Der Schreibtisch von Karin Hohls-Kluge

Geschäftsführerin der Hohls KG in Vorsfelde

Karin Hohls-Kluge, Geschäftsführerin der Hohls KG in Vorsfelde. Foto:

Karin Hohls-Kluge, Geschäftsführerin der Hohls KG in Vorsfelde. Foto:

In der Langen Straße der historisch gewachsenen Marktstadt Vorsfelde herrschen Ruhe und Harmonie. Jeder kennt jeden und jeder kennt Hohls. Denn der Familienbetrieb ist in der sich wandelnden Geschäftsstraße das einzig beständige Unternehmen – seit über 60 Jahren. Hier steht der Schreibtisch von Karin HohlsKluge, Tochter des Gründers Karl Hohls, dessen Platz die 63-jährige Geschäftsführerin einnahm.

Heute teilt sie sich die Geschäftsleitung mit ihrem Ehemann. Der Blick durch die Gänge erinnert an traditionelle Kaufhäuser – hier gibt es viel zu entdecken: Farbenfrohe Materialvielfalt von Stoffen über Porzellan bis zu modernen Küchengeräten auf der ersten Etage – ein Bummel-Paradies für Männer und Kinder mit Spielzeug, Eisenwaren, Werkzeug und vielem mehr im Untergeschoss. Die Wolfsburgerin erzählt uns im Büro ihres Vaters, was es bedeutet, in elterliche Fußstapfen zu treten und warum sie das Unternehmen dem Jurastudium vorzog.

„Mein Vater und meine Mutter haben sehr viel Herz hier hineingebracht und eine unvergleichlich familiäre Atmosphäre
geschaffen“, erzählt Karin Hohls-Kluge rückblickend. „Es war nicht leicht für mich, der Nachfolge gerecht zu werden.“ Auch die Belegschaft sei skeptisch gewesen, zweifelte anfangs an der neuen Führungskraft. Doch die Zweifel seien unberechtigt gewesen, erzählt die langjährige Mitarbeiterin Corinna Engelke-Drewitz. Denn mit der Chef-Position sei auch die Verbundenheit zu den Mitarbeitern und Kunden weitergegeben worden. Ursprünglich plante Karin Hohls-Kluge, die älteste von drei Schwestern, einen ganz anderen beruflichen Weg. Nach dem Abitur und einer Vielzahl von Praktika, die sie auf Wunsch ihres Vaters absolvierte, setzte sie ihren eigenen Kopf durch und studierte Jura bis zum ersten Staatsexamen. Weiter ging es in dem Bereich jedoch nicht. „Ich fand es ziemlich ätzend, nur am Schreibtisch zu sitzen.“ Es folgte die Fachschule für den Eisenwaren- und Hausratshandel in Wuppertal. Mit an ihrer Seite: ihr heutiger Ehemann. „Wir haben zusammen auf der Schulbank gesessen. Das war eine Herausforderung, aber auch sehr witzig.“ Zusammen kehrten die beiden zurück in ihre Heimat und übernahmen schrittweise das Geschäft der Eltern.

Generationen­-Bild: Seniorchef Karl Hohls an der Hand seines Opas. Foto:
Generationen­-Bild: Seniorchef Karl Hohls an der Hand seines Opas. Foto:

„Alleine hätte ich das nie getan. Mir war immer klar, dass mein Vater das gerne wollte – aber unter Druck gesetzt hat er mich trotz der langen Familientradition nicht.“ Bereits einige Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg betreibt die Familie einen Lebensmittel- und Fischladen auf der gegenüberliegenden Straßenseite – die nostalgischen Fotos aus der Zeit schmücken noch immer die Bürowände. „Er hat immer gerne gebaut und sich was getraut“, schwärmt die 63-Jährige. Im Jahre 1953 kaufte Karl Hohls dann das heutige Kaufhaus, das in den 70er Jahren ausgebaut und renoviert wurde. „Ich erinnere mich, dass wir vorne eine Baustelle hatten, aber der Laden lief immer weiter. Die Kunden sind einfach durch die Baugrube gekrabbelt!“ Die herzliche Atmosphäre und das traditionelle Konzept seien damals wie heute die Erfolgsgaranten, erzählt HohlsKluge und lächelt: „Viele Kunden kommen mittlerweile auch aus Braunschweig und von weiter außerhalb zu uns – ich glaube, das hätte meinen Vater als eingefleischten Eintracht-Fan sehr gefreut.“

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