Die Ökostrom-Macher

Landwind aus dem Kreis Helmstedt plant, baut und betreibt Windkraftanlagen – außerdem sind die Heidebroeks Landwirte und Energieversorger

Bärbel und Alexander Heidebroek lieben die Region, den Wind und ihre vier Söhne. Foto: Magnus Kleine-Tebbe

Bärbel und Alexander Heidebroek lieben die Region, den Wind und ihre vier Söhne. Foto: Magnus Kleine-Tebbe

Wer auf die 670-Seelen-Gemeinde Gevensleben im Kreis Helmstedt zusteuert, sieht das Geschäftsmodell der Heidebroeks schon von Weitem: Mit dem Windpark des Landvolks fing alles an. Eigentlich sind Bärbel und Alexander Heidebroek Landwirte. Auf dem Trecker sitzen die beiden allerdings schon lange nicht mehr, auch wenn Alexander Heidebroek gleich ins Schwärmen kommt, wenn er an die Arbeit auf dem Acker denkt.

Inzwischen liegt der Schwerpunkt des Unternehmerpaars in der Windenergie. Alexander Heidebroek übernahm 1999 den Hof der Eltern; Bärbel Heidebroek, die aus Hessen stammt, folgte ihm nach Gevensleben. Kennengelernt hatte sich das Ehepaar beim Agrarwissenschaftsstudium. Der Betrieb lief, noch hatten die heute 48-Jährigen keine Kinder – und dachten, da geht noch mehr. Als Alexander Heidebroek das Landvolk beim Bau einer Windkraftanlage beriet, fing er Feuer. Schon im Studium hatte er mit einem Freund an einer Windmühle getüftelt. 2001 gründeten die Heidebroeks die Landwind-Gruppe. Heute betreuen sie kaufmännisch und technisch mehr als 100 Windkraftanlagen in Norddeutschland, unter anderem in unserer Region. 500 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen diese pro Jahr, könnten nach Unternehmensangaben also etwa 330.000 Menschen mit Ökostrom versorgen. Rund 70 davon haben sie selbst gebaut – Landwind plant und errichtet auch Windräder und hält in diesem Fall selbst Anteile, von 5 bis 100 Prozent. „Wir versuchen, die Beteiligungen hochzuhalten, weil wir davon überzeugt sind“, sagt Alexander Heidebroek. Auch Bürger könnten sich immer beteiligen. „Wir bemühen uns, regionale Firmen und die Gemeinden einzubinden“, sagt Bärbel Heidebroek.

Die Unternehmer gründen bei neuen Bauvorhaben Bürgerstiftungen, die das kulturelle Leben auf dem Land fördern sollen, etwa durch Kinderspielgeräte. Die Kommunikation solle offen und transparent sein; auch Kritik, etwa von Bürgerinitiativen gegen Windparks, werde ernst genommen – und beispielsweise auch mal der Abstand zum Ort freiwillig erhöht. Die Flächen gehören meist Landwirten – die Heidebroeks kennen ihre Bedürfnisse. Und beteuern: „Wir verkaufen Projekte nicht weiter.“ Mit der eigenen Region fühlen sie sich eng verbunden, sind etwa ehrenamtlich engagiert. Sie hätten sich bewusst entschieden, das Unternehmen in Gevensleben anzusiedeln. Inzwischen beschäftigt das Paar 30 Mitarbeiter. Den Ackerbau auf gut 1.000 Hektar hat ein Betriebsleiter übernommen, mit drei Mitarbeitern. Auch hier setzen die Heide broeks auf ein nachhaltiges Wirtschaften, wie sie betonen: ökologisch, ökonomisch und sozial. Die Größe des Betriebs schließe das nicht aus – im Gegenteil: Maschinen, Dünger oder Pflanzenschutzmittel ließen sich so gezielt einsetzen. Auf ihr DLG-Nachhaltigkeitszertifikat sind sie stolz. Vor fünf Jahren gründete das Paar sogar ein drittes Standbein: den Energieversorger Landstrom. „Wir wollten zeigen, dass Strom aus erneuerbaren Energien sich auch wettbewerbsfähig anbieten lässt“, sagt Bärbel Heidebroek, die hier den Hut aufhat. „Wir sind in jeder Region Deutschlands günstiger als der Grundversorger.“ Das Paar hat auch hier die Zukunft im Blick: Wenn für seine Anlagen irgendwann die Einspeisevergütung für Strom aus erneuerbaren Energien entfällt, soll die Infrastruktur bereitstehen, um den Strom auch direkt verkaufen zu können. Landstrom kauft seinen Ökostrom bisher an der Börse. Insgesamt erwirtschaftet die Gruppe nach Unternehmensangaben gut 50 Millionen Euro Umsatz und etwa zwei Millionen Gewinn.

Der überwiegende Anteil, mehr als 80 Prozent, liege dabei im Geschäftsbereich Landwind. Die Jahresergebnisse schwankten stark, etwa abhängig davon, ob Landwind in einem Jahr einen Windpark baut. Das Geld werde direkt wieder ins Unternehmen investiert – langfristig. Ob einer der vier Söhne, die zwischen acht und 14 Jahre alt sind, das Unternehmen eines Tages übernimmt? Bärbel Heidebroek ist es wichtiger, dass alle etwas machen, das sie glücklich macht. So wollen die Heidebroeks auch ihre Mitarbeiter binden, etwa durch schicke Büros im umgebauten Heulager oder Familienfreundlichkeit. Offiziell arbeitet Bärbel Heidebroek in Teilzeit – und weiß, wie hilfreich Flexibilität für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist. Wenn das Kind krank ist, darf ein Mitarbeiter von zuhause aus arbeiten. Als die eigenen Kinder noch klein waren, nahm das Paar sie auch mal zu Terminen mit. Sie sei sehr froh, dass sie sich nicht zwischen Familie und Beruf entscheiden musste, sagt Bärbel Heidebroek. Sie ist für Landstrom, das Personal und die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich, ihr Mann für die Finanzen sowie die Planung und Betreuung der Windkraftanlagen. Letzteres sei für kleinere und mittlere Betreiber wie Landwind inzwischen ein harter Konkurrenzkampf geworden. Der technische und bürokratische Aufwand sei heute hoch, ebenso die Auflagen. Auch die politische Atmosphäre war schon mal besser. Etwa zehn größere Unternehmen gebe es in Deutschland. Die Heidebroeks glauben trotzdem, dass die Windenergie auch in Zukunft wirtschaftlich erfolgreich sein wird.

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