Die Porsche-Macke

Dr. Henning Rauls ist Partner in der Kanzlei Göhmann. Seine zweite Leidenschaft neben dem Anwaltsberuf gilt der Automarke aus Zuffenhausen

Dr. Henning Rauls. Foto: Holger Isermann

Dr. Henning Rauls. Foto: Holger Isermann

Der Mythos Porsche lebt – hier in einem etwas versteckten Wohngebiet mitten in Braunschweig und vor allem in Henning Rauls. Der promovierte Jurist und Partner in der Kanzlei Göhmann Rechtsanwälte biegt in einem silberfarbenen 911er um die Kurve und parkt ihn neben dem blauen 944 mit Rallye-Beschilderung. Mit letzterem ist Rauls zusammen mit seiner Frau gerade die Nordsee-Tour Hamburg-Berlin gefahren. Und dann steht gerade noch der goldene Porsche 911 mit der Innenausstattung in blau-grünem Schottenkaro auf der anderen Seite des Hauses – „Platindiamant metallic“, korrigiert Rauls und bittet ins Haus an den Wohnzimmertisch. Hier zwischen Kunst, Büchern und Modellautos erzählt er, wie die Sportwagen aus Zuffenhausen in sein Leben fuhren.

Aus Rücksicht BMW

Bereits zum 1. Geburtstag gibt es vom Vater eine Carrera-Bahn mit einem Porsche 906. Er ist Lebensmitteleinzelhändler und Zeit seines Lebens Fan der Marke mit dem schwarzen Rössle im Wappen. Doch aus Rücksicht auf seine Kunden im kleinen Ort Deensen in der Nähe von Holzminden fährt er BMW. Den Sohnemann infiziert er dennoch mit dem Porsche-Virus: Ob Fanpakete, Kalender, Modellautos oder das Christophorus-Magazin – Henning Rauls weiß früh, wofür sein Herz schlägt. Zur Konfirmation kauft er sich die erste von Ferdinand Alexander Porsche designte Armbanduhr für 640 D-Mark. „Da war schon in der Kindheit ein extremer Autofanatismus“, erinnert er sich. Zunächst schraubt er aber an seinen Fahrrädern, dann an einem Mofa – Typ Hercules M5 – und schließlich an seinem ersten eigenen Auto herum – einem vipergrünen Autobianchi A 112 mit 44 PS. Der ist zwar alles andere als ein Porsche, hat aber aufgrund seiner Vergangenheit als Fahrzeug für Slalom-Rennen immerhin einen Überrollbügel und allerlei Zusatzinstrumente.

Schrauber- und Studienjahre

Nach dem Abitur tauscht Rauls ihn gegen einen echten Sportwagen – einen roten Fiat X1/9. Damals ist er mit der Tochter eines Fiat-Händlers zusammen und lernt an den Wochenenden neben dem Jura-Studium in Göttingen in der Werkstatt des Vaters das Schrauben von der Pike auf. „Der Traum irgendwann einmal einen eigenen Porsche zu fahren, war schon eine besondere Motivation für mich.“ Mit 36 Jahren ist es soweit. Zur Soziierung in der Braunschweiger Kanzlei Göhmann schenkt sich Rauls selbst einen Porsche 964 Cabrio in Dunkelblau. „Ich kann mich noch genau an die Rückfahrt aus Pinneberg erinnern. Es war unglaublich und ich hatte die ganze Zeit bis nach Braunschweig feuchte Hände.“

Vom Fahrer zum Sammler

Doch mit dem ersten Porsche endet die Geschichte nicht, sondern nimmt ihren Anfang. „Es sind mir immer mal wieder Fahrzeuge zugelaufen. Dabei waren die Porsche um die Jahrtausendwende noch bezahlbar.“ Mittlerweile besitzt Rauls fünf Modelle aus Zuffenhausen – drei 911, einen Porsche 928 und ein 944 Cabrio. Vier von ihnen tragen das „H“ im Kennzeichen und zusammen mit seiner Frau nimmt er regelmäßig an Oldtimer-Rallyes teil. „Der Sechs-Zylinder ist ein unglaublich toller Motor. Es gibt keine Servolenkung, keine Helferlein, das ist sehr ursprüngliches Fahren.“ Auch jenseits des Asphalts bestimmt die Autoleidenschaft den Alltag. Jeden Abend scannt Rauls „zum Runterkommen“ das Internet nach neuen Fahrzeugen oder Ersatzteilen. Ohne konkrete Kaufabsicht, aber „Autosammler sind immer auf der Suche.“ Samstags geht es in die Werkstatt, wo der Vizepräsident des 1899 gegründeten Automobilclubs ASC Niedersachsen selbst zum Schraubenschlüssel greift und in den letzten vier Jahren ein Fahrzeug komplett neu aufgebaut hat: „Mir ist Originalität extrem wichtig, ich möchte keine Bastelbuden.“

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