Appartements im Rittergut

Anna und Nikolaus von Veltheim stehen auf einer kleinen Brücke im Garten, die zu einer Art Insel führt. Diese ist aber noch zugewachsen. Foto: Kjell Sonnemann

Anna und Nikolaus von Veltheim stehen auf einer kleinen Brücke im Garten, die zu einer Art Insel führt. Diese ist aber noch zugewachsen. Foto: Kjell Sonnemann

Sie haben einen etwas gehobenen Anspruch und werden gut eingerichtet, teilweise mit schönen, alten Möbeln aus dem Haus“, erklärt Anna von Veltheim. Die Gäste können dann die gemeinsame Terrasse nutzen oder sich in einem Salon treffen. In den sogenannten Boarding Houses sollen zum Beispiel Manager, die hier in der Gegend vorübergehend zu tun haben, untergebracht werden. Die Stadt Wolfsburg mit dem Fahrzeughersteller Volkswagen und dessen Zulieferern ist nur eine 15-Minuten-Fahrt entfernt. „Diese Art der Vermietung wird anderswo schon gut angenommen“, bemerkt Anna von Veltheim. Offen sei das Angebot aber für alle Gäste. Ihr Ehemann Nikolaus von Veltheim ist mit seinen Brüdern auf dem Gut in Glentorf aufgewachsen. „Wir wollen investieren, um es für die Familie zu erhalten“, erklärt er. Die von Veltheims selbst wohnen in Oelber bei Salzgitter. „Wir hätten auch hierher ziehen können. Aber auch dann hätten wir erheblich renovieren müssen.“

Begonnen wurde mit der Grundsanierung, beziehungsweise den Planungen dazu, vor anderthalb Jahren. Bei alten Gebäuden finden sich immer neue Überraschungen. So wurde das Haus einst mit einer kunststoffhaltigen Farbe gestrichen, die nun herunter muss. Wichtig ist auch, die alten Sandsteinplatten im Eingangsbereich bei den Arbeiten nicht zu beschädigen. Seit 1386 ist die Familie von Veltheim in Glentorf. „Hier hat nie der Besitzer gewohnt. Meist lebten hier die unverheirateten Tanten“, sagt Nikolaus von Veltheim, der sich gut vorstellen kann, dass vielleicht einer seiner Söhne das kleine Gut in der Zukunft bewohnen wird. „Etwas Land ist dabei, aber Landwirtschaft wird nur in geringem Umfang betrieben“, so das Familienoberhaupt. „Hauptsächlich sind Wiesen verpachtet.“ Der noch stehende Teil des eigentlichen
Gutshauses in Glentorf ist rund 340 Jahre alt. 1864 ist es aber fast ganz abgebrannt. An die Stelle kam ein stabiler Fachwerkanbau, der nun zu den Appartements umgebaut wird. Die von Veltheims verwalteten das Gut bis zum Zweiten Weltkrieg aus der Ferne. „Es war ein sogenanntes Vorwerk, also nicht der Hauptsitz der Familie“, erläutert Nikolaus von Veltheim. Hauptsitz war das Rittergut Groß Bartensleben (Sachsen-Anhalt) mit einem großen Schloss. Seine Eltern und Großeltern zogen dann zunächst in die zur Familie gehörige Wasserburg Veltheim (Ohe). „Veltheim war verpachtet, immer auf 30 Jahre“, berichtet Nikolaus von Veltheim.

Der Vertrag lief 1944 aus, und sein Großvater hatte ihn aus Vorsicht nicht verlängert. Der Pächter hatte natürlich viel in dieser Zeit investiert. Die Pacht wurde beendet und der Pächter mußte ausgezahlt werden. Dafür wurde die Glentorfer Landwirtschaft von circa 350 Hektar an die Siedlungsgesellschaft verkauft. Nach dem Krieg wurde die Adelsfamilie im Osten umfangreich enteignet. „Wir sind 1956 nach Glentorf gezogen“, erinnert sich Nikolaus von Veltheim. „Weil das Volkswagenwerk in der Nähe ist, kamen viele Flüchtlinge in das Dorf . So entstanden viele kleine Siedlungshöfe auf unserem ehemaligen Land. Unter ihnen waren viele Schlesier“, berichtet von Veltheim, „sie konnten singen, Theater spielen und Gedichte aufsagen. Das sogenannte „Flüchtlingsvergnügen“, das jedes Jahr „auf dem Saal“ der örtlichen Gastwirtschaft stattfand, war für die Jugend das lustigste Ereignis des Jahres! Sie haben auch die Tradition des Maibaums in das Dorf mitgebracht.“ Weil sein Vater, Jobst von Veltheim, einen Pflanzenschutzhandel betrieb und Großbetriebe landwirtschaftlich beriet, konnte das Rittergut in Glentorf gehalten werden. Er war auch Kirchenpatron und verstarb 2006. Nikolaus von Veltheim besuchte währenddessen die Schule in Braunschweig, dann ein Internat und studierte anschließend Jura. Doch Anwalt wollte er nicht werden.

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