Der Schreibtisch von Bettina Ulrich

Geschäftsführerin und Gründerin von KÖ Frisuren und Kosmetik in Braunschweig

Bettina Ulrich. Foto: Derya Özlük

Bettina Ulrich. Foto: Derya Özlük

Wo früher einmal die Fabriken des Braunschweiger Autopioniers Heinrich Büssing standen, wird heute frisiert, gestyled und massiert: Als der nach dem Unternehmer benannte Ring nahe des Hauptbahnhofes für viele zum attraktiven Firmenstandort wurde, war auch Bettina Ulrich, Leiterin des KÖ Friseur-Salons, mutig und wagte den Schritt in die Selbstständigkeit. Heute, drei Jahrzehnte später, feiert sie gemeinsam mit ihrem mittlerweile elfköpfigen Team das 30-jährige Bestehen – mit einer ganz besonderen Reise. Wir haben sie an einem Arbeitsplatz besucht, der eine außergewöhnliche Unternehmenskultur pflegt … Bestehensfeiern sind bei KÖ Frisuren und Kosmetik Programm: Vor fünf Jahren war das Team zum 25-jährigen Jubiläum über ein Wochenende in der Modemetropole Mailand.

Zum 30-jährigen Bestehen lädt die Chefin ihr Team auf eine noch größere Reise ein: Eine Woche, acht Flugstunden weiter, nach New York – aus einem einfachen Grund. „Meine Mitarbeiter haben mir so viel gegeben und waren immer für mich da, das haben wir uns einfach verdient“, sagt die 54-Jährige und holt freudestrahlend ein Fotobuch hervor: „Da waren wir in New Jersey, bei Paul Mitchell im Schulungszentrum“, und zeigt dabei auf ein Gruppen-Selfie, „das war ein schönes Event.“ Bis dahin war es ein langer Weg. 1980 fängt alles an: „Zu der Zeit hatte der Friseurberuf noch keinen guten Stellenwert auf dem Arbeitsmarkt“, berichtet sie über die anfänglichen Schwierigkeiten. „Es gab schon Vorbehalte, diesen Ausbildungsweg einzuschlagen“. Parallel zur Berufsausbildung ergänzte Ulrich ihre schulische Ausbildung, sodass sie kurz nach ihrem 20. Geburtstag die jüngste Meisterin ihres Handwerks in Niedersachen war.– „Das war schon ein hohes Tempo!“ Auf Empfehlung wechselte sie anschließend zu einer der führenden Marken für Haarpflegeprodukte, Wella – dort blieb sie vier Jahre. „ Alles, was ich dort gelernt und beobachtet habe, schrieb ich in mein schlaues Buch – daraus entwickelte sich dann mein eigenes Konzept.“ Mittlerweile hat sich der Beruf stark gewandelt.

Highlights aus New York: Festgehalten in einem Fotoalbum für Ihre Kunden. Foto: Derya Özlük
Highlights aus New York: Festgehalten in einem Fotoalbum für Ihre Kunden. Foto: Derya Özlük

Gewachsen seien vor allem die Ansprüche der Kunden, unterschätzt werde der Friseurberuf aber weiterhin: „Wir sind Psychologen, Zuhörer, Berater und Geheimnisträger“, erzählt Ulrich. Vielen sei zudem nicht klar, welche facettenreichen Möglichkeiten der Ausbildungsberuf bietet: „Ich höre immer wieder, dass Friseure nur am Stuhl stehen und nichts verdienen“, aber da gibt es gerade heute eine große Jobperspektive wie aufs Schiff gehen zum Beispiel. „Ich wollte an Bord als Friseurin arbeiten und gleichzeitig die Welt bereisen. Leider war ich damals mit 20 Jahren noch zu jung.“ Aber auch die Spezialisierung zum Hair Artist am Theater oder Film sind sehr gefragt. „Ich wurde in meinem Leben immer gut geführt, mir wurden Möglichkeiten in die Selbstständigkeit aufgezeigt und dafür bin ich dankbar.“ Ihren eigenen Mitarbeitern steht die Geschäftsführerin dabei auch privat zur Seite: „Letztens habe ich meine Mitarbeiterin dazu ermutigt, für sich eine Immobilie zu erwerben und habe sie bei der Suche unterstützt.“ Für die Zukunft hat Ulrich auch schon vorgesorgt: Nicht eine ihrer drei Töchter, die wie ihre Mutter gerne reisen und sich derzeit im Ausland befinden, sondern eine langjährige Mitarbeiterin soll in Zukunft die Leitung des Geschäfts übernehmen, damit die Kontinuität gewahrt bleibt. „Wir haben viele Höhen und Tiefen erlebt“, schließt Ulrich und lacht, „und dafür danke ich meinem Team!“

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