und
7. Dezember 2015
uncategorized

Wir verstehen uns als Lifestylemarke (5/5)

Paolo DellAntonio, Sprecher des Vorstandes der Mast-Jägermeister SE, im Interview

Das Abfüllwerk in Wolfenbüttel-Linden aus der Vogelperspektive. (Foto: Jägermeister)


Der Umweg über die Medien wird damit tendenziell überflüssig. Bedeutet das eine Neuerfindung des klassischen Marketings?

Davon bin ich überzeugt. Eine einseitige Berieselung wird die Konsumenten nicht dauerhaft zufrieden stellen. Hier müssen wir für einen Mehrwert sorgen und die Kommunikation völlig anders ausrichten. Dieser Transformationsprozess ist in vollem Gange. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass es immer noch Menschen gibt, die soziale Medien nicht sonderlich aktiv nutzen.


Seit 2006 vertreiben Sie auch den Wildfruchtlikör Schlehenfeuer. Warum wird dieser nicht offensiver vermarktet?

Unser Unternehmen hat als Essigfabrik begonnen und dann Wein aus Frankreich importiert und vertrieben. Danach ging es mit rund 30 verschiedenen Spirituosen weiter. Einer der großen Erfolge der 60er und 70er Jahre war die Fokussierung auf wenige Produkte. Man hat sich von vielen Marken verabschiedet, Schlehenfeuer ist übrig geblieben. Wir glauben, dass Jägermeister besser für den internationalen Markt geeignet ist, und sehen hier noch viel Potential.


Sie sind ein regionales Unternehmen, aber vor Ort kaum präsent. Warum engagieren Sie sich nicht stärker für die Region?

Wir haben am Standort in den vergangenen Jahren in die Hauptverwaltung und Produktionsanlagen 50 Millionen investiert, weitere 20 Millionen werden in den kommenden drei Jahren in die Infrastruktur der Produktions- und Abfüllstandorte in Wolfenbüttel folgen. Wir haben 20 Auszubildende und 9 Dualstudenten im Haus. Außerdem unterstützt die Curt-Mast-Jägermeister Stiftung, die unsere ehemalige Hauptaktionärin Annemarie Findel-Mast anlässlich des 125-jährigen Firmenbestehens gründete, viele Projekte im sozialen, kulturellen, Umwelt- und Sport-Bereich in Wolfenbüttel. Das ist schon ein starkes Zeichen für die Region.


Wie schwierig ist der Spagat zwischen einem familien- und einem managergeführten Unternehmen?

Das ist einer unserer ganz großen Vorteile. Wir bauen auf eine langfristige Entwicklung und keine kurzfristige Gewinnmaximierung und das ist auch das klare Bekenntnis der Eigentümerfamilie. Das gibt uns den nötigen Freiraum, unsere Strategie erfolgreich umzusetzen eine Strategie, die anders ist als die unserer börsennotierten Mitbewerber.


Ist Jägermeister ein Beweis dafür, dass eine eigentlich antiquierte Unternehmensform auch heute noch eine gute Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg sein kann?

Vor zehn Jahren wurde ich noch häufig gefragt, ob man das Unternehmen nicht durch Fremdkapital optimieren sollte. Heute sind diese Fragen deutlich verblasst. Wir können uns langfristig entwickeln unabhängig von kurzfristigen Markttrends und den Finanzmärkten. Das wäre bei einer börsennotierten Aktiengesellschaft in der Tat anders.


Das klingt nach viel Harmonie zwischen Eigentümern und Management…

Natürlich gibt es genug Familienunternehmen, die beispielsweise an Generationenwechseln gescheitert sind. Wir haben das Glück, dass dieser bei uns in den letzten Jahren im Sinne des Unternehmens erfolgt ist und Jägermeister eher noch vorangebracht hat.


Welche Vertreter der Familie Mast spielen aktuell noch eine Rolle bei Jägermeister?

Die Unternehmerfamilie ist mit zwei Mitgliedern im Aufsichtsrat vertreten. Insofern begleitet sie stark die Geschicke des Unternehmens und auch die langfristige Ausrichtung. Im operativen Geschäft ist kein Familienmitglied tätig.


Welche Zukunftspläne und Visionen haben Sie für das Unternehmen?

Jeden Tag noch mehr Menschen für das Produkt Jägermeister zu gewinnen.


Wann haben Sie das letzte Mal einen Jägermeister getrunken?

Vorgestern. Zu Hause mit Freunden.


Sie sind seit 2007 Sprecher des Vorstandes der Mast-Jägermeister SE. Was haben Sie in dieser Zeit bewegt?

Das ist keine Einzel-, sondern eine Teamleistung. 1998 hatte Jägermeister einen Absatzanteil von rund 45 Prozent im Ausland, heute haben wir knapp 80 Prozent. Wir lagen damals um Platz 30 in der Weltrangliste der größten Premium- Spirituosen. Heute belegen wir Platz 8. Es hat sich viel getan bei der Bedeutung und Größe des Unternehmens und darauf können wir alle stolz sein.


Was tun Sie, wenn Sie nicht arbeiten?

Die restliche Zeit verbringe ich mit meiner Familie, meinen zwei Kindern und mit Freunden. Ich laufe gern, spiele ein wenig Golf und interessiere mich für Wein.

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