Zucker ist ein Genussmittel (3/3) - Standort38
2. September 2013
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Zucker ist ein Genussmittel (3/3)

Hartwig Fuchs, Vorstandsvorsitzender der Nordzucker AG, im Interview

Gute Aussichten für die Nordzucker AG: "Die Zuckerproduktion wird weltweit weiter ansteigen." (Foto: Nordzucker AG)


Zuckerrüben lieben nährstoffreiche und tiefgründige Böden. Haben wir davon noch genug in der Region?

Ja, in unseren Anbauregionen, z.B. in der Magdeburger und Hildesheimer Börde und auch bis nach Dänemark und Polen, sind die Böden und weiteren ackerbaulichen Bedingungen hervorragend für den Rübenanbau. Wir arbeiten gemeinsam mit unseren Rübenbauern daran, dass die Rübe wichtiger Bestandteil in der Fruchtfolge bleibt. Mit einem speziell für den Rübenanbau zugeschnittenen Programm wollen wir den Hektarertrag weiter steigern. Auf lange Sicht hat sich gezeigt, dass die Zuckerrübe erheblich zum Betriebsergebnis auf den Höfen beitragen kann. Das soll so bleiben!


Die Zahl der Rübenanbauer ist in den letzten Jahren beständig zurückgegangen. Was sind die Gründe?

Seit vier Dekaden geht die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe zurück. Zugleich haben wir auch die Tendenz, dass die durchschnittliche Fläche, die ein Betrieb bewirtschaftet, steigt. Das ist ein allgemeiner Trend, den wir auch in der Rübenwirtschaft haben. Wir haben weniger Betriebe mit größeren Anbauflächen. Einen weiteren ganz wichtigen Punkt stellen die Effekte der Reform der Zuckermarktordnung in 2006 dar. Die Reduzierung der EU-Zuckerquote und niedrigere Quotenzuckerpreise führten sowohl zu Werkschließungen als auch zur Reduktion der Rübenanbaufläche. Zahlreiche Betriebe haben in dem Rahmen den Rübenanbau eingestellt.


Der Anteil der Zuckerrübe als Rohstoffquelle zur Gewinnung von Zucker ist weltweit in den vergangenen Jahrzehnten zurückgegangen. 2005/06 lag der Anteil von Zuckerrüben bei 26 % und von Zuckerrohr bei 74 %. Wie beurteilen Sie das?

Die Weltproduktion bestimmen Brasilien, Indien und Thailand, die klimatisch hervorragende Anbaubedingungen für Zuckerrohr haben. Ich glaube aber nicht, dass die Zuckerproduktion aus Rüben in Europa zurückgehen wird. Wie gesagt arbeiten wir intensiv daran, die Wettbewerbsfähigkeit der Zuckerrübe weiter zu steigern und so den Anbau in der EU zu sichern. Ganz klar ist auch: Die Zuckerproduktion wird weltweit weiter ansteigen und dieser Zugewinn wird überwiegend auf Zuckerrohr basieren.


Zucker und Gesundheit. Ist Zucker wirklich so gefährlich, wie oft behauptet wird?

Die zehn Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung beginnen mit der Empfehlung „Vielseitig essen Genießen Sie die Lebensmittelvielfalt“. Ich kritisiere das Eindimensionale: Ob Eier, Fleisch, Fett, Kohlenhydrate oder anderes irgendein Thema steht immer am medialen Pranger, oft mit zweifelhaften beziehungsweise tendenziösen Belegen. Mehr als die Hälfte der Nahrungsenergie sollte in Form von Kohlenhydraten aufgenommen werden. Diese sind in Brot und Nudeln genauso enthalten wie in zuckerhaltigen Getränken und Süßigkeiten. Kohlenhydrate sind als Energielieferanten lebensnotwendig. Allerdings führt zu viel Energiezufuhr bei zu wenig Bewegung zu Übergewicht. Hier setzen wir auf Aufklärung und Schulung, insbesondere junger Menschen.

Wir gehen mit dem Thema Zucker sehr offen um, wollen aber nicht belehren, sondern unterstützen. Zucker ist ein Genussmittel und ein essentieller Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung.

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