Der Schreibtisch von Axel Vogelsang

Leiter im Bereich Datenschutz der Kämmer Consulting GmbH

Axel Vogelsang an seinem Schreibtisch. Foto: Derya Özlük

Axel Vogelsang an seinem Schreibtisch. Foto: Derya Özlük

Knapp vier Monate ist es nun her: Seit dem 25. Mai gilt die Datenschutz-Grundverordnung und damit ein neuer, europaweit einheitlicher Rechtsrahmen für die Verarbeitung, Speicherung und Nutzung personenbezogener Daten. Das neue Datenschutzrecht betrifft praktisch alle Unternehmen und erzeugt viele Fragen und Unsicherheiten. Axel Vogelsang, Datenschutz-Spezialist der Kämmer Consulting GmbH in Braunschweig, erlebte viel Hysterie und klärte auf, wie klein- und mittelständische Unternehmen mit den neuen Anforderungen umgehen sollten.

Der Datenschutz ist unerlässlicher Bestandteil moderner Unternehmensführung – mehr noch: „Es ist für Unternehmen ein Qualitätsmerkmal geworden“, sagt Vogelsang. „Ähnlich wie man sich im Moment mit verschiedenen ISO-Normen zertifizieren kann, wird im Datenschutz-Bereich auch etwas passieren.“ Dass es dennoch ein unbeliebtes Thema in Unternehmen ist, bestreitet er nicht: „Es macht Arbeit, ist lästig und kostet Geld. Aber es ist eine gesetzliche Vorgabe!“ Mit der DSGVO werden umfangreiche Dokumentationsnachweise erforderlich, bei denen professionelle Hilfe von Nöten ist. Besonders prekär sei die Zeit vor der Inkraftsetzung der Datenschutzverordnung gewesen: Viele verunsicherte die starke Präsenz in den Massenmedien, dazu kam die Angst vor hohen Geldstrafen. „Für uns war das natürlich gut“, erklärt Vogelsang. „Die Nachfrage nach Beratung stieg Anfang des Jahres enorm an – aber bereits Ende Mai, direkt nach der Verordnungsverkündung, hat der Boom etwas nachgelassen. Die Leute haben gemerkt, dass sich die Welt weiter dreht.“

In vielen Mitarbeiterschulungen wurde die Notwendigkeit der Verordnung indes bezweifelt: „Wenn ich jedoch nach den Gehältern der Teilnehmer gefragt habe, war die Sicherheit der persönlichen Daten mit einem Mal doch nicht mehr so unwichtig“, berichtet der 51-Jährige und lacht. Aber auch im privaten Bereich, etwa beim Preisgeben von persönlichen Informationen auf sozialen Plattformen, bleibt Datenschutz ein Thema: „Deshalb ist die Auseinandersetzung damit sehr wichtig!“ Selbst ist Vogelsang auf Umwegen zum Datenschutz gekommen. Ursprünglich startete er als Konditor-Lehrling beim Café Haertle in Braunschweig in die Berufswelt, verpflichtet sich anschließend für acht Jahre als Zeitsoldat – mit einem festen Vorsatz: „Ich wollte unterrichten und schulen.“ So beginnt er 1994 nach der Bundeswehr über den Berufsförderungsdienst seine zweite Ausbildung als Bürokaufmann an der Oskar Kämmer Schule, gelangt darüber 2003 zu Kämmer Consulting und übernimmt vorerst die Bereichsleitung im IT-Service, ist als EDV-Trainer tätig und gibt SAP-Schulungen.

„Vor etwa fünf Jahren wurde das Thema Datenschutz als eigenständiger Bereich mit in das Beratungsportfolio aufgenommen. Nach rund 20 Jahren im selben Themenfeld hatte ich ehrlich gesagt auch nicht mehr viel Lust zu erzählen, wie man einen Serienbrief erstellt.“ Seitdem leitet und koordiniert Vogelsang das fünfköpfige Datenschutz-Team. Seine Tätigkeit als Datenschutzbeauftragter umfasst alle Abteilungen und Bereiche, in denen personenbezogene Daten verarbeitet werden – vom kleinen Unternehmen mit 20 Mitarbeitern bis zu den größeren mit 400 Mann. Auch privat prägt ihn die Auseinandersetzung mit dem Datenschutz: Anders als Freunde und Familie, betrachte er seine Umgebungen mit einer anderen Aufmerksamkeit: „Mein Blick geht oft nach oben. Ich schaue, ob irgendwo Kameras hängen, bin bereits sensibilisiert – genau das wollen wir bei unserem Kunden auch erreichen.“ Dabei sei es wichtig, Kunden so wenig wie möglich in den Abläufen zu stören. „Oftmals sind es nur Kleinigkeiten, an denen man ein bisschen drehen muss.“ Datenschutz kann also schon bedeuten, eine E-Mail mit vertraulichen Daten nicht an einen falschen Empfänger zu schicken. „Schauen Sie vor dem Senden einfach noch einmal genauer hin.“

^