Der andere Ansatz

Seit 2010 bewirtschaftet Alexander Brendecke das Rittergut Alvesse. Dabei setzt der gelernte und studierte Bankkaufmann auf eine Betriebsführung, die sich auch in der Außendarstellung wiederfindet - Adelsserie: Folge 8

Der heutige Eingang zum Herrenhaus des Ritterguts Alvesse. Am Rondel, zu Fuße der Treppe, sind noch die Reste der ehemaligen Grundmauern zu sehen. Foto: Gesa Lormis

Der heutige Eingang zum Herrenhaus des Ritterguts Alvesse. Am Rondel, zu Fuße der Treppe, sind noch die Reste der ehemaligen Grundmauern zu sehen. Foto: Gesa Lormis

Wie schnell sich die Situation von landwirtschaftlichen Betrieben verändert, ist vielerorts sichtbar. Auch das erst Ende des 19. Jahrhunderts entstandene Rittergut Alvesse hat sich gewandelt. Und Alexander Brendecke weiß das am besten. Als Nachfahre von Erbauer Julius Richard Brendecke und Enkel von Richard Brendecke, der das Gut über 60 Jahre lang führte, kennt er die Geschichten rund um die Entstehung des Herrenhauses, der ehemaligen Ställe und Scheunen. Aufgewachsen ist er selbst aber in Rössing bei Hildesheim, in Sichtweite der Marienburg: „Mein Vater hatte dort ein Landmaschinenunternehmen mit Werkstatt, das Gut wollte er nicht übernehmen. Mein Großvater hatte eigene Vorstellungen davon, wie etwas zu laufen hatte, daher gingen die beiden eher getrennte Wege“, erzählt er.

Die Nachfolge klärte Richard Brendecke in einem Alter, in dem andere schon lange in Rente sind. Alexander Brendecke lernte erst Bankkaufmann, machte sein Diplom in Betriebswirtschaft und lebte in Frankfurt und Frankreich, bevor ihn der Großvater auf eine mögliche Nachfolge ansprach. „Eine landwirtschaftliche Lehre holte ich nach“ beschreibt er seinen Werdegang und ergänzt: „Da klar war, dass wir Ausbildungsbetrieb werden wollten, habe ich gerade noch die Prüfung zum Landwirtschaftsmeister abgelegt.“

Gleichzeitig steht für ihn fest, dass nicht einfach irgendjemand als Lehrling genommen wird: „Ein Lehrling ist bei uns nicht einfach ein günstiger Mitarbeiter. Wer bei uns auf dem Gut lernt, soll für sein Leben auch was mitnehmen können. Eine gute Ausbildung zu geben, die mit einer guten Note in der Abschlussprüfung belohnt wird, ist Teil unserer betrieblichen Visitenkarte“, erklärt Brendecke. Mit einem festangestellten Mitarbeiter und einigen Aushilfen bewirtschaftet er 200 Hektar Ackerland, zum Teil eigenes Land, im direkten Umland von Alvesse. Neben Raps, Zuckerrüben, Weizen und Gerste gibt es kleinere Flächen mit Sonderkulturen. Dazu kommt das Geschäft mit Brennholz und die Vermietung von Wohnungen. „75 Prozent unseres Geschäftes ist die Landwirtschaft.

Ungefähr 15 Prozent die Vermietung und die Verpachtung alter Hofstellen. Der restliche Teil ist das Brennholz, auch wenn wir damit wahrscheinlich die höchste Außenwirkung haben“, rechnet Brendecke vor. Das Geschäft damit begann ungefähr 2015, nachdem er bei der eigenen Holzernte angesprochen wurde, ob er Brennholz verkaufen würde. Dabei reichen die wenigen Hektar Wald des Gutes nicht aus: „Aber wenn es die Nachfrage gibt, wollten wir sie auch bedienen. Das Holz beziehen wir als Stämme aus der Region, die wir hier auf dem Gut verarbeiten und in Scheiten bis zur Haustür liefern.“ In den umliegenden Ortschaften machen Schilder auf den Verkauf aufmerksam, in einem der alten Ställe war zeitweise eine Ausstellung über Brennholz, in der Verkaufsgrößen und Begrifflichkeiten rund um Brennholz erklärt wurden.

Beratung gehört für ihn mit zum Service: „Das wissen auch alle, die für uns arbeiten. Wenn ein Termin zur Lieferung abgemacht ist, kommen wir zuverlässig, pünktlich und hinterlassen kein Chaos auf dem Grundstück des Kunden.“ Das Gut liegt am südlichen Rand des Ortes, fast etwas versteckt. Über Jahre war es daher schlicht ein landwirtschaftlicher Betrieb, der abgekoppelt vom Dorfleben existierte. Hinter der Einfahrt teilt sich das Gelände: Auf der rechten Seite liegt ein Park mit dem Herrenhaus, auf der anderen Seite die landwirtschaftliche Hofstelle, die an drei Seiten von zusammenhängenden Gebäuden umschlossen ist. An der vierten Seite, direkt gegenüber des Herrenhauses, ist ein Lager mit angeschlossener Werkstatt.

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