Die Chancen der 3D-Simulation

Sebastian Hemmann deckt Engpässe in Unternehmen auf

Sebastian Hemmann. Foto: Derya Özlük

Sebastian Hemmann. Foto: Derya Özlük

Ein erfolgreiches Unternehmen zeichnet sich unter anderem durch zufriedene Mitarbeiter und langfristige Erfolge aus. Somit liegt es an der Führung schnelle Lösungen zu finden und geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Wie diese aussehen könnten, weiß Sebastian Hemmann, Leiter des Ingenieurbüros für Prozesssimulation. Er findet nicht nur Lösungen, sondern testet diese auch gleich aus: Wie Was-wäre-wenn-Szenarien simuliert werden und warum Unternehmen immer häufiger zu Simulationsverfahren greifen, erfahren wir im Standort38-Interview.

Sebastian Hemmann reiste von Gera über Lübeck bis Bayern – zog schließlich auch der Liebe wegen nach Braunschweig: „Ich wollte mich selbstständig machen und die Region schien mir aufgrund der Infrastruktur, Stadtgröße und der Nähe zur Technischen Universität bestens geeignet“, sagt er. Seiner Ausbildung schloss der gelernte Elektroinstallateur ein Studium der Verkehrsleittechnik in Zwickau an. Schnell spezialisierte er sich auf den Bereich Logistik und absolvierte als Projektingenieur diverse Jobs in unterschiedlichen Branchen – mit einer klaren Erkenntnis: „Simulationen betrieblicher Abläufe haben ein enormes Potenzial.“ Mit dem Ziel Unternehmen unterschiedlicher Branchen mittels Simulationen zu unterstützen, wagte Hemmann 2014 den Schritt in die Selbstständigkeit als Distributor für die amerikanische Simulationssoftware FlexSim. Heute ist der Technikbegeisterte mit seinem Team im Technologiepark ansässig und bietet neben der Durchführung und Unterstützung von Simulationsprojekten, Beratungen sowie Schulungen zur Optimierung und Planung von Logistik- und Produktionsprojekten an.

Was wäre, wenn…

„Wir können komplexe Was-wäre-wenn-Szenarien in wenigen Minuten durchspielen“, sagt Hemmann. Entscheidungen seien mittels 3D-Simulationen und dynamischer Abbildung leichter zu treffen. „In einem dreidimensionalen Raum können Objekte ausgewählt und in Beziehung zueinander gesetzt werden. Beispielsweise wird beliebiges Material zwischen einem Lager oder einer Maschine bewegt“, erklärt Sebastian Hemmann. Insbesondere bei der Planung und Investitionen in neue Anlagen oder Logistiklösungen bringe eine Vorab-Simulation Vorteile mit sich, weil Zusammenhänge durch Ausprobieren verständlicher werden und Unternehmen zudem oftmals viel Geld sparen können. Um ein möglichst realitätsnahes Bild zu erzeugen, werde auch unerwünschtes Störverhalten implementiert, erklärt Hemmann: „An dieser Stelle kommt man mit einer rein statischen Rechnung nicht weiter.“

FlexSim-Simulationsmodell: Visualisierung einer Lagerlogistik. Grafik: FlexSim
FlexSim-Simulationsmodell: Visualisierung einer Lagerlogistik. Grafik: FlexSim

Simulation erfahrbar machen

In den letzten Jahren hat sich die rechnerbasierte Simulationstechnik stark verändert: sie ist komplexer und komplizierter geworden. Die Leistungsfähigkeit der Rechner jedoch, wurde viel schneller viel größer, so dass es möglich geworden ist, die Simulationen auf 14-Zoll-Notebooks zu realisieren: „In 20 Minuten kann den Mitarbeitern der Prozess und die Lösung direkt in Form eines Promotions- oder Vertriebsvideos vorgeführt werden.“ Auch eigene Entscheidungen im Team ließen sich durch den Simulationsgenerator ganz leicht lösen: „Wir lassen den Simulationsgenerator sogar entscheiden, was es zum Mittag gibt“, scherzt Hemmann. Mittels Virtual-Reality-Brillen, die längst Einzug in die Spieleindustrie gehalten haben, lässt sich der Erfahrungswert noch steigern – der Prozess wird zu einem 3D-Erlebnis und greifbar. „In der Produktionstechnik ist das eigentlich ungewöhnlich. Aber für unsere Kunden ist es spannend, sich beispielsweise in der eigenen Lagerhalle zu bewegen und das Gefühl zu bekommen, mitten im Geschehen zu sein.“

Enormes Potenzial – zu wenig Aufmerksamkeit

Obwohl Simulationen bereits seit den 80er-Jahren Bestandteil der Computerwelt sind, werden sie von der Geschäftswelt noch selten genutzt. „Es gibt aber auch Firmen, die sich dazu entscheiden, eigenständig mit Simulationsprozessen zu arbeiten“, sagt Sebastian Hemmann und ergänzt: „Leider noch zu wenig in der Region.“ Denn seine Kunden sitzen überwiegend außerhalb der Region. So ist Hemmann deutschlandweit, in Österreich und der Schweiz unterwegs. Für die Zukunft wünscht sich der junge Familienvater, dass noch mehr Braunschweiger Unternehmen das Potenzial von Simulationen erkennen und davon profitieren.

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