinnmaximierung erzielen – ohne über die Risiken nachzudenken. Was ist Ihren Kunden heute am wichtigsten? Diese Haltung hat sich komplett gedreht. Sehr viele Anleger sagen nun: Sicherheit kommt zuerst. Genauso wichtig ist für sie eine Vermögensentwicklung, die sich wieder auf reell erzielbare Renditen bezieht. Nur noch 7 Prozent wollen

besser abschneiden als der Markt. Die Auswirkungen der Finanzkrise auf das erarbeitete Vermögen und der schon besprochene Vertrauensverlust spiegeln sich im veränderten Anlegerverhalten wider. Das ist etwas, was sich im Denken wirklich festgesetzt hat.


Haben die Anleger Demut gelernt?

Demut ist ein bisschen zu tragisch, aber es wurden sehr viele negative Erfahrungswerte in der letzten Finanzkrise gemacht, bis hin zur Vernichtung von Kapital. Die Anleger sind deshalb deutlich vorsichtiger, kritischer und vor allem pragmatischer geworden. Sie setzen sich jetzt intensiver mit der Materie auseinander.


Was treibt Ihre Kunden vor allem an: Ist es die Angst um das eigene Vermögen oder sind sie sich auch ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst?

Die meisten Menschen wissen, dass Kapital auch Verantwortung mit sich bringt. Ein Unternehmer überweist nicht nur am ersten eines jeden Monats die Gehälter. Er unterstützt auch damit viele Familien. Ihn treibt um, dass er etwas für die gesundheitliche Erhaltung seiner Mitarbeiter tun muss, dass deren Kinder vernünftige Kindergärten oder Spielplätze brauchen, um nur einige Beispiele anzuführen. Daraus erwächst ein Bewusstsein, das sich auch in einem breiten sozialen Engagement  wiederfindet.


Haben die Wohlhabenden ein Image-Problem?

Das glaube ich nicht. Sehr viele machen das ganz bewusst und im Stillen. Für sie ist das eine Selbstverständlichkeit, wie mir viele Gespräche zeigen.


Ist es legitim zu fragen, ob das Vermögen in Deutschland gerecht verteilt ist?

Diese Frage kann man so nicht stellen, Gerechtigkeit ist und bleibt eine Utopie. Denn jeder Mensch hat einen individuellen Antrieb und persönliche Fähigkeiten, aus sich selbst und seinem Geld etwas zu machen. Der soziale Aspekt, der in diesem Begriff steckt, ist jedoch derzeit von großer Bedeutung. Denn das Niedrigzinsniveau vernichtet angespartes Geld, und zwar bei denen, die im besonderen Maße vielleicht später auf Zusatzeinkünfte angewiesen sind. Hier kann man viele Fragen stellen, die dazu führen, die Geldmarktpolitik der EZB zu hinterfragen.


Wo sehen Sie in den aktuellen Zeiten von Niedrig- und Negativzinsen nachhaltige Anlagechancen?

In vielen Bereichen. Wir bieten ein diversifiziertes Portfolio von Anlagen an, die wir mit qualifizierten und umfänglichen Konstanten und Einflussgrößen analysieren. Unsere Bewertungsfilter gehen so weit, dass wir auf Nachfrage hin sogar die Unternehmensführung, die Umweltverträglichkeit oder das Sozialengagement beleuchten. Genau solche Unternehmen sind wirtschaftlich kontinuierlicher und meist erfolgreicher. Insgesamt betrifft das Spektrum dabei Aktien, festverzinsliche Wertpapiere, Private-Equitiy-Anlagen,  Micro-Finance-Modelle, Immobilien und andere Anlageformen. Dabei wollen wir in guten Zeiten an der Entwicklung teilnehmen und in schlechten Zeiten nicht mehr verlieren als der Markt.


Das heißt, Sie als Banker vermitteln Ihren Kunden Werte?

Ja, denn mit echten Werten schützt man sich vor großen Ausschlägen, also Volatilitäten im Kapitalmarkt. Diesen Nachweis erbringen wir auch in Echtzahlen.

 

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"Wir möchten eine kleine Revolution aus Braunschweig heraus starten" – Sascha Köckeritz, Leiter der Braunschweiger Privatbank, über das  veränderte Anlegerverhalten nach der Finanzkrise, die abnehmende  Loyalität gegenüber Banken und Wertanlagen mit Lenkungsfunktion (4/4)

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